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Pannen-Baustelle: Die größten Fehler und Peinlichkeiten am BER

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Ein historisches Bild: Der damalige Sprecher der Geschäftsführung des BBI Rainer Schwarz, der damalige Bahn-Chef Hartmut Mehdorn, Berlins damaliger Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), Brandenburgs damaliger Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD), der damalige Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) und der damalige Geschäftsführer des BBI Thomas Weyer geben 2006 den Startschuss für den Bau des BER. Von ihnen ist niemand mehr da - bis auf den Bagger im Hintergrund.

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dpa

Am 5. September 2006 um 13.55 Uhr erfolgte der erste Spatenstich für den neuen Hauptstadtflughafen in Schönefeld. Aus der angeblichen Erfolgsstory, die dieser Region im Handumdrehen mindestens 40.000 Arbeitsplätze bescheren sollte, wurde eine unabsehbar lange Kette von Pleiten, Pech und Pannen, die bislang vor allem Juristen und Oppositionspolitikern Beschäftigung bescherte. Hier sind die größten Fehler, Peinlichkeiten und Skurrilitäten rund um den BER:

Die 10 größten Fehler am BER

Hier dreht sich mindestens bis Ende 2017 nichts: ein Gepäckband im BER-Terminal in Schönefeld.

Hier dreht sich mindestens bis Ende 2017 nichts: ein Gepäckband im BER-Terminal in Schönefeld.

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dpa/Daniel Bockwoldt

1. Das Vergabeverfahren

Mittelständler aus der Region sollten den BER bauen. Schon die Ausschreibungen überforderten die Flughafengesellschaft.

2. Die Umplanungen

Hunderte Änderungswünsche fielen den Verantwortlichen ein. Dass jeder immense Umplanungen verursachte, wollten sie nicht wahrhaben.

3. Der Getränkeautomat auf dem Dach

Eine der Umplanungen: Für einen Getränkeautomaten wurden umständlich Wasser- und Datenleitungen verlegt. Amortisieren wird sich das Gerät wohl nie.

4. Datennetz

Alles ist am BER mit allem verbunden. Leider funktionierte das Datennetz am BER aber erst Jahre nach der geplanten Eröffnung stabil.

5. Die Mensch-Maschine-Lösung

Weil der Brandschutz nicht funktionierte, sollten Sicherheitsleute im Ernstfall Brandtüren schließen. Das Bauamt stoppte den aberwitzigen Plan.

6. Kündigung der Planer

Erste Reaktion auf das Desaster 2012: Die Planer wurden gefeuert. Leider hatte danach niemand mehr einen Plan.

7. Krisenmanagement nach der Absage

Druck auf dem Kessel halten, war die grobschlächtige Devise 2012. Die Dimension der Probleme wurde verkannt.

8. Fehlende Raumnummern

Die tausenden Räume am BER sind ausgeklügelt durchnummeriert. Problem: Es waren zu viele Räume für das System. Es dauerte Jahre, diesen Fehler zu beheben.

9. Fehlender Schallschutz

Rund 140 Millionen Euro veranschlagte die Flughafengesellschaft, um die Häuser der Anwohner zu dämmen. Viel zu wenig. Inzwischen stehen 740 Millionen bereit.

10. Bahnhofsentrauchung

Huch, da ist ja ein Bahnhof im Keller! Die BER-Entrauchungsplaner hatten ihn glatt vergessen. Folge: umfangreiche Nacharbeiten.

Die 10 größten Peinlichkeiten am BER

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Ein Fortschritt gegenüber dem alten Flughafen Berlin-Schönefeld. Es gibt Rolltreppen. Allerdings waren die erst einmal zu kurz.

Foto:

Paulus Ponizak

1. Rolltreppen zu kurz

2012 wurde beschlossen, dass jeweils vier Steinstufen angefügt werden sollen.

2. Wo ist der Schalter?

2013 überraschte der damalige Technik-Chef Horst Amann mit dem Eingeständnis, er wisse nicht, wie das Licht im Terminal ausgeht. Die Leittechnik sei noch nicht so weit.

3. Mehdorns Traum

Gleich am ersten Arbeitstag 2013 sorgte der neue BER-Chef für genervte Reaktionen. Er forderte, über eine Offenhaltung Tegels nachzudenken – obwohl das rechtlich heikel ist.

4. Hochstapler planen

2014 kam heraus, dass Alfredo di Mauro, der maßgeblich an der Planung der Entrauchungsanlage 14 beteiligt war, kein Ingenieur ist – sondern technischer Zeichner. Es gibt eine Lücke im Recht, so die Baukammer. „Jeder  Bäcker darf Brandschutzkonzepte entwickeln.“

5. Einladung zum Schmökern

Mülltonnen mit BER-Akten standen 2014 auf dem Gehweg der Marktstraße am Ostkreuz. Passanten bedienten sich.

6. Spätes Eingeständnis

Der BER sei von Anfang an zu klein, gestand Hartmut Mehdorn 2014 ein. Er habe nicht für 27 Millionen Passagiere pro Jahr Kapazität, sondern nur für rund 22 Millionen.

7. Falsch bestückt

Starkstromleitungen lagen mit Kommunikationskabeln im selben Kanal. Trassen für 4800 Kilometer Kabel mussten neu entstehen.

8. Ventilatoren zu schwer

Ebenfalls 2015 kam heraus, dass die Stahlbühnen unterm Dach zu schwach für die bis zu vier Tonnen schweren Rauchventilatoren sind. Die Maschinen wurden angegurtet.

9. Pfusch am Bau

Im selben Jahr hieß es, dass rund 30 Wände im Terminal abgerissen und weitere 570 Wände verstärkt werden müssen. Sonst entsprächen sie nicht den Brandschutzrichtlinien.

10. Glück im Unglück

Die größte Peinlichkeit blieben der Region erspart. Wenn der BER im Juni 2012 ans Netz gegangen wäre, hätte es Chaos gegeben. Damals war er nur zu 56,2 Prozent betriebsfähig, so der Landesrechnungshof Brandenburg.

Die 10 größten Skurrilitäten am BER

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Das Gelände des künftigen Hauptstadtflughafens in Schönefeld.

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REUTERS

1. Spuk per Fernbedienung

Die Gangways am Mainpier werden mehrmals täglich per Fernsteuerung bewegt, sonst gehen die Kugellager kaputt. Sieht gespenstisch aus.

2. Spicker am Bau

Handgeschriebene Zettel weisen noch heute an vielen Stellen auf die zehntausenden Mängel hin.

3. Leihgabe

Sitzbänke aus dem Terminal stehen heute im Wartebereich des Flüchtlingsamts.

4. Unbeschäftigt

260 Bauleiter waren im Jahr 2014 am BER tätig – dabei wurde zu dieser Zeit gar nicht gebaut.

5. Doktorarbeit

Seine Promotion schrieb Technikchef Körtgen neben seinem Job. Er war wohl nicht ausgelastet.

6. Drogensüchtig

Medikamentenabhängig sei, wer Garantien für den BER abgebe, sagte Flughafensprecher Daniel Abbou im Frühjahr. Er wurde gefeuert.

7. Probe für nichts

Tausende Komparsen nahmen ab Februar 2012 am Probebetrieb teil – obwohl nichts funktionierte.

8. Partyplanung

Mit der Eröffnungsfeier befasste sich der Aufsichtsrat im April 2012. Kurz darauf wurde sie abgesagt.

9. Erstflug

440 Euro sollte ein Ticket für den Lufthansa-Erstflug vom BER nach Frankfurt kosten – im A 380.

10. Viel Beton, sehr viel Beton

160.000 Kubikmeter Beton wurden bislang im Terminal verbaut.

  1. Die größten Fehler und Peinlichkeiten am BER
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  3. Die 10 größten Skurrilitäten am BER
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