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Protest gegen Investor-Pläne: Viel Rummel um Bebauung der Bucht am Ostkreuz

Ausgerechnet am giftigsten Gewässer der Stadt soll ein Aquarium entstehen. Am Lichtenberger Ufer des Rummelsburger Sees plant der israelische Biologe und Milliardär Benjamin Kahn für 40 Millionen einen Wasserpark, auch ein Hotel und Luxuswohnungen sollen gebaut werden. Schon länger sind die Pläne bekannt. Doch jetzt, wo der „Bebauungsplan Ostkreuz“ in der BVV Lichtenberg festgesetzt werden soll, regt sich erneut Protest. 

Über 1600 Menschen haben auf Facebook ihr Kommen zu einer Demonstration gegen die Baupläne angekündigt. Die Demo soll bis 22 Uhr andauern. Die Forderung: „Stadtnatur, Schulplätze, Kultur, Soziales statt noch mehr Beton und Touristen an der Rummelsburger Bucht!“ Tatsächlich soll mit dem Aquarium „Coral World“ ein neuer Touristenmagnet in Lichtenberg entstehen. Der chronisch klamme Bezirk dürfte es außerdem begrüßen, dass der Investor zugesagt hat, auch einen öffentlichen Wasserpark zu bauen und zu unterhalten.

Die Rummelsburger Bucht in Berlin-Lichtenberg.

Die Rummelsburger Bucht in Berlin-Lichtenberg.

Foto:

imago stock&people

Nicht nur linksalternative Kritik

Bedroht wäre mit dem Prestige-Projekt auf einem Grundstück, welches noch vom schwarz-roten Senat für nur 20 Millionen Euro veräußert wurde, allerdings ein letztes Stück Freiheit am Rummelsburger See.
Heute dümpeln dort selbst gebaute Hausfloße auf dem Wasser, im Biergarten „Rummels Bucht“ an der Kynaststraße geht es lässig zu. Es gibt einen Anglerverein, einen Kanuverleih, im Sommer campierten viele Obdachlose hier am Ufer des stark mit Schwermetallen aus der Industrie belasteten Gewässers.

Doch nicht nur die nahe gelegenen Clubs fürchten die Aufwertung des Gebiets nahe des Ostkreuzes durch Luxuswohnungen, längst nicht alle Kritik kommt aus der linksalternativen Ecke. Denn der „Bebauungsplan Ostkreuz“ sieht zwar Wohnungen, aber keine neue Schule vor. Dabei boomt Rummelsburg vor allem bei Familien mit Kindern. Über 3000 Schulplätze fehlen schon jetzt.

Wohngebiet am Rummelsburger Ufer

Als vor einem Jahr der Vertrag zum Wasserpark unterzeichnet wurde, sagte Bezirksstadträtin Birgit Monteiro: „Schon seit 25 Jahren wird der zugehörige Bebauungsplan bearbeitet. Viele Köche waren und sind mit am Werk, und ihre Interessen mussten miteinander vereint werden: Grundstückseigentümer, Anwohner, Investoren und die bezirklichen Akteure.“

Parallel dazu habe sich über die Jahre das Wohngebiet am Rummelsburger Ufer stetig vergrößert und damit auch neuer Bedarf geschaffen, die berücksichtigt werden mussten. Die Bucht sei ein Erfolg und Aushängeschild für ganz Lichtenberg geworden. Die Fertigstellung des Wasserparks werde dem die Krone aufsetzen. Klingt, als bräuchte es mehr als eine Demonstration, um dieses Vorhaben noch zu verhindern.