Herr Kosslick, über welches Budget verfügt die Berlinale gegenwärtig?Nach zehn Jahren im Amt blickt man auch mal zurück. Die Berlinale hat sich in dieser Zeit ziemlich vergrößert, auch was den Etat betrifft, der derzeit bei 19,5 Millionen Euro liegt. Vor zehn Jahren begannen wir mit rund 11 Millionen Euro. Das Festival ist seither gewachsen. Wir haben neue Initiativen gegründet und weitere Berlinale-Sektionen eingeführt, und wir haben auch ein größeres Publikum. Der an das Festival angeschlossene European Film Market zählt inzwischen zu den drei größten Filmmärkten der Welt.Wie viel muss die Berlinale selbst erwirtschaften?Vom Bund werden 6,5 Millionen Euro für uns bereit gestellt. Das restliche Geld erwirtschaftet das Festival durch Eigeneinnahmen wie den Ticketverkauf - es stehen in diesem Jahr wieder 300000 Tickets zur Verfügung, Merchandising, Einnahmen des European Film Markets und durch Sponsoring. In den vergangenen zehn Jahren ist die Berlinale für Unternehmen immer attraktiver geworden. Sponsoring ist ein unverzichtbarer Teil der Finanzierung des Festivals. Die Berlinale ist ja größer, vielfältiger, glamouröser geworden. Neben dem finanziellen Beistand unterstützen unsere Partner das Festival noch durch vielfältige Serviceangebote für Gäste und Publikum, durch Technik- und Produktbeistellungen.Wofür wird das meiste Geld im Budget ausgegeben?Ein großer Anteil sind die Personalkosten: Ohne den Einsatz unserer Mitarbeiter wäre das Festival gar nicht möglich. Während der Berlinale beschäftigen wir fast tausend Mitarbeiter. Das ist schon ein enorm großes Schiff, das wir steuern. 20000 Fachbesucher müssen akkreditiert werden, nahezu tausend geladene Gäste untergebracht, abgeholt und betreut werden. Ein anderer großer Posten ist die Technik, vor allem die Kinotechnik. In diesem Jahr erfordern die 3D-Screenings eine besondere Ausstattung. Aber auch in die Mieten der vielen Berlinale-Spielstätten fließt eine große Summe jährlich.Und wofür geben Sie das wenigste Geld aus?Für Parkgebühren ... (lacht)Wie spüren Sie die Wirtschaftskrise?Die Wirtschaftskrise macht sich natürlich auch bei der Berlinale bemerkbar. Wir bekommen da eher strukturelle Veränderungen mit. Es kommt schon vor, dass die eine oder andere Firma im Filmmarkt nicht mehr auftaucht. Das wird aber das Große und Ganze der Berlinale nicht verändern. Wo unsere Partner das merken, ist eigentlich eher bei der Werbung, bei den großen Partys - diese Riesenveranstaltungen, die da stattgefunden haben, das ist etwas weniger geworden. Ansonsten machen wir eine Berlinale, die sich auch inhaltlich mit der Finanzkrise beschäftigt.Wie viel erwirtschaftet das Festival für Berlin und Brandenburg?Die Berlinale leistet einen großen wirtschaftlichen Beitrag für die Region. Sie verleiht der Hauptstadt nicht nur das Label einer Filmmetropole, sondern sorgt auch für ökonomisches Wachstum. Viele verschiedene Branchen profitieren von den nahezu 20000 Fachbesuchern und den zahlreichen filminteressierten Besuchern. Am meisten profitiert natürlich die Filmbranche, der Einzelhandel, Hotels und Dienstleistungsunternehmen. Laut einer Studie der Investitionsbank Berlin stoßen die Ausgaben der nach Berlin kommenden Festivalbesucher und Kulturtouristen jährlich ein zusätzliches Brutto-Inlandsprodukt zwischen 40 und 80 Millionen Euro an. Danach erhöhen sich die öffentlichen Einnahmen der Hauptstadt durch die zusätzlichen Wertschöpfungseffekte der Berlinale zwischen rund fünf und elf Millionen Euro. - Ein ganz wichtiger Punkt ist aber auch der Imagegewinn für Berlin, der durch die vielen internationalen Medienvertreter, die jährlich über die Berlinale berichten, entsteht. Für zehn Tage im Februar richtet sich das weltweite Interesse von Cineasten auf Berlin.Das Gespräch führte Anke Westphal.------------------------------Foto: Dieter Kosslick leitet seit Mai 2001 die Berlinale.

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