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Lehrermangel: Berlin führt Quereinsteiger-Quote für alle Schulen ein

Eine Frau schreibt an eine Tafel.

Die Zahl der Quereinsteiger an Schulen in Berlin nimmt weiterhin zu. (Symbolbild). 

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picture alliance / Julian Strate

Berlin -

Die Bildungsverwaltung hat auf Schulleitersitzungen die lange geplante Quereinsteiger-Quote für alle Schulen vorgestellt. Demnach müssen künftig größere Schulen ab 360 Schülern zum nächsten Schuljahr 2019/20 mindestens zwei pädagogisch nicht voll ausgebildete Quereinsteiger ausbilden, kleinere Schulen mindestens einen.

„Jede Schule wird Ausbildungsschule für Quereinsteigende“, bestätigte Beate Stoffers, Sprecherin der Bildungsverwaltung. Aktuell würden 145 Berliner Schulen keine Quereinsteiger ausbilden. „Das wollen wir im Sinne der Bildungsgerechtigkeit ändern.

Quereinsteiger-Quote: Berliner Schulleiterin befürchtet „Kollateralschäden“

Das sorgt nicht nur für Freude. „Eine gerechtere Verteilung von Quereinsteigern mag ja eine gute Idee sein“, sagte eine Schulleiterin. „Allerdings führt das zu Kollateralschäden.“ So müssten nun Referendare, die eine mündliche Zusage für die Einstellung haben, sich woanders umsehen. „Da werden einige auch nach Brandenburg gehen, wo ohnehin noch verbeamtet wird“, hieß es. Man werde Alternativangebote unterbreiten, versicherte die Sprecherin der Bildungsverwaltung. „Weitere Quotierungen sind nicht vorgesehen.“

Die Verwaltung will mit einer festen Quereinsteiger-Quote verhindern, dass sich diese Kräfte vor allem an Schulen in sozialen Brennpunkten ballen. Die dort besonders geforderten Pädagogen müssen auch noch die nicht voll ausgebildeten Kollegen berufsbegleitend coachen.

An Berlins Grundschulen arbeiten besonders viele Quereinsteiger

Eine parlamentarische Anfrage des SPD-Bildungspolitikers Joschka Langenbrinck hatte im März vergangenen Jahres erstmals ergeben, dass die Quereinsteiger-Quote an allgemeinen Berliner Schulen von 0 bis gut 30 Prozent variiert. Besonders viele nicht voll ausgebildete Lehrer sind demnach an Neuköllner und Weddinger Grundschulen tätig. Also dort, wo die Kinder besonders versierte Pädagogen bräuchten. Inzwischen dürfte der Anteil der nicht regulär ausgebildeten Lehrer weiter angestiegen sein. Bürgerliche Gymnasien etwa in Steglitz-Zehlendorf hatten hingegen kaum Quereinsteiger im Kollegium. Einzelne Schulleiter betonen, das sie durchaus gute Erfahrungen mit Quereinsteigern machen, sie seien oft lebenserfahren und besonders motiviert für den Job.

Berlin stellt aufgrund des akuten Mangels an regulären Lehrkräften zunehmend Quer- und Seiteneinsteiger ein. Zuletzt waren es etwa die Hälfte aller eingestellten Lehrer. Besonders betroffen sind Grundschulen, weil es Berlin jahrelang versäumt hatte, genug Studienplätze für das Grundschullehramt bereit zu stellen. Mit der neuen Quote dürften sich Quereinsteiger verstärkt an die Oberschulen verlagern, weil diese Schulen größer sind.

Quereinsteiger sollen hauptsäüchlich Mangelfächer unterrichten

Unklar ist noch, wie genau die neue Quote umgesetzt werden soll. Denn Quereinsteiger sollen Mangelfächer wie Mathe, Physik, Chemie, Sport, Kunst, Musik oder Englisch für Grundschüler unterrichten. „Was aber ist, wenn wir eine andere Fächerkombination suchen, für die kein Quereinsteiger bereit steht?, fragt ein Schulleiter.

Experten schätzen, dass Berlin noch jahrelang auf Quer- und Seiteneinsteiger angewiesen sein wird. Um mehr reguläre Lehrer in Berlin zu halten, hat Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) ihre Auffassung komplett gedreht und setzt sich seit Dezember für eine Rückkehr zur Lehrerverbeamtung ein. Sie schätzt, dass jährlich 400 Lehrer Berlin verlassen, weil sie in anderen Bundesländern noch verbeamtet werden.