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Thai-Wiese im Preußenpark : Strenge Regeln für die Händler

Noch wird auf dem Boden serviert: Der Thaimarkt im Wilmersdorfer Preußenpark.

Noch wird auf dem Boden serviert: Der Thaimarkt im Wilmersdorfer Preußenpark. 

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Berliner Zeitung/Gerd Engelsmann

Berlin -

Die Frauen sitzen auf flachen Schemeln und bieten in Plastikschalen Pad Thai, Rindfleisch mit Gemüse und Reis, und sogar Heuschrecken an. Dicht an dicht hocken sie nebeneinander, die meisten sind Asiatinnen aus Thailand, den Philippinen und China, ein paar Männer sind auch dabei. Sie unterhalten sich von Stand zu Stand. Wer zu ihnen tritt, hat Mühe, den Blick der Verkäuferinnen zu erhaschen. Augenkontakt wird auf dem Thaimarkt vermieden.

Das Bild, das sich dem Besucher auf dem Gelände am Fehrbelliner Platz in Wilmersdorf bietet, ist immer wieder überraschend: Berlin fühlt sich auf diesen Quadratmetern, die eigentlich Preußenpark heißen, wie ein Stück Asien an. Auch die gastronomischen Arbeitsbedingungen sind fremd: Fließend Wasser, professionelle Kühlung von Fleisch und Gemüse und Vorschriften für Hygiene – was sonst beim Verkauf von Lebensmitteln in Berlin streng eingefordert wird, scheint weit weg.

Seit 20 Jahren ist der Thaimarkt am Wochenende im Preußenpark eine Institution. Er begann als Treffpunkt von Frauen aus Südostasien, die dort kochten und ihr Essen an Passanten verkauften. Die Atmosphäre war familiär, dann schlossen sich immer mehr Menschen an, auch asiatische Restaurants begannen dort zu kochen. Lange ging das gut, doch in den letzten Jahren gab es Streit.

Nur Präsenz gezeigt

Der Trubel und die vielen blauen Säcke nach Ende des Verkaufs störten die Anwohner. Die große Rasenfläche ist überstrapaziert und hat keine Zeit zur Regeneration. Die Proteste wurden lauter und das Bezirksamt sah Handlungsbedarf.

Polizei und Ordnungsamt sollen im Park präsenter sein. Das war auch der Grund, warum die Ordnungshüter am vergangenen Sonnabend vor Ort waren – und der Markt deshalb ausfiel. Der Bezirksstadtrat für Ordnungsangelegenheiten, Arne Herz (CDU), sagte am Montag dazu: „Wir wollen den Markt nicht kaputt machen, sondern den Anwohnern zeigen: Wir tun etwas.“ Generell könne der Markt weiter stattfinden.

Das begrüßen die zahlreichen Besucher. Bei schönem Wetter ist im Thaipark, wie er auch genannt wird, kein Fleckchen Rasen frei. „Hier empfinde ich ein Gefühl von Freiheit“, sagt Krzysztof, ein 34-jähriger Sozialarbeiter, der mit seiner Frau auf der Wiese im Schneidersitz sitzt. „Das Essen ist lecker und nicht teuer, man kann sich auch einen kleinen Mojito holen“, sagt die Studentin Eva, 23. Die Besucher sehen jedoch auch, dass die Essenstände und die vielen Gäste die Natur strapazieren. „Der Boden ist staubig und es kommt leicht Dreck ins Essen“, sagt eine Frau.

Händler sollen Marktmobile bekommen 

Der Park soll jetzt umorganisiert werden. Deshalb lud das Bezirksamt Studenten der TU Berlin ein, Pläne für seine Umgestaltung zu entwerfen. Die Ergebnisse wurden im Frühjahr auf einer Bürgerversammlung vorgestellt. Der Plan „Heimathafen – multikulturelle Begegnungszone“ von Lene Anne Sommer, 29, und Robin Schick, 24, Masterstudenten im Studiengang Landschaftsarchitektur, fand am meisten Anklang.

„Die Gestaltung ist ein bisschen in die Jahre gekommen“, sagt Schick. Der Spielplatz am Eingang Konstanzer Straße wird nach ihrem Entwurf in die Mitte des Parks verlegt. An seine Stelle wird eine etwa 1000 Quadratmeter große, befestigte Fläche mit einem Multifunktionsgebäude am Rand gebaut. Die Fläche wird leicht erhöht und ragt wie ein Balkon in das Rasenrondell. Besucher können auf den Rändern sitzen und zum Beispiel essen.

Das Multifunktionsgebäude beherbergt einen Kiosk, Toiletten, eine Waschküche, eventuell ein Café. Es soll als Unterstand für sogenannte Marktmobile dienen. Diese Wägelchen, die erst noch gebaut werden müssen, gehören zur neuen Organisation des Thaimarkts.

Am Wochenende verkaufen viele Händler ihr Essen auf dem asiatischen Straßenmarkt. Nun gibt es eine Neuordnung.

Am Wochenende verkaufen viele Händler ihr Essen auf dem asiatischen Straßenmarkt. Nun gibt es eine Neuordnung. 

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imago stock&people

Die Händler holen sich die Marktmobile morgens aus dem Lager, schieben diese auf die vorgesehene Fläche und geben sie abends wieder ab. „In der Fläche befinden sich Anschlüsse, zum Beispiel für Strom und Wasser“, sagt Schick. So sollen sich auch die hygienischen Bedingungen verbessern.

Weniger Stände

Eine wichtige Neuerung: „Die Zahl der Verkaufsstellen wird auf 60 beschränkt“, kündigt Oliver Schruoffeneger (Grüne), Bezirksstadtrat für Umwelt, an. Eine offizielle Registrierung der Verkäufer sei aber nicht vorgesehen. Das Provisorische des Thaimarkts soll erhalten bleiben. Auch das Flair soll nicht zerstört werden. „Man kann weiterhin auf der Wiese sitzen und essen, aber es kann nicht das pure Chaos ausbrechen“, sagt Schruoffeneger. Die Marktmobile soll ein Träger ausgeben, etwa eine gemeinnützige Stiftung.

Das Bezirksamt beauftragt derzeit ein Planungsbüro, den Entwurf in Zusammenarbeit mit den Studenten zu einem konkreten Plan auszuarbeiten. Im Herbst wird die neue Lösung auf einer Bürgerversammlung vorgestellt. Auch Köchinnen des Thaimarkts sollen gehört werden. Im kommenden Jahr sollen die Veränderungen umgesetzt werden. Die Köchinnen sind skeptisch, was auf sie zukommt. „Wir müssen abwarten, was passiert“, lautet die Antwort auf Fragen nach der Zukunft.

Das Stück Asien hat es mittlerweile in viele Reiseführer geschafft. An diesem Abend kommt kurz vorm Abbau der Stände ein älteres Ehepaar aus Malaysia, um sich Essen zu kaufen. „Wir sind gerade in Berlin gelandet und wollen die Stadt besichtigen. Jetzt freuen wir uns, hier ein Stück Heimat zu finden“, sagen sie.