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Konkurrenz für dm und Rossmann: Budnikowsky eröffnet erste Berliner Filiale

Führungs-Trio in dritter und vierter Generation: Christoph Wöhlke, seine Schwester Julia und Vater Cord.

Führungs-Trio in dritter und vierter Generation: Christoph Wöhlke, seine Schwester Julia und Vater Cord.

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Gerd Engelsmann

Die Schönhauser Allee in Prenzlauer Berg ist in Sachen Drogerieartikelversorgung nicht gerade das, was man als Entwicklungsgebiet oder gar weißen Fleck bezeichnen könnte. Die Filialisten dm und Rossmann haben dort zusammen vier Drogeriemärkte auf nicht mal einen Straßenkilometer verteilt. Für Neueinsteiger ist das eigentlich eine No-go-Area, aber Christoph Wöhlke will es wissen.

In Haus Nummer 120 gab der Co-Chef des Hamburger Traditions-Drogisten Budnikowsky am Mittwoch die Eröffnung seines ersten Ladens außerhalb der Heimatregion bekannt. „In Hamburg haben wir es geschafft, Teil eines jeden Stadtteils sowie Alltag von vielen Hamburgern zu sein“, sagt er. Das wolle man nun auch hier schaffen. Moin Berlin.

Damit darf sich der von der Elbmündung zugezogene Neu-Berliner ab diesem Donnerstag über 600 Quadratmeter Heimat mitten in Prenzlauer Berg freuen, und mit ihm die Nachbarschaft über vermutlich mehr Vielfalt in der Versorgung. Denn in der Hamburger Stammregion ist die liebevoll Budni genannte Handelskette tatsächlich eine Institution und dort eine geschätzte Alternative zum weitgehend vereinheitlichten Discounter-Sortiment der vergleichsweise blutleeren Marktführer. Laut Wöhlke sei jede Filiale auf die jeweilige Kundschaft im Umfeld des Ladens zugeschnitten. „Wir schauen sehr genau, welches Problem wir für unsere Kunden lösen können“, sagt er. Fehlende Vielfalt sei ein solches Problem. 

An diesem Regal können Start-ups neue Produkte präsentieren.

In diesem Budni-Regal können Start-ups neue Produkte präsentieren.

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Das Unternehmen wurde 1912 von Iwan Budnikowsky in Hamburg gegründet. Was seinerzeit mit einem Seifen-Spezialgeschäft begann, entwickelte sich im folgenden Jahrhundert zu einer Kette mit heute 186 Filialen und knapp 2 000 Mitarbeitern. Man hatte sich eingerichtet in der Hafenregion. Doch spätestens seit der Schlecker-Pleite vor sechs Jahren wurde es immer ungemütlicher für das vergleichsweise kleine Familienunternehmen.

Seinerzeit hatten dm und Rossmann den Marktanteil von Schlecker quasi komplett übernommen, bestreiten heute etwa vier Fünftel des deutschen Drogerieartikelgeschäfts und machten sich auch im Hamburger Budni-Revier breit. In der Folge rutschte das Unternehmen in die Verlustzone.

Im Frühjahr formierte sich in Hamburg jedoch der Widerstand. Budnikowsky und die ebenfalls aus Hamburg stammende Supermarktkette Edeka schmiedeten eine Allianz, um gegen die großen Drogisten antreten zu können. Denn auch Edeka war nicht gerade erfreut darüber, dass man nichts von dem Schlecker-Kuchen abbekam und die Drogeriemärkte noch darüber hinaus zunehmend im Sortiment der Supermärkte wildern.

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Mit der Allianz will Edeka selbst stärker ins Drogeriegeschäft einsteigen und kann dank seiner Marktmacht auch für Budnikowsky Preise im Einkauf erzielen, die für Budni allein stets unerreichbar geblieben wären. „Ohne Edeka wäre es sehr schwierig“, sagt Christoph Wöhlke und sieht sich bereits auf Gewinnkurs. „Wir haben die Verlustphase hinter uns.“
Die Expansion der Kette über Hamburgs Stadtgrenzen hinaus ist Teil des Plans und Berlin, wo allein dm knapp 90 Filialen hat, dabei nur die erste Station. Es ist gewissermaßen die Flucht nach vorn, die Budni-Chef Christoph Wöhlke betreibt. Für den 40-Jährigen, dem nicht nur wegen Bart, Dutt und Tattoos eine gewissen Ähnlichkeit mit dem Hamburger Rapper Samy Deluxe nachgesagt werden darf, geht es um das Familienunternehmen. Seit 15 Jahren ist er in der Firma, kam seinerzeit direkt nach dem BWL-Studium. Der Firmengründer war sein Urgroßvater.

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Der Chef in der vierten Generation hofft nun, dass die Expansion nach Berlin ein Erfolg wird. Neben klassischen Drogeriewaren bietet die Filiale in der Schönhauser Allee Naturkosmetik, Biolebensmittel und Frischwaren. Man versteht sich als Nahversorger im Viertel, der auch Regionales im Sortiment hat. Es gibt Proviant-Limo, Craft-Bier von hier, Kaffee vom Röster Tres Cabezas und Brot, das beim Kreuzberger Biobäcker Beumer & Lutum gebacken wird. Zudem gibt es in der Filiale ein Café.

Noch in diesem Jahr soll eine weitere Filiale in Berlin eröffnet werden. Gerade erst wurde der Mietvertrag für einen Laden in der Schönhauser Allee, Ecke Saarbrücker Straße unterschrieben. Danach sollen weitere Filialen folgen. Der Zeitplan dafür hängt laut Wöhlke vom Erfolg der ersten beiden Berliner Läden ab. „Wenn die durch die Decke gehen, kann es schnell geschehen“, sagt Wöhlke. Allerdings schläft auch die Konkurrenz nicht. Wie bei dm zu erfahren war, sollen allein in den nächsten zwei Jahren in Berlin weitere zehn Filialen eröffnet werden. Im Bemühen um mehr Vielfalt kann Wöhlke dennoch einen ersten Erfolg verbuchen. In seinem Laden befand sich zuvor eine McDonald’s-Filiale.