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Halensee-Grundschule: Eltern setzten Klassenfahrten gegen Lehrerproteste durch

Reisebus von Innen

Die Teilnahme an Klassenfahrten ist für Lehrer offiziell freiwillig. Doch für viele Schüler sind sie der Höhepunkt des Schuljahres.

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Zur Krisensitzung in die Sporthalle der Halensee-Grundschule kamen mehr als 100 Eltern, aber auch Lehrer und die obersten Schulaufsichtsbeamten der Stadt. Die Aufregung war groß an diesem Dienstagabend, viele Eltern waren empört. Denn die Lehrer hatten angekündigt, alle Klassenfahrten, Ausflüge, Elternsprechtage und sogar Schulfeiern ausfallen zu lassen.

So etwas hat es in Berlin noch nicht gegeben. Die Lehrer sagten, sie seien frustriert, weil nicht alle Grundschullehrer von der versprochenen Gehaltserhöhung profitieren würden – sondern nur die neu eingestellten Kollegen. So hatten sie es in einem offenen Brief auf der Homepage der Schule geschrieben.

Kinder sind nicht die Leidtragenden

Den Brief musste Schulleiter Dietmar Küter vor wenigen Tagen auf Druck der Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) wieder aus dem Netz entfernen. Bei der Vollversammlung waren Schulleitung und Lehrer denn auch recht kleinlaut, sie nahmen Abstand von ihrer aufsehenerregenden Protestaktion. „Die angekündigten Maßnahmen sind aufgehoben“, bestätigte Gesamtelternsprecher Sebastian Hoppe auf Nachfrage der Berliner Zeitung.

„Wir sind erleichtert, dass unsere Kinder nicht die Leidtragenden in diesem Konflikt sein werden.“ Gleichwohl habe er prinzipiell Verständnis für das Anliegen der Lehrer, dass es für die gleiche Arbeit auch das gleiche Gehalt geben sollte. Immerhin gebe es für dieses Problem nun Aufmerksamkeit. Elternsprecher Hoppe ist bemüht, mit den Lehrern im Gespräch zu bleiben. Er wählt moderate Töne.

Dienstpflichten der Lehrer

Andere Eltern reagierten zum Teil wesentlich unfreundlicher auf die Ankündigung der Lehrer. Der Konflikt würde auf dem Rücken der Kinder ausgetragen, hieß es. Elternsprecher Hoppe bestätigte, dass die Lehrer die ablehnende Haltung der Eltern wohl unterschätzt hätten. Persönlich denkt Hoppe, dass insbesondere die GEW in den Verhandlungen nicht klar genug formuliert habe, für wen die höheren Löhne gelten sollen und ab wann.

Unmittelbar vor dem Krisentreffen in der Sporthalle hatte der Schulleiter ein dreiseitiges Schreiben im Auftrag der Bildungssenatorin Scheeres erhalten. Darin stand, dass die Aktion wenig vorteilhaft für den Ruf der Schule sein dürfte. Auch seien Eltern in einer nicht angemessenen Weise nur stark verkürzt informiert worden. Dabei seien die abgesagten Veranstaltungen fast alle Bestandteil des im Jahr 2013 beschlossenen Schulprogrammes und gehörten deshalb zu den Dienstpflichten der Lehrer. „Dem Absagen des Elternsprechtages steht das schulgesetzlich verankerte Informationsrecht der Eltern entgegen“, heißt es in dem Schreiben weiter.

Aufgebrachte Eltern

Gleichwohl stellte Scheeres auch den älteren Lehrern mehr Geld in Aussucht. „Ziel ist es, den Bestandslehrkräften einen gangbaren Weg anzubieten, die höhere Vergütung zu erreichen“, ließ Scheeres dem Kollegium mitteilen. Derzeit werde an einer entsprechenden Qualifizierungsverordnung gearbeitet, die nach der Abstimmung mit der Finanzverwaltung noch im Herbst ins Anhörungsverfahren gehen soll. Denkbar ist, dass Berufserfahrung und Fortbildungen angerechnet werden. Es geht immerhin um einen Gehaltssprung von monatlich gut 500 Euro brutto.

GEW-Tarifexperte Udo Mertes, der ebenfalls in der Sporthalle anwesend war, warf Scheeres vor, wenig Verständnis für die Lehrer aufzubringen. Schulleiter Küter betonte bei der Veranstaltung abschließend, dass er die Eltern mit ins Boot nehmen möchte und entschuldigte sich im Beisein der Schulaufsichtsbeamten bei den teils aufgebrachten Eltern. Ein Vater meinte hinterher, der Schulleiter sei als Tiger gesprungen und als Bettvorleger gelandet.