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Restaurantkritik Beba: Jüdische Diaspora-Küche im Museum

Infarmer-Salat Matbukha im Beba.

Infarmer-Salat im Beba.

Foto:

Markus Wächter

Berlin -

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht. Ich jedenfalls werde von einem Museumsbesuch automatisch hungrig. Ich habe mich darum wirklich sehr gefreut, als ich vom Restaurant Beba im Martin-Gropius-Bau las. Endlich ein Museum, das versteht, wie wichtig die Verbindung von kulturellen und kulinarischen Genüssen ist, dachte ich.

Der Weg zum Beba.

Der Weg zum Beba.

Foto:

BLZ/Hecher

Essen zieht sich ja nicht nur von sorgfältig arrangierten Stillleben in der Barock-Malerei bis hin zu den quietschbunten Törtchen des Fotografen Martin Parr durch die Kunstgeschichte. Essen ist selbst eine Kulturform, ja eine Kunst, würde ich behaupten, und sollte daher in einem Museum als solche behandelt werden.

Erfahrungsgemäß gestaltet sich Museumsgastronomie, um es vorsichtig auszudrücken, schwierig in Berlin. Zwar wurden viele Museen modernisiert und ihre Ausstellungen sind heute, in der Sprache der Museumspädagogen, interaktiv und immersiv. Nur scheinen die weltlichen Bedürfnisse der Besucher dabei vergessen worden zu sein. Die werden nämlich in den Museumscafés größtenteils weiter mit gedecktem Fertigapfelkuchen und Würstchen mit Toast versorgt.

Infarmer-Salat, der im Museumscafé wächst

Im Beba, dem neuen Restaurant im Gropius-Bau hat sich Berlins Back-Ikone Cynthia Barcomi mit der jungen Israelin Shani Leiderman zusammengetan, die zuvor einige Jahre für Infarm gearbeitet hatte. Infarm ist jenes angesagte Start-up, das Felder direkt in die Stadt bringen will und Gemüse in vertikalen Glasschränken kultiviert.

Auch im Beba wächst der Infarmer-Salat, den es auf der Karte gibt, direkt im Museumscafé, das großzügig und hell ist. Entlang der rechten Raumseite zieht sich der Indoor- Garten in einer Art Kühlschrank, darin werden Rucola, Sauerampfer und Kräuter gezogen.

Mit Sauerteigbrot von Cynthia Barcomi

Natürlich will ich den Salat probieren, der Rest der Speisekarte wird als jüdische Diaspora-Küche beschrieben, unternimmt also Ausflüge in den Balkan, nach Nordafrika und in die türkische Küche, soll aber auch von Berlin beeinflusst sein.

Cynthia Barcomi steuert gutes Sauerteigbrot bei. Und weil man hier nicht nur tagsüber essen kann, sondern auch Frühstück und Kuchen zum hausgerösteten Kaffee bekommt, gibt es weitere Barcomi- Klassiker wie das Knusper-Müsli, Bagels und den von mir geliebten New York Cheesecake.

Im Beba im Martin-Gropius-Bau wächst Infarm-Salat.

Im Beba im Martin-Gropius-Bau wächst Infarm-Salat.

Foto:

Markus Wächter

Ich bin jedoch extra zum Lunch gekommen, und obwohl ich mir nicht mal zuvor die aktuelle Ausstellung angesehen habe, bin ich hungrig. Daher freue ich mich, als ich von den Tapas als perfektem Mittagsangebot lese – hier kann man drei Tapas plus einen Salat kombinieren, zum Preis von 15 Euro. Einzeln bestellt wären es 7 Euro pro Gericht.

Matpuka: Um ein Geschmackserlebnis betrogen

Ich beginne mit dem extrem zarten und knackigen Infarmer-Salat, leider ist fast kein Dressing vorhanden. Etwas Zitronensäure, kein Pfeffer und wenig Salz, vor allem aber zu wenig Öl, was auch die Meerrettichcreme am Boden des Schüsselchens nicht wettmachen kann.

Es folgt ein tunesischer Thunfischhappen, leider sehr labbrig, bei dem Dosenthunfisch, ein halbes Ei und Kleckse von Zitronenzeste und Harissa schlecht zwischen zwei Brötchenhälften verteilt wurden. Das Matpuka, ein Confit aus Datteltomaten und Paprika, beides mit störender Schale, ist ebenso ärgerlich – hätte ich für das Schälchen 7 Euro bezahlt, fühlte ich mich nicht nur um ein Geschmackserlebnis betrogen, sondern auch um mein Geld.

Gute Zutaten, aber fehlendes Können

Ein wenig versöhnen mich die Artischocken nach jüdischer Art. Sehr junge, kleine Artischocken werden frittiert und mit sahnigem Labane-Joghurt, Zitronensaft und einem sehr guten Olivenöl serviert. Das funktioniert zumindest als Gericht.

Ich komme leider zu dem Schluss, dass hier jemand zwar gute Zutaten einzukaufen versteht. Leider fehlt es aber am Können, an der Kochkunst gewissermaßen. Schade, diese Kunst hätte gut zum Museum gepasst.

Beba im Martin-Gropius-Bau, Niederkirchnerstr. 7, Kreuzberg. Tgl. außer Di 10–19 Uhr. Frühstück 3,50–8 Euro, Tapas/Sandwiches, 7–9 Euro, Hauptgerichte 15 Euro, Süßes 2–4,50 Euro