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Extinction Rebellion: Klima-Aktivisten legten mit Sitzblockade die Oberbaumbrücke lahm

Nach zwei Stunden fragten die Polizisten: „Wollen Sie gehen oder sollen wir Sie tragen?“ Ein gewaltfreier Klima-Protest.

Nach zwei Stunden fragten die Polizisten: „Wollen Sie gehen oder sollen wir Sie tragen?“ Ein gewaltfreier Klima-Protest.

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dpa/Christoph Soeder 

Berlin -

Der Protest der Klimabewegung in Berlin wird extremer: Zwei Stunden lang haben rund 200 Mitglieder der Klimainitiative Extinction Rebellion sowie anderer Ökogruppen am Montagnachmittag die Oberbaumbrücke blockiert. Von 16.30 bis 18.30 Uhr, mitten im Feierabendverkehr, bildeten sie Sitzkreise auf den Fahrbahnen des zentralen Wahrzeichens im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg. Die Polizei riegelte die Auffahrten von beiden Seiten ab. 400 Polizisten waren insgesamt im Einsatz. Anstatt die Fahrbahn freiwillig zu räumen, ließ sich der Großteil der Aktivisten am Ende von jeweils zwei Polizisten bis zur nächsten Kreuzung tragen. Der Verkehr staute sich zwischenzeitlich auf der Warschauer und der Skalitzer Straße. So ungehalten mancher Autofahrer vor der Brücke gewesen sein dürfte, so gelöst war die Stimmung in der Sitzblockade.

Immer wieder sangen die Demonstranten oder stimmten Sprechchöre an. Die meisten davon sind schon von den Fridays for Future-Schülerprotesten oder von den Demos im Hambacher Forst bekannt: „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut“, „Hambi bleibt“ oder „Auf die Barrikaden, gegen Braunkohle in diesem Land“. Aktivisten verteilten Kürbissuppe und vegane Dinkelkekse. 

Mittendrin in der Sitzblockade: Friederike Schmitz, eine der Initiatorinnen des Berliner Ablegers von Extinction Rebellion. Für die 36-Jährige ist die Aktion erfolgreich gelaufen: „Die Brücke ist dicht, das war unser Ziel“, sagte sie. „Die Aktion hat schon jetzt große Aufmerksamkeit erregt.“ Was die Brückenblockade bewirken soll? „Wir wünschen uns jetzt vor allem, dass die Bewegung noch größer wird und dass noch mehr Menschen aktiv werden. 

Demo Extinction Rebels

Demonstranten nehmen vor dem Reichstagsgebäude an einer Kundgebung von Extinction Rebellion Deutschland teil. 

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dpa

Klimawandel soll zum Topthema werden.“ Extinction Rebellion scheint einerseits ein radikales Auffangbecken für Menschen, die schon lange für den Klimaschutz aktiv sind – andererseits aber auch attraktiv für Neulinge zu sein. Die 45-jährige Künstlerin Urzula Amen ist erst seit Februar aktiv bei Extinction Rebellion, war vorher in keiner anderen Initiative Mitglied und sitzt an diesem Tag neben einem 25-jährigen Handwerker, ebenfalls ein Neuzugang, auf der Brücke. Die Extinction Rebellion habe sie gerade wegen ihrer Radikalität angesprochen: „Wir sind die Formierung unter den Klimaorganisationen, die sich mehr traut, die noch mehr tun will, um noch mehr Druck aufzubauen“, so Amen. „Um Bürger darauf aufmerksam zu machen, dass es kurz vor knapp ist.“

Gewaltfreier Klima-Protest: Keine Handgreiflichkeiten zwischen Polizei und Demonstranten 

Aber was ist mit den Gesetzen, die hier gebrochen werden? Und denen, die dafür sorgen müssen, dass sie eingehalten werden? Für die Berliner Polizei war der Protest der Klimaaktivisten ein massiver Kraftakt. Schon mittags hatte Extinction Rebellion eine Kundgebung vor dem Reichstag abgehalten und in mehreren Redebeiträgen immer wieder zur „Rebellion“ und zum zivilen Ungehorsam aufgerufen.

Danach zog eine Spontandemo bis zum Bahnhof Friedrichstraße, von dort aus ging es für die meisten Aktivisten mit der Bahn bis zur Jannowitzbrücke – immer in Begleitung einiger Polizeibeamter. An der Jannowitzbrücke wurde bis in den Nachmittag hinein eine Kundgebung abgehalten, bei der Künstler und Musiker auftraten. Und schließlich dann die Sitzblockade auf der Oberbaumbrücke, deren Räumung den Polizisten den Schweiß auf die Stirn trieb.

„Wir waren mit mehreren Hundertschaften dort“, sagte ein Polizeisprecher der Berliner Zeitung. „Insgesamt 400 Polizisten waren nötig, um den Verkehr zu regeln, die Strecke zu sperren, die Brücke zu räumen.“

Handgreiflichkeiten habe es nicht gegeben, trotzdem will der Polizeisprecher nicht von einem „friedlichen“ Protest sprechen, wie es die Aktivisten in jeder ihrer Reden tun. „Friedlich? Die Fahrbahn wurde blockiert. Ich sage: gewaltfrei.“

Zu weiteren Blockaden könnte es bald kommen. Friederike Schmitz: „Es wird weitere Aktionen geben.“