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Tourismus: Wie die Lausitz zur Seenlandschaft heranwächst

Großräschen

Die Marina von Großräschen, dieser Tage teilweise mit Eis bedeckt: Der Großräschener See ist eines der Vorzeigeprojekte im Brandenburger Seenland.  

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dpa/Patrick Pleul

Senftenberg -

Anne-Kathrin Dydymski blickt auf einen der vielen Bildschirme vor sich. In diesem Moment fließen – sorgsam überwacht – große Wassermengen in künstliche Seen in der Lausitz. Aus stillgelegten Braunkohle-Tagebauen in Sachsen und Brandenburg wird eine Seenlandschaft. Kanäle verbinden die Gewässer, eine ganze Region wandelt ihr äußeres Bild. Einige der riesigen Löcher sind schon gefüllt. Und fertig ist der Badesee. Der Tourismus der Region verspricht sich große Effekte.

In der Flutungszentrale des staatlichen Bergbausanierers Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) im südbrandenburgischen Senftenberg (Oberspreewald-Lausitz) wird der Flutungsvorgang geplant, überwacht – und wenn nötig wird auch eingegriffen. Anne-Kathrin Dydymski ist Teil dieses Teams. Die Bergbauingenieurin wertet Daten von Messstellen aus und stimmt sich mit den zuständigen Wasserbehörden ab. „Jede Woche wird eine aktuelle Steueranweisung erstellt“, sagt sie. Sie legt fest, wie viel Flusswasser voraussichtlich in die Seen geleitet werden kann.

Auch das Wetter muss passen

Die Flutung früherer Tagebauen gibt es auch in anderen Bergbauregionen des Landes. Doch der schlagartige Rückgang der Förderung in der Lausitz sei besonders, sagt LMBV-Technikleiter Eckhard Scholz. Dutzende Gruben des Hauptenergieträgers der DDR, die Braunkohle, wurden nach der Wende innerhalb kurzer Zeit stillgelegt. „In dieser Größenordnung gab es das bislang nirgends“, sagt Scholz. Weltweit habe es kein Vorbild gegeben, auf das man bei der Entwicklung eines Flutungsmanagements hätte zurückgreifen können. Heute wird in der Lausitz noch in vier Gruben Braunkohle gefördert.

Seit 2000 gibt es die Flutungszentrale in Senftenberg. Aus den Flüssen Neiße, Spree und Schwarze Elster wird vor allem auf sächsischem Gebiet Wasser entnommen. Ohne die Flutung bräuchte es 80 bis 100 Jahre, bis ein Tagebau allein durch Grundwasser und Regen gefüllt wäre, so Scholz. Geflutet wird aber nur, wenn die Voraussetzungen am jeweiligen Tag stimmen. Schifffahrt, Kraftwerke und Fischereiwirtschaft dürfen nicht beeinträchtigt werden. Und auch das Wetter muss passen. Gibt es etwa ein besonders trockenes Jahr, wird weniger geflutet. Dazu muss man wissen, dass die Lausitz generell deutlich trockener ist als etwa das Rheinland, Deutschlands größtes Braunkohlerevier.

Das Lausitzer Seenland ist fast gefüllt

Ende 2017 waren rund 85 Prozent der benötigten Wassermengen bereits in den Tagebaulöchern. Dennoch wird es noch einige Jahre brauchen, bis die Flutung komplett abgeschlossen sein wird. Die gesamte Wasseroberfläche im Lausitzer Seenland beträgt bisher rund 130 Quadratkilometer. Am Ende werden es 144 Quadratkilometer sein. Zum Vergleich: Der Bodensee in Deutschlands Südwesten hat eine Fläche von mehr als 500 Quadratkilometern.

Im Jahr 2000 waren für die stillgelegten Tagebaue noch sieben Milliarden Kubikmeter Wasservolumen als Defizit für den aufzufüllenden Grundwassertrichter und die Tagebaurestlöcher aufgelistet. Die Zahl ist seither stark geschrumpft. Jetzt sind es noch rund 330 Millionen Kubikmeter. Auch das bedeutet: Das Lausitzer Seenland ist fast gefüllt.

Steigende Übernachtungszahlen

Für 16 Seen ist die Flutung schon abgeschlossen. In der Region begleitet die LMBV den Flutungsprozess von 30 künftigen Seen. Aktuell wird etwa der Großräschener See in Südbrandenburg geflutet. Dort hat sich längst Hotellerie angesiedelt, es gibt sogar Weinanbau an den Hängen des Sees. In diesem Jahr soll die Flutung abgeschlossen sein. Für den Altdöberner See in Südbrandenburg ist das Flutungsende aber zum Beispiel erst für 2026 geplant.

Der Tourismus verspricht sich viel vom Wandel. Der Tourismusverband Lausitzer Seenland, der 2012 gegründet wurde, verzeichnet jedes Jahr mehr Übernachtungszahlen – derzeit seien es jährlich 600.000 in beiden Bundesländern.

In zwölf Seen kann man baden

Die Touristen kommen vor allem aus Sachsen, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen, aus Tschechien stammen rund 10 Prozent der Gäste, wie Verbands-Geschäftsführerin Kathrin Winkler sagt.

Der Verband vermarktet zahlreiche Bergbaufolgeseen in der Region als touristische Ziele. In bereits zwölf Seen könne man mittlerweile baden, ergänzt Winkler. Aber nicht nur damit wolle der Verein werben. Es gehe auch darum, Touristen anzuziehen, die sich für Landschaftswandel interessieren. Momentan sei es noch möglich, den Prozess mitzuverfolgen.