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Eifersucht und Geldgier: 47-Jähriger erschlägt Ehefrau fast mit Beil

Landgericht Berlin-Moabit

Der erste Tag der Verhandlungen im Landgericht. 

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Berliner Zeitung

Sie wollte die Scheidung, er wollte ihr Geld. Also ging Ramiz H. los, er kaufte ein Beil. Dann besuchte er seine getrennt von ihm lebende Ehefrau Sehrija M. und schlug mit dem Beil zu, mehrmals. Bis er glaubte, sie sei tot. So steht es in der Anklage der Berliner Staatsanwaltschaft.

„Es ist ein medizinisches Wunder, dass meine Mandantin die Attacke überlebt hat“, sagt der Anwalt Roland Weber, der die angegriffene Frau vor Gericht vertritt. Sehrija M. ist Nebenklägerin in dem Prozess gegen ihren Ehemann Ramiz H., der sich seit diesem Mittwoch vor einer Schwurgerichtskammer des Landgerichts verantworten muss. Die Staatsanwältin wirft ihm versuchten Totschlag vor. Weber sagt, dass seine Mandantin nicht persönlich in dem Prozess in Erscheinung treten werde.

Von Bosnien nach Deutschland

Ramiz H. ist ein schmaler, kleiner Mann von 47 Jahren. Im Publikum des Saals 501 sitzen sein Vater und andere Familienangehörige, die dem Angeklagten winken und auch Kusshändchen zuwerfen. Und die Ramiz H. erwidert.

Der Angeklagte stammt aus Bosnien. Im März 1992 heiratete er dort Sehrija M. Das Paar ging nach Deutschland. Zwei Kinder wurden zunächst geboren. Dann ließen sich die Eheleute scheiden. Ramiz H. wurde abgeschoben, er kehrte jedoch nach Deutschland zurück. Heiratete erneut Sehrija M. und wurde vor drei Jahren eingebürgert. Mittlerweile soll das Paar fünf Kinder haben.

Beil unter der Kleidung versteckt

Sehrija M. schlug sich in Berlin als Putzfrau durch. Sie machte auch bei einer offenbar vermögenden Frau aus Charlottenburg sauber und kümmerte sich auch sonst um die alte Dame. Als die Frau im Jahr 2010 starb, vermachte sie ihrer Putzfrau ein Vermögen, das die Erbin in Immobilien anlegte. Sehrija M. gilt als geschäftstüchtig. Sie betrieb schließlich ein Flüchtlingsheim in Buckow. Ende vergangenen Jahres reichte sie erneut die Scheidung ein.

Das und der Umstand, dass Sehrija M. sich weigerte, ihrem Noch-Ehemann bei einer Scheidung die Hälfte ihres Vermögens zu geben, muss Ramiz H. sehr wütend gemacht haben. Davon geht die Staatsanwaltschaft aus. Am 8. Februar diesen Jahres betrat der Angeklagte gegen 13.45 Uhr das Grundstück seiner getrennt von ihm lebenden Ehefrau am Battenheimer Weg. „Um sie zu töten“, sagt Staatsanwältin Federica Sieben. Das für die Tat gekaufte Beil habe Ramiz H. unter seiner Kleidung versteckt.

Angriff auf Mutter und Sohn

Im Vorgarten des Hauses soll es zunächst zu einem verbalen Streit gekommen sein. Dann zog der Angeklagte das Beil und schlug seiner Ehefrau in Tötungsabsicht mehrfach mit dem Beil auf den Kopf und in den Nacken, sagt die Staatsanwältin.

Ramiz H. habe auch nicht aufgehört, als die Frau bereits schwer verletzt am Boden gelegen habe. Er ließ erst von seinem Opfer ab, nachdem der 16-jährige Sohn die Schreie seiner Mutter gehört und den Angeklagten von der stark blutenden Frau wegzogen hatte. Ramiz H. ging davon aus, dass seine Sehrija M. tot ist. Als er fliehen wollte, hielt ihn der Sohn zunächst fest. Bis Ramiz H. erneut das Beil schwang.

Not-Operation und Koma

Ramiz H. wurde noch am selben Tag festgenommen. Er kam zunächst in den Maßregelvollzug, eine Klinik für psychisch kranke Straftäter. Seit Mai sitzt er in Untersuchungshaft. Seine Ehefrau musste notoperiert werden. „Die Ärzte gaben ihr damals kaum eine Überlebenschance“, sagt ihr Anwalt Roland Weber.

Sehrija M. erlitt durch die Beilschläge schwere Kopfverletzungen und massive Blutungen im Gehirn. Sie lag zunächst im Koma und schwebte mehrere Wochen in Lebensgefahr. Mehrfach musste die 44-Jährige operiert werden, sie war bis Ende März im Krankenhaus. „Entgegen der ärztlicherseits zunächst gestellten Prognose sind schwerste Hirnschäden ausgeblieben“, sagt die Staatsanwältin in ihrer Anklage. Sehrija M. müsse sich jedoch noch immer einer stationären Reha unterziehen. Zudem sei sie wegen Panik- und Angstattacken in psychotherapeutischer Behandlung.

Guter Zustand trotz schwerer Verletzungen

Der Angeklagte schweigt an diesem ersten Verhandlungstag zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft. Sein Anwalt glaubt nicht, dass Ramiz H. aus Geldgier gehandelt hat. „Ob aus Eifersucht, weiß man nicht“, erklärt er.

Ramiz H. soll mehrfach in psychiatrischer Behandlung gewesen sein und Suizidversuche hinter sich haben. Allerdings soll der psychiatrische Gutachter den Mann in seiner vorläufigen Expertise für schuldfähig halten.

Und Sehrija M.? Ihr gehe es für die Schwere der Verletzungen heute gut, erklärt Roland Weber, ihr Anwalt. Sie wolle irgendwann auch wieder ihre Arbeit in dem Flüchtlingsheim aufnehmen.
Der Prozess wird am nächsten Donnerstag fortgesetzt.