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Umfrage der Berliner Zeitung: Das sagen Berliner zur Diesel-Debatte

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Diesel-Fahrverbote oder Tempo-30-Straßen. Auch in Berlin wird derzeit wieder mehr über Umweltprobleme diskutiert.

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Getty Images/iStockphoto

Hektik macht sich in der Bundesregierung breit, denn kurz vor der Landtagswahl in Bayern – die wohl nicht nur dort so einiges verändern wird – soll nun doch noch schnell das Problem um die alten Dieselautos angegangen werden. Kanzlerin Merkel hat deshalb den Bundesverkehrsminister von der CSU in die Spur geschickt, um endlich eine Lösung vorzulegen.

In dieser Frage haben auch die Berliner eine sehr klare Meinung. Das zeigt nun eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Forsa im Auftrag der Berliner Zeitung: Beachtliche 71 Prozent der Berliner fänden ein Fahrverbot für ältere Diesel-Fahrzeuge mit hohem Stickstoffausstoß in der gesamten Innenstadt richtig. Selbst 63 Prozent der Autofahrer sind dafür.

Die größte Unterstützung in dieser Frage kommt erwartungsgemäß von den Anhängern der Grünen: 95 Prozent sind für Fahrverbote in der Innenstadt. Die größte Ablehnung in dieser Frage kommt hingegen von den Anhängern der AfD: Dort sagen 60 Prozent der Befragten Nein zu rigorosen Fahrverboten.

Von Platz 10 auf Platz 6

Für die Umfrage befragte Forsa vom 19. bis 27. September 1005 Berliner. Die Befragung macht klar, dass das breit diskutierte Problem des Fehlens von bezahlbaren Wohnungen die größte Sorge der Berliner ist. 46 Prozent sehen dies als Hauptproblem. Im August des Vorjahres lag der Wert noch bei 34 Prozent.

Doch im Schatten der großen Debatten um die Verkehrsprobleme und Baustellen der Stadt sowie den Lehrermangel hat sich das Thema Umwelt wieder auf Platz 6 der Hauptprobleme der Berliner vorgeschoben – im August des Vorjahres stand das Thema noch auf Rang 10.
Doch die Problemsicht ist durchaus unterschiedlich bei den Berlinern. Allgemein ist bekannt, dass es unter den Anhängern der AfD recht viele Leute gibt, die nicht daran glauben, dass der aktuelle Klimawandel größtenteils menschgemacht ist.

Radikale Schritte

Das belegt auch die aktuelle Umfrage: Nur 44 Prozent der AfD-Gefolgschaft glaubt, dass der Mensch der Hauptverursacher des Klimawandels ist. Unter allen Befragten sind es hingegen 72 Prozent. Den höchsten Wert gibt es überraschenderweise nicht bei den grünen Parteigängern, sondern bei den Linken. Es macht sich auch eine gewisse Resignation breit. Nur 42 Prozent der Befragten denken, dass es mit einer Reduzierung des Ausstoßes von Kohlendioxid noch möglich ist, den Klimawandel aufzuhalten. Hingegen denken 45 Prozent, dass es dafür bereits zu spät ist.

Gleichzeitig ist eine Mehrheit der Berliner für radikale Schritte – nicht nur beim Fahrverbot für alte Diesel-Autos. So sind auch 81 Prozent für ein generelles Verbot von Kunststoffverpackungen, um die Müllmengen zu reduzieren. 73 Prozent halt es für sinnvoll, wenn sich einzelne Städte selbst ehrgeizige Klimaziele auferlegen. So will sich Berlin durch Energieeinsparungen und die Nutzung regenerativer Energien bis 2050 in eine sogenannte „klimaneutrale“ Stadt wandeln.

Eigene Verhalten ändern

Bei solchen Aussagen ist es natürlich immer auch wichtig, die Berliner zu fragen, in wieweit sie bereit sind, einen persönlichen Beitrag zu leisten, um zum Beispiel den Kohlendioxid-Ausstoß zu verringern. So würden 78 Prozent der Befragten ihren persönlichen Verpackungsmüll reduzieren, 56 Prozent würde sich energieeffiziente Geräte kaufen, selbst wenn die teurer wären. Allerdings wäre jeweils nur ein Drittel der Befragten bereit, öfter mal das eigene Auto stehen zu lassen oder auch weitestgehend auf Flugreisen zu verzichten oder weniger Fleisch oder Milchprodukte zu konsumieren. Die Umfrage zeigt auch, wie veränderlich Meinungen sind. So ist ein Dauer-Ärger-Thema der vergangenen Jahre für die Berliner deutlich in den Hintergrund gerückt: der Ausbau des Flughafens BER in Schönefeld. Vor einem Jahr zählte 30 Prozent der Befragte diesen Krisen-Fall noch zu den größten Problemen der Stadt – aktuell sind es fünf Prozent.