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Die Verteilung der Spree: So kommt genügend Trinkwasser in Berlin an

Rummelsburger Bucht Symbolbild

Wie viel Spreewasser in Berlin ankommt, überlässt der Mensch schon lange nicht mehr der Natur oder dem Zufall-

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imago/Kraehn

Der Hitzesommer 2003 gilt als eine der schwersten Naturkatastrophen Europas der vergangenen hundert Jahre. In jenem Sommer geschah auch etwas, was äußerst selten passiert: Die Spree floss rückwärts.

Das Wasser des aus Sachsen kommenden Flusses bewegte sich also nicht mehr wie üblich nach Norden – hin zum Zusammenfluss mit der Havel in Berlin. Nein, da aus Süden zu wenig Wasser nachdrückte, legte die Spree den Rückwärtsgang ein – und floss damit quasi bergauf. Kann dies auch in diesem Hitzesommer passieren?

„Bislang sieht es nicht danach aus“, sagt Thomas Frey, Sprecher des Brandenburger Landesamtes für Umwelt am Freitag. „Alles hängt davon ab, wo und wie viel Regen fällt.“

Die Hitze wird an der Spree zu einem Problem

Wie viel Spreewasser in Berlin ankommt, überlässt der Mensch schon lange nicht mehr der Natur oder dem Zufall, sondern setzt auf ein ausgeklügeltes Wassermanagement. In der Lausitzer Flutungszentrale wird genau beobachtet, auf welchen Flüssen wie viel Wasser mit welcher Geschwindigkeit unterwegs ist.

Die Grundidee ist einfach: Im Frühjahr soll nach der winterlichen Schneeschmelze so viel Wasser wie möglich für das restliche Jahr aufgehoben werden. Dafür wird möglichst viel Wasser in den sächsischen Talsperren Bautzen und Quitzdorf, im Speicherbecken Lohsa und in der südbrandenburgischen Talsperre Spremberg angestaut. Das Wasser wird dann so verteilt, dass es immer reichlich davon im Tourismusgebiet Spreewald gibt, und dass auch genügend in Berlin ankommt.

Zudem wird Wasser abgezweigt, um die ehemaligen Tagebaue in der Lausitz zu fluten, die zu Ausflugsseen werden sollen. Aber die Sache wird erheblich erschwert, weil man die Stauseen nicht maximal volllaufen lassen darf: Es muss immer noch ausreichend Platz sein, falls es ein Hochwasser gibt.

Dass die Hitze gerade an der Spree zu einem Problem wird, liegt auch am Spreewald, dem größten deutschen Flussdelta, in dem sich die Spree in Hunderte flache Fließe auffächert – und darüber brennt jeden Tag die Sonne. „Der Spreewald wirkt dann wie ein riesengroßes flaches Becken“, sagt Frey. „Er ist eine einzige Verdunstungsmaschine, die auf Hochtouren läuft.“

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Die Spree hat dieses Jahr bislang so großes Glück, weil es im Frühjahr einige ausgiebige Regenfälle im sächsischen Einzugsgebiet gab und die Talsperren gut gefüllt wurden. Derzeit fließen etwa neun Kubikmeter Spreewasser pro Sekunde aus Sachsen in die Talsperre Spremberg, am anderen Ende des Sees werden etwas mehr als elf Kubikmeter Richtung Spreewald und Berlin geschickt. Zwar sinkt damit der Wasserstand in der Talsperre täglich um drei Zentimeter, aber die Spree befindet sich dadurch derzeit noch in der sogenannten „gewöhnlichen Niedrigwasser-Bewirtschaftung“.

Dies gilt, solange am Pegel in Leibsch noch mehr als ein Kubikmeter Wasser pro Sekunde durchfließt. Derzeit sind es minimal mehr als zwei Kubikmeter. Ein Gewitter vom Donnerstagabend konnte den Wert nicht merklich erhöhen. Erst wenn der kritische Wert unterschritten wird, ist von einer „außergewöhnlichen Niedrigwasserlage“ die Rede, bei der die Spree dann auch rückwärts fließen könnte.

„Damit es nicht so weit kommt, ist mehr Regen nötig“, sagt Frey. Wenn der ausbleibt, muss weiterhin mehr Wasser aus der Talsperre Spremberg entnommen werden, als hineinfließt. Das Wasser der Talsperre reicht für das aktuelle Niedrigwassermanagement aber nur noch bis Ende August – ohne Regen.