Stadtgeschichte: So sah der Berliner U-Bahn-Plan früher aus

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Berliner U-Bahnplan von 1933

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Sammlung Mauruszat

Die Berliner U-Bahn kann man auch als Motor der Stadt bezeichnen. Bereits im Morgengrauen befördern Waggons schlaftrunkene Pendler zu ihrer Arbeit, später bevölkern Schulkinder die Sitzreihen, am Vormittag dann Mütter und Väter mit Kinderwagen. Bis in die Nacht transportiert die U-Bahn Menschen durch unsere große Stadt. Doch wie hat das alles eigentlich angefangen? Und wie hat sich das Streckennetz im Laufe der Jahrzehnte verändert?

1910 - Von Kreuzberg nach Charlottenburg

Bild: Sammlung Mauruszat

Die älteste Netzspinne, so wird der Berliner U-Bahn-Plan im Fachjargon bezeichnet, stammt aus dem Jahr 1910. Bereits 1895 begann der Bau der Berliner U-Bahn, ab 1902 fuhren Bahnen von Berlin in das damals noch selbstständige Charlottenburg. Eine der ältesten Linien ist die heute noch stark frequentierte Hochbahn von der Warschauer Straße übers Kottbusser Tor bis zum Zoo (heute U1).

1930 - Karstadt-Bahnhof am Hermannplatz

Bild: Sammlung Mauruszat

Kürzere Fahrzeiten verspricht die Netzspinne im Jahr 1930. Außerdem wirbt Karstadt am Hermannplatz erstmalig auf einem U-Bahn-Plan. Das Netz ist dichter geworden. Der Alexanderplatz ist längst erschlossen. Eine Linie fährt nach Wedding (die heutige U6), eine andere verbindet das Zentrum mit Reinickendorf (die heutige U8). Und sogar bis zur Krummen Lanke transportiert eine U-Bahn die Badegäste.

Die BVG nahm übrigens erst zum Jahreswechsel 1928/29 ihren Betrieb auf. U-Bahn, Bus und Straßenbahn waren damit unter dem Dach eines gemeinsamen Betreibers vereint. Zuvor hatten drei große ÖPNV-Betreiber um die Gunst der Fahrgäste konkurriert. Dem daraus resultierenden Tarifchaos setzte der damalige Verkehrsstadtrat Ernst Reuter ein Ende: 1927 focht er bei den Betreibern einen Einheitstarif von 20 Pfennig mit Umsteigeberechtigung durch.

1933 - Adolf-Hitler-Platz

Bild: Sammlung Mauruszat

Der Bahnhof Reichskanzlerplatz ist bereits in Adolf-Hitler-Platz umbenannt worden (heutige U7 Richtung Spandau). Neu ist, dass die Umsteigebahnhöfe zur Reichsbahn (z.B. Schönhauser Allee, Gesundbrunnen, Wedding) auf dem Plan markiert sind.

1947 - Der erste Plan nach dem Krieg

Bild: Sammlung Mauruszat

Die meisten Bahhöfe sind 1947 schon wieder befahrbar. Gesperrt sind noch die Möckernbrücke und der Osthafen (Stralauer Tor), der auch nie wieder eröffnet werden wird. Die kleine Ziffer zwischen den Bahnhöfen zeigt die Fahrdauer an, zwischen ein- und anderthalb Minuten dauert die Fahrt zwischen zwei Bahnhöfen.

1956 - Taktdarstellung im Plan

Bild: Sammlung Mauruszat

Im Ostteil der Stadt werden Stationen umbenannt. Aus diesem Plan gehen sowohl die neuen als auch die alten Namen hervor (Frankfurter Allee/Stalinallee). Durch unterschiedlich dicke Linien wird die Taktfolge der Linien illustriert, die rote Linie Richtung Pankow fährt alle fünf Minuten, die grüne Linie Richtung Krumme Lanke alle 10 Minuten.

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1964 - Getrennte Stadt, der Linienplan von Ost-Berlin

Bild: Sammlung Mauruszat

Nach dem Mauerbau zeigt Ost-Berlin nur noch das auf dem dortigen Territorium verbliebene Restnetz, die heuigen Linien U2 und U5. Die West-Berliner Metro-Linien werden nicht angezeigt. Die Pankow-Linie endet am (umbenannten) U-Bahnhof Thälmannplatz (Mohrenstraße). Die orangefarbene Linie (die heutige U5) führt vom Alexanderplatz nach Friedrichsfelde und wird später bis nach Hönow verlängert. 

1968 - Neue, schematische Darstellung

Bild: Sammlung Mauruszat

Die BVG entscheidet sich, die Netzspinne nicht mehr geografisch möglichst korrekt darzustellen, sondern die Darstellung zu schematisieren. Die Darstellung mit Winkeln in 45-Grad-Schritten ist heute noch gültig. Die realistische Linienführung ist passé. Der Plan von 1968 ist der kurzzeitige Versuch, den Berliner U-Bahn-Plan im quadratischen Format zu etablieren. Außerdem wurden bereits 1966 die uns heute bekannten Liniennummern eingeführt. Die Berliner Mauer zieht sich auch durch den U-Bahn-Plan.

1975 - Blaue U8, lila U6, rote U2

Bild: Sammlung Mauruszat

Jede Linie hat neben der eigenen Nummer (seit März 1966) auch eine eigene Farbe. So wird der Netzplan immer übersichtlicher. Auf dem West-Fahrplan sind auch die Linien der BVG Ost eingezeichnet, als schwarze dünne Linien.

1982 - Endlich bis Spandau

Bild: Sammlung Mauruszat

Die U7 wird bis Rohrdamm verlängert und ab 1984 auch bis Spandau. Zur Eröffnung des lang geplanten Bahnhofes, der das Spandauer Zentrum endlich mit der Innenstadt verbinden soll, kommt am 1. Oktober 1984 sogar Bundeskanzler Helmut Kohl. Der U-Bahn-Plan ändert sich auch farblich: Die Farbe Grau fällt im Linienplan weg. Die U7 wird hellblau und die U3 wird dunkelgrün. 

2016 - So sieht's heute aus

Bild: BVG

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