Neuer Inhalt

Marathon in Berlin: Eine Sternstunde der Leichtathletik

GYI_1034087192

Eliud Kipchoge hat Zeit zum Abklatschen mit den Fans.

Foto:

Bongarts/Getty Images

In der Nacht geht ein leichter Regen über der Berliner Innenstadt nieder, wäscht Staub und Dreck aus der Luft und von der Straße. Am Sonntagmorgen spannt sich dann ein blauer Himmel über der Stadt. Die Straßen sind trocken. Die Luft hat angenehme 17 Grad. Besser als an diesem Sonntag können die Voraussetzungen für einen perfekten Marathon-Tag nicht sein.

Und dann, Stunden später, wissen alle, dass sie bei einem spektakulären Weltrekordtag dabei waren – entweder als einer der mehr als 44.000 Läufer, Rollstuhlfahrer und Handbiker oder als einer der Hunderttausenden Zuschauern. 

Der neue Weltrekord ist „eine Sternstunde der Leichtathletik“

Die Menschen am Straßenrand waren dabei genauso außer Puste wie die Läufer. Erst sie machten das Laufereignis zu einem Lauferlebnis. Der größte Jubel galt natürlich Eliud Kipchoge, 33. Er siegte zum dritten Mal in Berlin und stellte einen neuen Weltrekord auf – und das gleich eine Minute und 18 Sekunden schneller als die alte Bestmarke. Das sind Welten. Berlin ist bekannt und bei Läufern beliebt für seine schnelle Strecke. Aber so eine Zeit ist selbst für die hiesigen Verhältnisse ungewöhnlich.

Alles rennt, was Beine hat – sogar das Brandenburger Tor.

Alles rennt, was Beine hat – sogar das Brandenburger Tor.

Foto:

Maja Hitij/Bongarts/Getty Images

Fans wie Sportexperten halten diese Leistung für eine Sternstunde der Leichtathletik. Auch der Regierende Michael Müller (SPD) freute sich im Zielbereich, als hätte er eine Wahl gewonnen. Der Berlin-Marathon ist nicht nur wegen der Spitzenleistungen immer etwas Besonderes. Eine Extra-Medaille hätten eigentlich die Läufer verdient, die in schrillen Kostümen antraten. Asterix und seine Gallier waren genauso zu sehen wie ein König im roten Umhang und ein Manager im feinen Zwirn.

Unbedingt erwähnen muss man auch Valentin Harwardt aus Wolfsburg. Er ist zwar nicht berühmt und mit 41 Jahren fast ein Renn-Oldie. Aber: Er kam mit 2:19:54 Stunden als bester Deutscher ins Ziel (Platz 26). 

Mit Peter Steudtner wurde der Marathon auch politisch

Und diesmal wurde es am Marathon-Sonntag auch politisch. Der Berliner Menschenrechtler Peter Steudtner hat beim diesjährigen Berlin-Marathon auf die bedrohliche Situation seiner Mitstreiter in der ganzen Welt aufmerksam gemacht. Parallel zum Hauptwettbewerb am Sonntag lief Steudtner in dem symbolischen Nachbau eines türkischen Gefängnishofes und drehte seine Runden in einem Käfig.

Menschenrechtsaktivist Peter Steudtner beim Käfiglauf.

Menschenrechtsaktivist Peter Steudtner beim Käfiglauf.

Foto:

imago/epd/Christian Ditsch

Begleitet wurde der Menschenrechtler bei seiner Aktion unter anderem von der Schauspielerin Katja Riemann. Gemeinsam mit der Organisation Amnesty International hatte Steudtner dazu aufgerufen, sich ihm anzuschließen. Steudtner selbst war 2017 rund drei Monate lang wegen angeblichen Terrorismusverdachts in der Türkei inhaftiert. Mit Laufrunden im Gefängnis hielt es ich damals fit. (mit dpa, tom.)