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Nach Antisemitismus-Vorfall: Mobbingopfer und Täter verlassen John-F.-Kennedy-Schule

John-F.-Kennedy-Schule in Berlin-Zehlendorf

Ein jüdischer Schüler soll über Monate hinweg an der John-F.-Kennedy-Schule in Berlin-Zehlendorf gemobbt worden sein.

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Robert Schlesinger/dpa-Zentralbild

Nach einem antisemitischen Vorfall an der renommierten John-F.-Kennedy-Schule in Zehlendorf haben die beiden Täter, aber auch das Opfer die Schule verlassen. Zwei Schüler seien gegangen, nachdem die Klassenkonferenzen getagt hatten, bestätigte die Bildungsverwaltung am Donnerstag. Auch das damals 15-jährige Opfer wollte nach den Sommerferien nicht mehr an seine Schule zurückkehren.

Über lange Zeit gemobbt

Die Vorfälle waren Ende Juni öffentlich geworden. Die Mitschüler hatten den Neuntklässler – sein jüdischer Vater stammt aus den USA, lebt aber schon lange in Berlin – über längere Zeit gemobbt und auch antisemitisch beleidigt. Sie tyrannisierten ihn etwa mit Zetteln, auf denen Hakenkreuze aufgemalt waren. Ein solcher Zettel wurde ihm auf dem Rücken angeheftet. Bei einem anderen Vorfall blies ein Mitschüler in der Umkleidekabine der Turnhalle dem Neuntklässler den Rauch aus einer E-Zigarette ins Gesicht – verbunden mit der Aufforderung, er möge sich an seine vergasten Verwandten erinnern. 

Seit dem bislang letzten Übergriff von Mitschülern Anfang Juni war das Mobbingopfer krankgeschrieben und hat seine Schule seither nicht mehr betreten. Damals hatten ihn Mitschüler nach Informationen der Berliner Zeitung mit Stiften beworfen und wollten ihn zwingen, sich zu bücken und die Stifte zurückzugeben. „Sport ist gut für dich“, sollen sie dazu gerufen haben.

„Die Schule hätte früher handeln müssen“

Bildungsverwaltung und Schulaufsicht bedauerten ausdrücklich, dass auch der betroffene Junge die deutsch-amerikanische Schule verlässt. „Es gab Gespräche, Schule und Schulaufsicht boten Eltern und Sohn auch Unterstützung an, um eine Rückkehr zu ermöglichen“, teilte Beate Stoffers, Sprecherin der Bildungsverwaltung, mit. „Leider ist dies nicht gelungen.“

Die zuständige Schulrätin übte Kritik daran, dass die Schule die antisemitischen Vorfälle nicht umgehend der Bildungsverwaltung gemeldet habe. Diese Vorfälle könnten durchaus als verfassungsfeindliche Äußerungen gewertet werden und seien gemäß Notfall-Ordner für die Berliner Schulen meldepflichtig, hieß es in der Bildungsverwaltung.

„Die Schule hätte früher handeln müssen“, sagte auch Sigmount Königsberg, Antisemitismusbeauftragter der Jüdischen Gemeinde. Hier sei leider Vertrauen verspielt worden. Die Eltern des Jungen hatten sich schließlich an die Antidiskriminierungsbeauftragte der Bildungsverwaltung, Saraya Gomis, gewandt. Von der Schulleitung fühlten sie sich nicht ernst genommen. So erst wurde der Fall öffentlich.

Starker Einfluss der USA

Die Schulleitung wollte sich am Donnerstag auf Anfrage der Berliner Zeitung nicht äußern. „Wir geben gegenüber der Presse heute keine Auskunft“, hieß es im Sekretariat. Bei einer eilig einberufenen Pressekonferenz vor den Sommerferien hatten die beiden Schulleiter angekündigt, den Fall aufzuarbeiten.

Die 1960 im amerikanischen Sektor gegründete Schule ist eine besondere Einrichtung. Viele Kinder von US-Diplomaten besuchen die Schule, die eine deutsche und eine US-amerikanische Schulleitung hat. Ein Vertreter der US-Botschaft verfügt im Verwaltungsrat über eine Art Veto-Recht. Mit mehr als 1700 Schülern ist sie eine der größten Schulen Berlins.