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Flugplatz Eberswalde-Finow: Ex-Militärlandeplatz mischt Tegel-Diskussion auf

Flugplatz in Eberswalde-Finow

Blick auf das Solarstrom-Kraftwerk «Finow Tower I und II» auf dem ehemaligen Militärflughafen im brandenburgischen Finowfurt (Barnim) (25.11.2011) 

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dpa

Direkt neben der A11 liegt der Flugplatz Eberswalde-Finow, der Bahnhof mit seiner halbstündigen Verbindung nach Berlin ist nur zehn Kilometer entfernt, in den Einflugschneisen gibt es abgesehen vom Eberswalder Zoo keine Bebauung.

Ehemaliger Militärlandeplatz als Ausweichstandort für den Luftverkehr nach Berlin

Man könnte auf den Gedanken kommen, dass der ehemalige Militärlandeplatz ein idealer Ausweichstandort für den Luftverkehr nach Berlin sein könnte, falls die Hauptstadt einen braucht. Tatsächlich hatten die Betreiber lange Zeit diese Hoffnung – und sie wollen sie auch noch nicht begraben. Sollte der Flughafen Tegel offen gehalten werden, so kündigte Geschäftsführer Reinhard Otto am Freitag im RBB an, wolle er eine Schadenersatzklage prüfen.

Es geht um eine halbe Million Euro Planungskosten. In den Nullerjahren hatte die Tower Finow GmbH vor, die Pisten zu ertüchtigen, ein Terminal zu bauen und So Kapazitäten für die Abfertigung von 3,5 Millionen Passagieren pro Jahr zu schaffen. Auch eine schriftliche Übereinkunft gab es schon: ausgerechnet mit der irischen Gesellschaft Ryanair, die sich heute für Tegel einsetzt. In den Nullerjahren begannen die Billigflieger ihre Expansion in Deutschland. Überall in Europa flogen sie dabei zunächst bevorzugt ehemalige Militärflughäfen an. Viele haben inzwischen wieder dicht gemacht, oft mit enormen finanziellen Verlusten für die Betreiber und die Kommunen.

Auf der Landebahn stehen Solarmodule

Ein Beispiel aus jüngerer Zeit ist der Flughafen Magdeburg-Cochstedt. Von 2011 bis 2013 bot Ryanair hier Flüge an, war aber mit der Entwicklung Passagierzahlen nicht zufrieden. 2016 musste der Betreiber des Flughafens Insolvenz anmelden, die Suche nach einem neuen Investor ist bislang erfolglos.

Zumindest dieses Schicksal ist Eberswalde erspart geblieben – ebenso wie dem Flugplatz Neuhardenberg, den Ryanair ebenfalls anfliegen wollte. Aber es ist eben auch nicht viel passiert. Die Betreiber haben sich für eine alternative Nutzung entschieden: Die Landebahn wurde verkürzt und steht Freizeit- und Geschäftsfliegern offen. Auf dem Rest des Geländes wurden Solarmodule aufgebaut. Sie könnten aber auch wieder demontiert werden, heißt es – falls doch eines Tages größere Flugzeuge kommen und eine längere Piste gebraucht wird.

Langfristig wird ein Flughafen im ländlichen Raum gebraucht

Ausgeschlossen ist das nicht. Hinter vorgehaltener Hand sagen auch etliche Gegner der Tegel-Offenhaltung, dass die Hauptstadtregion mittel- bis langfristig einen weiteren Flughafen nördlich von Berlin braucht. Zum einen wegen der begrenzten Ausbaumöglichkeiten am BER, aber auch wegen der langen Anfahrtswege zum zukünftigen Flughafen aus der nördlichen Hauptstadtregion. Derzeit sagen die Prognosen ein Wachstum der Passagierzahlen auf rund 55 Millionen Passagiere bis 2050 voraus. Abweichungen sind aber wahrscheinlich. So bildeten die Prognosen der Vergangenheit den aktuellen Boom der Luftfahrt nicht ab. Genauso ist denkbar, dass eine schwächere Konjunktur oder ein höherer Ölpreis das Wachstum bremsen.

Unterstützung für einen solchen Plan kam am Freitag aus der Nachbarschaft des BER. Der Bürgermeister von Blankenfelde-Mahlow, Ortwin Baier, unterstützte in einem offenen Brief an Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU), dessen Engagement für Tegel. Langfristig müsse aber ein Flughafen im ländlichen Raum gebaut werden, um die Anwohner zu entlasten. Blankenfelde liegt in der Einflugschneise des BER und wird am stärksten vom Fluglärm betroffen sein.