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Kita-Betreuung: Studie kritisiert Erzieher-Mangel in Berlin - Senat widerspricht

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dpa

Die Betreuungssituation in den Berliner Kitas hat sich - anders als im Bundesschnitt - in den vergangenen Jahren nicht verbessert. Im März 2016 kümmerte sich eine Erzieherin rechnerisch um 5,9 Krippenkinder unter drei Jahren. Zwei Jahre zuvor waren es genauso viele, wie aus einer am Montag veröffentlichten Studie der Bertelsmann-Stiftung hervorgeht. Auch in den Kindergarten-Gruppen stagnierte der Betreuungsschlüssel. Hier muss eine Erzieherin im Schnitt sogar 8,9 Kinder im Blick behalten.

Der Personalschlüssel in den Krippen ist damit deutlich schlechter als im Bundesdurchschnitt, wo sich ein Mitarbeiter um rechnerisch nur 4,3 Kinder kümmern muss. Die Bertelsmann Stiftung empfiehlt einen Betreuungsschlüssel von 1:3 in der Krippe und 1:7,5 im Kindergarten.

Berlin müsste nach Berechnung der Stiftung dafür zusätzliche 12.100 Erzieher einstellen und im Jahr 534 Millionen Euro mehr investieren. 

Senat will Qualität von Kitas verbessern

Die Berliner Landesregierung widerspricht der Kritik: In den kommenden Jahren werde so viel Personal eingestellt, dass sich eine Erzieherin Mitte 2019 rechnerisch nur noch um 3,75 Krippenkinder kümmern müsse, teilte die Bildungsverwaltung am Montag mit.  Seit 2016 aber habe sich vieles getan, so dass die Zahlen der Stiftung veraltet seien, betonte die Bildungsverwaltung. Derzeit betreue eine Erzieherin im Schnitt 4,25 Kinder unter drei Jahren. 

„Kita-Ausbau, Qualitätsverbesserungen und Beitragsfreiheit sind für uns drei wesentliche Aufgaben“, betonte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD). „Berlin ist weiter – und wird die nächsten Verbesserungen in Angriff nehmen.“ Von 2006 bis 2016 war die Erzieher-Zahl in der Hauptstadt bereits um rund 70 Prozent gestiegen. 

In den fünf Jahren vor Schulbeginn müssen Eltern keine Beiträge für die Betreuung in Krippe und Kindergarten zahlen - bald soll der Kita-Besuch komplett kostenlos sein. Die Bertelsmann-Stiftung riet davon ab, auf Elternbeiträge zu verzichten. Zuerst müsse die Qualität stimmen. Scheeres widersprach: „Wir müssen nur das eine tun ohne das andere zu lassen. Deshalb setzen wir auf den Dreiklang Kita-Ausbau, mehr Personal, Beitragsfreiheit.“

Bei den Kindern unter drei Jahren ist in Berlin fast jedes zweite (46 Prozent) in einer Kita oder bei einer Tagesmutter. Bei den Kindergartenkindern sind es 95 Prozent.

Kita-Betreuung in Brandenburg verbessert

In den Brandenburger Kitas hat sich laut der Studie die Betreuungssituation dagegen in den vergangenen Jahren leicht verbessert - allerdings ist sie stark vom Wohnort abhängig. Derzeit sind in den Kitas 14.900 Mitarbeiter pädagogisch tätig. In Brandenburg müssten damit 8600 zusätzliche Fachkräfte eingestellt werden. Weitere Kosten in Höhe von 384 Millionen Euro sind fällig. 

CDU-Bildungsexperte Gordon Hoffmann kritisierte, dass Brandenburg noch immer einen der hintersten Plätze bei der Kita-Qualität belege, beim Personalschlüssel in den Krippen sogar nur den vorletzten Platz. Bisherige Verbesserungen beim Personalschlüssel seien nicht mehr als der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein. Die hohe Betreuungsquote dürfe kein Alibi für schlechte Personalausstattung in den Kitas sein.

Cottbus ist Schlusslicht in Brandenburg

Kamen im März 2012 noch im Durchschnitt 6,6 ganztags betreute Kinder auf eine vollzeitbeschäftigte Fachkraft in den Krippengruppen, waren es im März 2016 rein rechnerisch 6,1 Mädchen und Jungen. In den Kindergärten verbesserte sich der Schlüssel von 11,6 auf 11,3 Kinder pro Fachkraft.

In den Landkreisen ist es nach der Studie ganz unterschiedlich: Den besten Personalschlüssel bei bis zu Dreijährigen in Krippen hat Ostprignitz-Ruppin mit 1 zu 5,4, den schlechtesten Cottbus mit 1 zu 7,2. In den Kindergärten in Dahme-Spreewald werden mit 10,1 die wenigsten Kinder von einer Erzieherin betreut, in Cottbus hingegen mit 13,3 die meisten.

Baden-Württemberg schneidet am besten ab

Am besten bundesweit ist laut der Studie die Betreuungssituation in Krippen in Baden-Württemberg: Dort ist ein Betreuer für drei Kinder zuständig. Schlusslicht ist Sachsen mit 6,5 Kindern. Auch bei Kindergärten belegt Baden-Württemberg den ersten Platz mit 7,2 Kindern, am Ende steht Mecklenburg-Vorpommern mit 13,7.

In Ostdeutschland werden gut die Hälfte der Dreijährigen in einer Krippe betreut, in den alten Bundesländern nur 29 Prozent. Brandenburg hat mit 57 Prozent die höchste Quote. Die Studie beruht auf Daten der Statistischen Landesämter und des Bundesamtes. (dpa)