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Kollwitzplatz : Wirte aus Prenzlauer Berg kämpfen um ihre Grünpflanzen

Café Anna Blume am Kollwitzplatz

Zankapfel: Die Pflanzen vor dem Café Anna Blume am Kollwitzplatz.

Foto:

Katalin Edinger

Das ist ja wohl die Höhe, denken sich aktuell viele Café-Betreiber rund um den Kollwitzplatz. Das ist ja nur die Höhe, dürften vielleicht Mitarbeiter des Ordnungsamts entgegenhalten. Prenzlauer Berg streitet um Höhe. Im Visier: Die Bäume und Sträucher vor den Cafés und Läden im Kiez.

Wie in der vergangenen Woche bekannt wurde, hat das Ordnungsamt Pankow die Gastronomen um den Kollwitzplatz und am Wasserturm angewiesen, Bäume aus Pflanzkübeln zu entfernen. Außerdem sollen Pflanzen in Kübeln auf einen Meter Höhe zurückgeschnitten werden. In einer „gigantischen Höhe“ stünde das Grün aktuell dort, schrieb eine Mitarbeiterin an die Inhaber. Das Amt, das von Stadtrat Torsten Kühne (CDU) geleitet wird, begründet das Vorgehen mit der „Vermeidung von Sichtbehinderungen“. Die Verkehrssicherheit von Fußgängern, Kindern und Rollstuhlfahrern müsse sichergestellt werden.

Unterschriften für grüne Gehwege

Die Wirte wollen der Aufforderung nicht kampflos nachkommen. Am Dienstag haben sie die Interessengemeinschaft „Kiezgrün retten“ gegründet, die Gastronomen sammeln jetzt Unterschriften. „Solange die Sträucher Schatten spenden, Wind und Staub abhalten und nicht im Wege stehen, sollte man im Interesse eines besseren Stadtklimas dies unterstützen und die derzeitigen Vorschriften ändern“, schreiben sie. Formell schreibt das Straßengesetz die Maximalhöhe von einem Meter vor, in der Praxis wurden größere Sträucher jedoch lange toleriert. 

Unterstützung bekommen die Wirte von der SPD und den Grünen. Der Vize-Fraktionschef der Grünen im Abgeordnetenhaus, Stefan Gelbhaar, fordert ein Moratorium, denn „der Amtsschimmel wiehert ziemlich laut.“ Straßengrün an den Cafés mache das Flair von Prenzlauer Berg aus, das Ordnungsamt habe es „viele Jahre lang aus guten Gründen akzeptiert“. Auch der Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) Berlin kritisiert Kühnes Bestimmung. „Ist das wirklich im Sinne der Stadt? Berlin will Weltmetropole sein. Dann sollte es, wo möglich, begrünte Café-Terrassen erlauben“, sagt Hauptgeschäftsführer Thomas Lengfelder.