Berliner Götzen

Peter-Klaus Schuster, der Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin, begeisterte im vergangenen Dezember die Kunstwelt mit seinen bahnbrechenden Plänen für die Museumsinsel. Was sein Vorgänger Wolf-Dieter Dube unnachgiebig bekämpft hatte - nun durfte es auf einmal doch möglich sein: Die europäische Malerei, erst 1998 in ihrem teuren Neubau am wenig attraktiven Kulturforum wiedervereinigt, soll aus ihrem Exil erlöst werden und auf die Museumsinsel zurückkehren. Schuster und Stiftungspräsident Lehmann nutzten die Aufbruchsstimmung und griffen noch höher. Sie fordern nun auch den Schlossplatz, für die außereuropäische Kunst und die Völkerkunde, die in Dahlem vor sich hin dämmern.Schuster und Lehmann schwebt ein räumlich und inhaltlich vernetztes Weltmuseum in der Berliner Stadtmitte vor, das in Reichtum und Universalität den Louvre oder das Metropolitan Museum hinter sich lassen dürfte. Die Politik ließ sich von dieser epochalen Vision mitreißen, doch sind "Masterplan II" (Erweiterungsbau für die Gemäldegalerie) und "Masterplan III" (Umzug der Dahlemer Museen) bislang nur Konzept, nicht aber Planung. Doch Schuster ist ungeduldig, sein Idol ist der Bismarck der Museen, Wilhelm von Bode, dessen gattungsübergreifende Präsentationen er nun mit Wucht wieder durchsetzen will, vor allem im Bodemuseum, in das wieder Gemälde und Skulpturen gemeinsam einziehen sollen. Hierfür aber bedarf es eines Erweiterungsbaus auf dem angrenzenden Kasernengelände, mit dem jedoch nach derzeitigem Diskussionsstand frühestens in zehn Jahren zu rechnen ist.Auch Jan Kelch, der Direktor der Gemäldegalerie, sieht im Stadtzentrum den künftigen Ort der Bilder. Jetzt aber muss er gerüchteweise von Schusters Absicht erfahren, die Gemälde und Skulpturen schon 2005 oder 2006 im dann sanierten Bodemuseum zusammenzuführen. Was dort nicht mehr hineinpasst, soll anscheinend provisorisch im Obergeschoss des Alten Museums gezeigt werden. Damit würde Tatsache, was bislang nur Raunen und Vermuten war: Die weltberühmte kunsthistorische Gemäldegalerie würde zerrissen zu Gunsten einer kulturhistorischen Obsession. Die Generaldirektion verweigert derzeit jede Stellungnahme.Sicher geht es Schuster auch darum, die Gemäldegalerie am Kulturforum für die Bestände der Nationalgalerie zu nutzen. Sie leidet unter akuter Platznot. Aber es entsteht auch der Eindruck, Dubes überwundene dogmatische Trennung der Gattungen und Standorte müsse nun einem neuen Dogma weichen. Dessen Götze ist Bodes Inszenierungslust. Die Kunst gilt nicht mehr für sich, sondern wird der frei schöpfenden Kombinatorik des Generaldirektors ausgesetzt.