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Exklusive Forsa-Umfrage: Berliner wollen lieber am Reformationstag frei haben

Luther ist ein Berliner: Denkmal des Reformators an der Nordseite der St. Marienkirche in Mitte.

Luther ist ein Berliner: Denkmal des Reformators an der Nordseite der St. Marienkirche in Mitte.

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imago/steinach

Berlin -

Berlin wird gern als Hauptstadt der Atheisten bezeichnet, weil der Anteil der kirchensteuerzahlenden Christen hier im Bundesvergleich recht niedrig ist. Nur ein Viertel der Einwohner gehört einer der beiden großen Kirchen an. Trotzdem mögen die Berliner offenbar christliche Feiertage. Das jedenfalls ergab eine repräsentative Umfrage, die das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag der Berliner Zeitung durchgeführt hat. Dabei wurden vom 19. bis 29. November insgesamt 1003 Berliner befragt, welchen zusätzlichen gesetzlichen Feiertag sie denn gern in der Hauptstadt hätten.

Das Ergebnis ist überraschend, denn 25 Prozent der Befragten sprechen sich für den 31. Oktober aus – den Reformationstag. Der wird seit der Deutschen Einheit in den evangelisch geprägten fünf ostdeutschen Ländern gefeiert, in diesem Jahr kamen dann die Länder Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein dazu.

8. März landet auf Platz 4

Interessant an der Umfrage ist, dass die Berliner nicht die Meinung der rot-rot-grünen Mehrheit im Abgeordnetenhaus teilen: Die drei Parteien haben sich dafür ausgesprochen, den Internationalen Frauentag, also den 8. März, zum neuen Feiertag in Berlin zu erklären. Dieses Datum landet in der Umfrage mit bescheidenen 15 Prozent auf Platz 4.

Ginge es nach dieser Umfrage, landet der 9. November mit 20 Prozent auf Platz 2. Die Feier zur Erinnerung an den Mauerfall 1989 wäre bundesweit ein Berliner Alleinstellungsmerkmal. Dieser Tag steht nicht nur für dieses wahrhaft historische Datum für Berlin und die Bundesrepublik, sondern auch für andere prägende Ereignisse in der deutschen Historie: die Ausrufung der ersten Republik 1918, den Hitler-Putsch 1923 sowie die Novemberpogrome der Nazis im Jahre 1938.

Ganz knapp hinter diesem Datum landet mit 19 Prozent der 8. Mai, also jener Tag, an dem 1945 die Kapitulation Hitler-Deutschlands in Kraft trat und damit der Zweite Weltkrieg in Europa endete.

Nur neun Feiertage in Berlin

Klar abgeschlagen bei dieser Umfrage sind drei andere Vorschläge: der 17.Juni 1953 (Volksaufstand in der DDR), der 27. Januar 1945 (Befreiung des deutschen Konzentrationslagers Auschwitz) und der 18. März 1848 (Märzrevolution).

Die Debatte um einen weiteren Feiertag für Berlin läuft seit einigen Wochen, denn die deutsche Hauptstadt ist keineswegs Feiertagshauptstadt: In Berlin gibt es gerade einmal neun offizielle Feiertage. Damit steht Berlin einsam am Ende der Liste. Davor sind acht Länder mit zehn Tagen, vier mit elf – und an der Spitze rangieren Bayern, Saarland, Baden-Württemberg mit zwölf Tagen.

Sieht man sich die Ergebnisse der Umfrage genauer an, überrascht auch, dass die Begeisterung der Regierungsanhänger für den Frauentag nicht überzeugend ist: Dieser Vorschlag landet bei keiner Partei auf Platz 1. Beispielsweise sind nur 13 Prozent der SPD-Anhänger für diesen Tag, aber 27 Prozent für den Reformationstag und 19 Prozent für den Tag des Mauerfalls.

In der Umfrage gibt zwei klare Ost-West-Unterschiede: Für den 8. März sind 21 Prozent im Osten im Westteil sind es nur 11 Prozent. Einen ähnlich großen Unterschied gibt es beim Weltkriegsende. Dafür sind 23 Prozent im Westen, aber nur 13 Prozent im Ostteil – in der DDR war dieses Datum auch mal ein Feiertag.