Kommentar zu Pantomime-Künstlern: Wirkungslos gegen die Rücksichtlosigkeit

Pantomime-Künstler des Pilotprojekts fair.kiez sollen an 15 Wochenend-Abenden für Ruhe in den Partykiezen in Friedrichshain und Kreuzberg sorgen.
dpa
Wer möchte nicht am Abend im Kiez kulturell bespaßt werden? In der Kneipe sitzen, sich nett unterhalten, und dann noch ein bisschen Pantomime. Was zum Lachen, was zum Schmunzeln, unanstrengend und harmlos. Und wenn es einem nicht gefällt? Macht nichts, die weißgesichtigen, stummen Künstler sind auch bald wieder weg.
Aber so war das nicht gedacht! Die Aktion in den Partyzonen mit erhöhtem Lärm- und Dreckaufkommen soll die aufgestauten Konflikte zwischen den meist jungen Leuten in Feierlaune und den Anwohnern entschärfen. Aber kann das gut gehen? Wer derzeit abends in der Simon-Dach-Straße, am Schlesischen Tor oder am Kotti unterwegs ist, der kommt, weil es laut ist. Reiseführer und Empfehlungen von Freunden aus aller Welt versprechen grenzenlose Party. Man feiert drei Tage und ist wieder weg. Und dann kommen die nächsten. Nacht für Nacht.
Berlin verspricht die Lizenz zum Ausflippen
Was will da ein Pantomimentrupp ausrichten? Wem wollen die Künstler in wessen Interesse ins Gewissen reden? Wo kann hier Verbindlichkeit entstehen? Rücksicht nehmen die jungen Leute aus aller Welt wahrscheinlich zu Hause. Berlin verspricht die Lizenz zum Ausflippen.
Die Stadt ein großer Abenteuerspielplatz? Scheint so. Der letzte 1. Mai hat gezeigt, was passiert, wenn das Gute gewollt ist und das Schlechte Realität wird. Rücksichtlose Besucher verwandeln mit rücksichtslosen Geschäftemachern einen Kiez in eine Müllhalde. Niemand reguliert die Zahl der Kneipen, niemand setzt Regeln.
Kreuzberg will seit 40 Jahren etwas Besonderes sein. Seit 25 Jahren wird Friedrichshain in Mithaftung genommen. Aber mit den Methoden der vermeintlich linken Kiezkultur kommt man gegen die Macht des internationalen Facebook- und WhatsApp-Tourismus und seinen großen und kleinen Geschäftemachern nicht an. Soll der Bezirk daran nicht ersticken, muss diese Art von laissez faire ein Ende haben.