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Mehr Geld für Ausbau: Flughafen Schönefeld bleibt bis 2026 – und soll wachsen

Flughafen Schönefeld bei Nacht

Flughafen Schönefeld

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Imago

Berlin -

Nach Meinung mancher West-Berliner liegt er am Ende der Welt, und auch Bewohner östlicher Bezirke werden nicht mit ihm warm. Doch niemand sollte ihn unterschätzen. „Der Flughafen Schönefeld ist, gemessen an der Zahl seiner Passagiere, der sechstgrößte Flughafen in Deutschland“, sagt Engelbert Lütke Daldrup. 2018 werde sich die Nutzerzahl auf 13 Millionen summieren, so der Flughafenchef am Freitag. „Mehr als in Stuttgart.“

Und obwohl 2020 mit dem BER nebenan ein neuer Airport öffnen soll, wird der einstige DDR-Hauptstadt-Flughafen als Ergänzung weiterhin gebraucht – bis zum Winter 2025/26, erwartet Lütke Daldrup. Darum wird nun weiter in Schönefeld investiert. Manches wird besser für die Fluggäste, nicht alles.

„Das ist doch ein echter Qualitätsgewinn“, freut sich Lütke Daldrup. Er steht in dem neuen großen, etwa sieben Meter hohen Warteraum, der auf dem Vorfeld entstanden. Das 55 Meter lange und 52 Meter breite Gebäude, das vor allem aus Stahl besteht, wirkt großzügig. Es hat fünf Gates und Platz für 1000 Fluggäste.

Ein spartanisches Willkommen

Manche Architektur-Fans werden sich mit Grausen abwenden. Der von einem niederländischen Unternehmen projektierten Fertigteilbau erinnert an provisorische Supermarkthallen der Nachwendezeit. Aber Lütke Daldrup hat Recht: Viele Fluggäste haben es nun deutlich besser.

Bisher musste die Kundschaft von Easyjet und anderen Billig-Airlines im Schönefelder Pier 3a ihres Aufrufs harren. Seit 2005 war der Terminalanbau mit seinem nackten Beton und dem blaugrauen Fußboden für viele Touristen das erste und letzte Bauwerk, das sie von Berlin sahen. Es war ein spartanisches Willkommen. Der Bau durfte nur 3,5 Millionen Euro kosten und wurde nach nur 20 Wochen fertig gestellt. Doch bald reichten die Warteräume nicht mehr aus. „Als Pier 3a geplant wurde, flog Easyjet mit 30 Prozent kleineren Maschinen“, sagte Lütke Daldrup. Auch zeigte sich, dass die Warteschlangen vor den dezentralen Kontrollen anderen Reisenden Wege versperrten.

Flughafen Schönefeld - ein Flugzeug hebt ab

Mehr los als in Stuttgart: Die Bedeutung von SXF wird unterschätzt.

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BLZ/Markus Wächter

Jetzt wird der östlichste Teil der Schönefelder Terminals für 6,5 Millionen Euro umgebaut. In dem mit grauem Aluminium verkleideten Bau werden Wände herausgerissen, im Obergeschoss entsteht eine zentrale Passkontrolle. Anders als bislang wird es künftig auch Gastronomie und Kinderspielbereiche geben. Im Sommer 2019 soll alles fertig sein, kündigte Lütke Daldrup an. Er freut sich: „Die Boxen verschwinden.“

Der neue Warteraum auf dem Vorfeld am Pier 3a soll 24 Monate stehen. Dann wird das Gebäude nicht abgerissen, sondern demontiert. „Es ist größtenteils recycelbar“, so Lütke Daldrup. „70 bis 80 Prozent können weiter genutzt werden.“ Das senkt die Kosten um fast 1,5 Millionen Euro. Am Ende standen 3,6 Millionen Euro auf der Rechnung.

Doch auch auf dem Weg zu dem neuen Warteraum, der nur über eine Brücke erreichbar ist, gibt es weder Aufzüge oder Fahrtreppen. Schönefeld ist kein barrierefreier Flughafen.

Mehr Kapazität als erwartet

Seine Kapazität wird aber noch etwa sieben Jahre gebraucht. Das Terminal T3, das auf dem BER-Gelände entstehen soll, wird ihn ablösen. Erst nach der Fertigstellung dieses Neubaus, dessen Jahreskapazität von zwölf Millionen auf 18 Millionen steigen soll, wird SXF-Alt vom Netz gehen. Was aus den Gebäuden wird, ist ungewiss. Vor ihnen baut der Bund sein Regierungsterminal.

Lütke Daldrup wird nicht müde zu betonen, dass der BER im Oktober 2020 eröffnet wird. Das Fluggastaufkommen von Tegel ließe sich komplett ins zentrale Fluggastterminal T1 verlagern, das eine größere Kapazität als die bisher erwarteten 22 Millionen Passagiere pro Jahr habe.

Warteraum in Schönefeld

Hell und großzügig: der neue Warteraum auf dem Vorfeld vor Pier 3a.

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BLZ/Markus Wächter

Neben dem Pier Nord des BER hat die Firma Zechbau damit begonnen, ein weiteres Terminal zu errichten – das T2 für sechs Millionen Passagiere jährlich. Für den Zweckbau inklusive aller Funktionen stehen 200 Millionen Euro zur Verfügung. „Doch wahrscheinlich werden wir das Budget nicht ausschöpfen“, so Lütke Daldrup.

Vereinbart wurde, das Terminal T2 kurz vor der BER-Eröffnung in Betrieb zu nehmen. „Wir werden sehen, ob das realistisch ist“, sagt der Flughafenchef. Trotzdem sei er gelassen: „Wir brauchen T2 nicht zwingend schon 2020. Es wäre aber schön, es dann schon zu haben.“