Der Berliner Dschihadist Dennis Cuspert droht mit Anschlägen in Deutschland. In einem Video, das über mehrere Twitter-Accounts verbreitet wurde, singt der aus Kreuzberg stammende Ex-Rapper unter anderem: „Wir wollen euer Blut, es schmeckt so wunderbar.“ Zu den Bildern von den Attentaten auf die Redaktion von Charlie Hebdo und einen jüdischen Supermarkt in Paris reimt der 39-Jährige: „In Frankreich folgten Taten, die deutschen Schläfer warten.“ Er singt außerdem: „Auch wenn du in Europa bist, mache deinen Dschihad.“

A capella aus religiöser Überzeugung

Denis Mamadou Gerhard Cuspert, der sich unter dem Alias-Namen Deso Dogg bis 2010 in Berlin als Gangsta-Rapper weitgehend erfolglos versucht hatte, nennt sich inzwischen Abu Talha al-Almani. Als strenggläubiger Salafist verteufelt er nun Instrumentalmusik, weshalb er sein Gesang a capella ist und ein sogenannter Nasheed, eine Kampfhymne. Im April 2014 schwor er der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) und deren Anführer öffentlich seinen Treueeid. Er hält sich offenbar in Syrien auf. Das Bundeskriminalamt fahndet nach ihm, weil die Bundesanwaltschaft gegen ihn wegen schwerer Kriegsverbrechen ermittelt. Im Februar setzten ihn die USA auf die internationale Fahndungsliste. Inzwischen gilt Cuspert als der bekannteste und charismatischste Islamist in Deutschland, der nach Einschätzung des Verfassungsschutzes großen Anteil an der Radikalisierung Jugendlicher hat. Mehrmals wurde er schon für tot gehalten, zuletzt im Winter.

Eine Anreihung kaum zu ertragender Bilder

Cuspert veröffentlichte schon viele Propagandafilme. In letzter Zeit werden sie allerdings immer blutrünstiger. Im vergangenen Jahr ließ er sich noch zwischen getöteten Soldaten filmen, während er mit einem Schuh auf den Kopf einer Leiche eindrosch. In einem anderen Streifen hielt er den abgeschnittenen Kopf eines „Ungläubigen“ in den Händen. Das jüngste Video ist eine Anreihung kaum zu ertragender Bilder von Gräueltaten des Islamischen Staates. „In seiner schnellen Bilderabfolge erinnert es an einen Musikvideo-Clip“, sagte Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) am Mittwoch. „Es ist sehr professionell produziert. Es steht zu befürchten, dass das Video zur weiteren Radikalisierung in der islamistischen Szene beiträgt.“ Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) rät dagegen davon ab, dem Video zu viel Bedeutung beizumessen.

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