Ein Hautarzt aus Berlin soll vier Prostituierte in den vergangenen zwei Jahren getötet und dann zerstückelt haben. Die Polizei nahm den 36jährigen Mediziner fest. In seiner Wohnung wurden offenbar Beweise für mindestens einen Mord gefunden.Auf die Spur kam die Polizei dem Hautarzt Stefan Sch. durch die Anzeige einer Prostituierten. Nach Angaben der 29jährigen, die schon zweimal mit dem Mediziner verkehrt hatte, war Stefan Sch. am 25. März auf dem Straßenstrich in der Kurfürstenstraße in Schöneberg erschienen. Er lud die Frau an der Ecke Frobenstraße in sein Auto ein und fuhr mit ihr zu einem Parkplatz am Nollendorfplatz. Mit Hammer geschlagen Nach dem Geschlechtsverkehr soll Stefan Sch. plötzlich einen Hammer hervorgeholt und auf die Prostituierte eingeschlagen haben. Mit einem Messer verletzte der Arzt die Frau dann am Hals und Kopf lebensgefährlich. Nach Angaben von Justizsprecher Rüdiger Reiff hat der Hautarzt damals von seinem verletzten Opfer offensichtlich wegen einer "inneren psychischen Blockade" abgelassen. "Er fuhr mit der Prostituierten in seine Wohnung. Hier drosselte und würgte er sein Opfer weiter", sagte Reiff. Die Frau habe großes Glück gehabt, mit dem Leben davongekommen zu sein.Die 29jährige stellte gegen den Arzt Strafanzeige. Am 29. März nahm die Polizei den seit drei Jahren am Universitätsklinikum Benjamin Franklin tätigen Mediziner wegen versuchten Totschlags fest. In seiner Wohnung fanden die Beamten umfangreiche Beweismittel. "Wir gehen davon aus, daß der Hautarzt in der Nacht vom 2. zum 3. März dieses Jahres eine junge Prostituierte ermordet hat", sagte Justizsprecher Reiff. Der Mann soll das Opfer ebenfalls an der Kurfürstenstraße angeheuert und sie in seiner Wohnung ermordet haben. Die Leiche konnte bislang nicht gefunden werden. Ende April ist Haftbefehl wegen Mordes erlassen worden. Stefan Sch. bestreitet nach Reiffs Angaben die Tatvorwürfe. Im Fall der 29jährigen gab der Arzt Notwehr als Tatmotiv an. Die Frau habe ihn mit einem Messer angegriffen. Die Staatsanwaltschaft glaubt Sch. aber nicht.Nun prüfen die Behörden, ob der Arzt auch für den Tod dreier weiterer Prostituierten verantwortlich ist. So waren Ende Juni 1994 Leichenteile der 23jährigen Dana Franzke im Oder-Havel-Kanal bei Borgsdorf entdeckt worden. Die Tote war mit einem Laser-Skalpell zerstückelt worden. Nur vier Monate später entdeckte ein Kraftfahrer in einer Mülltonne auf einem Rastplatz der Autobahn Hamburg-Lübeck den abgetrennten Kopf von Sabrina Graf. Später wurden der Torso und die inneren Organe der Toten gefunden. Die 19jährige Graf hatte ihr Geld ebenso wie Dana Franzke auf dem Straßenstrich an der Kurfürstenstraße verdient. Die dritte tote Prostituierte - gleichfalls aus Schöneberg - wurde im April in Kleinmachnow auf dem ehemaligen Grenzstreifen zu Zehlendorf gefunden. Der Mörder hatte sie erstochen und ihr dann die Kehle durchgeschnitten. "Wir prüfen, ob der Verhaftete für den Tod von Dana Franzke verantwortlich sein könnte", sagte der Neuruppiner Oberstaatsanwalt Gert Schnittjer, dessen Behörde im Fall Franzke ermittelt.Stefan Sch., der vor einigen Jahren von Bonn nach Berlin kam, gilt an der Uni-Klinik als Laser-Spezialist. Er arbeitete seit drei Jahren in der Poliklinik, wollte dort Facharzt für Hauterkrankungen werden. Kollegen erschüttert "Wir sind von den Vorwürfen tief erschüttert", sagte Professor Constantin Orfanos, Chef der Hautklinik der Uni-Klinik Benjamin Franklin. Günter Jonitz, Vizepräsident der Berliner Ärztekammer betonte, wenn die Vorwürfe stimmen, dann sei Sch. lediglich "Arzt im Sinne des Rechtes". Sch. habe in diesem Falle den hippokratischen Eid aufs Schlimmste verletzt. "Wenn sich alles bestätigt, frage ich mich, wie dieser Mann solche Gewalttaten vollbringen konnte, ohne daß Kollegen davon wußten oder zumindest ahnten", sagte er. +++

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