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Schäden durch Luxusbauten: Friedrichswerdersche Kirche kann gerettet werden

Friedrichswerdersche Kirche

Die Friedrichswerdersche Kirche, umbaut von Luxuswohnungen.

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imago/Rolf Zöllner

Die Friedrichswerdersche Kirche wäre in anderen Städten ein Super-Highlight jedes Stadtrundgangs. In Berlin ist der nach Plänen Karl Friedrich Schinkels 1831 geweihte Bau seit nunmehr sechs Jahren geschlossen, infolge eines der größten Städtebau-, Denkmalpflege- und Architekturskandale seit der Wiedervereinigung: Es geht um die viel zu hohe und viel zu dichte Umbauung der Kirche mit Super-Luxus-Wohnungen.

Nicht nur, dass dem neugotischen Kirchenbau – einer der wenigen Entwürfe Schinkels, die weitgehend unversehrt die Zeiten überstanden haben! – viel zu nahe getreten wurde: Für den Bau von Tiefgaragen ließen die Investoren – mit Baugenehmigung – viel zu nah an die Fundamente der Kirchenhalle herangraben. 2012 musste der als Museum genutzte Bau geschlossen werden und wird seither genau überwacht und restauriert.

Keine Einsturzgefahr

Inzwischen steht fest: Die Kirche kann gerettet werden. Dank einer Anfrage des CDU-Abgeordneten Sven Rissmann an den rot-rot-grünen Senat wurde jetzt nochmals deutlich, was den meisten Fachleuten längst bekannt war: Es besteht weiterhin keine Einsturzgefahr.

Die Schäden an dem Bau sind zwar unumkehrbar, sie waren aber weitgehend wenigstens in der Oberflächenwirkung reparabel. Die Gewölbe, die sich infolge der Fundamentbeschädigungen gesenkt hatten, bleiben verformt, konnten aber gesichert werden.

Risse geschlossen

Es sei hier angemerkt: Einer der Vorteile der von Schinkel genutzten Kreuzrippengewölbe-Technologie ist, dass sie auch größerem Verformungsdruck folgen kann. Allerdings können sich durchaus Risse öffnen, auch platzt über den Ziegelflächen leicht der Putz ab. Risse und Putzschicht wurden nun geschlossen, das dafür nötige Gerüst ist abgebaut.

Derzeit wird der Wiedereinbau der historischen Fensterscheiben, die Restaurierung der Altartreppen und der Böden sowie des Südportals vorbereitet, so der Senat. Wann diese Arbeiten abgeschlossen sein könnten, ist aber noch nicht absehbar. Und damit auch nicht, welche künftige Nutzung der Bau haben wird.

Dauer der Restaurierungsarbeiten noch unklar

2012 wurden in kurzer Zeit die seit 1989 hier ausgestellten kostbaren klassizistischen Skulpturen der Staatlichen Museen ins Depot gebracht. Eine der bedeutendsten Sammlungen ihrer Art ist seither nur noch ab und zu sichtbar. Nicht nur, dass die Depotkosten für solche Werke erheblich sind – wer trägt sie? – auch die Unsichtbarkeit eines wesentlichen Teils der Kunstgeschichtsüberlieferung ist ein weitgehend ignorierter bildungspolitischer Skandal.

Friedrichwerdersche Kirche

Ein großer Baumeister in Berlin – Karl Friedrich Schinkel. Seine Friedrichswerdersche Kirche ist seit mehreren Jahren wegen Bauschäden geschlossen.

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Berliner Zeitung

Die Pressestelle der Stiftung Preußischer Kulturbesitz bestätigte der Berliner Zeitung, dass wegen der ungeklärten Dauer der Restaurierungsarbeiten noch nicht entschieden sei, ob überhaupt und wann die Skulpturen wieder einziehen können.

Schon im vergangenen Jahr hatte Stiftungspräsident Hermann Parzinger beklagt, dass sich durch die Neubauten die Lichtverhältnisse in dem eigentlich geradezu ideal für Skulpturen geeigneten Bau erheblich verschlechtert haben.

In der Stellungnahme des Senats steht auch, dass die Gebäudeverformungen infolge der Bewegungen der Kirchenfundamente so groß sind, dass die „statischen Reserven“ dauerhaft „reduziert“ sind. Das wird die Nutzbarkeit des Gebäudes aller Wahrscheinlichkeit nach zwar nicht einschränken. Allerdings sind jeder Bautätigkeit in der näheren Umgebung erhebliche Grenzen gesetzt. Sie dürfen die Statik der nun so fragil gewordenen Friedrichswerderschen Kirche nicht noch mehr gefährden.

Sanierungskosten gehen zulasten der Investoren

Nachdem fast alle einst genehmigten Büro- und Wohnhäuser realisiert sind, betrifft das vor allem ein Bauvorhaben: den Nachbau der Bauakademie. Alle Vorschläge, für dieses Projekt etwa tief in die Erde zu gehen, um Ausstellungs- und Nutzungsflächen zu gewinnen und damit die Rentabilität zu erhöhen, dürften obsolet sein.

Die Sanierungskosten übrigens gehen zulasten der Investoren. Die Abgeordneten und Senate diverser Wahlperioden sowie die Verwaltungen, die ausweislich auch dieses Senatsberichts die Baupläne gebilligt und genehmigt haben, sowie die Verwaltungschefs etwa in der Denkmalpflege können dagegen mit Nachsicht rechnen: Noch nie stürzte in Berlin ein Politiker oder begann eine Verwaltungsreform, weil zu wenig Rücksicht auf die Stadtgeschichte und ihre alten Bauten genommen wurde.