Mit seinem Triumph beim Abschlußturnier der Europa-Tour der Profigolfer gelang Alexander Cejka am Sonntag ein sensationeller Erfolg. Sein kahlrasierter Kopf spielte dabei eine ganz besondere Rolle.Abgewiesen zu werden, das soll Alexander Cejka nicht noch einmal passieren. Neulich, beim Oktoberfest in München, haben ihn die Ordner nicht ins Bierzelt gelassen. Angesichts seines kahlrasierten Kopfes glaubten sie, einen Skinhead vor sich zu haben.Der 24jährige Golfer unternahm erst gar nicht den Versuch, die Entstehungsgeschichte seiner Glatze zu erzählen und ging wortlos.Zuhörer, die an der Story größtes Interesse hatten, fand Alexander Cejka am Sonntag nachmittag. Er hatte soeben das Volvo-Masters gewonnen, das letzte Turnier der europäischen Profi-Turnierserie, nach den British-Open das bestdotierte und das bedeutendste in Europa. Mit zwei Schlägen Vorsprung vor dem Schotten Colin Montgomerie hatte der Berliner, der aus Marienbad stammt und für den Golfclub Kallin spielt, das Turnier auf dem gefürchteten Platz in Valderrama an der spanischen Costa del Sol beendet. Unvorsichtige Wette Nun erzählte Alexander Cejka also: Das Haupthaar habe er sich als Folge einer unvorsichtigen Wette mit seinem Trainer und Freund Peter Karz schneiden lassen müssen. Nachdem er Anfang März in Andalusien/Spanien sein erstes Turnier auf der europäischen Tour gewonnen hatte, vereinbarte Cejka für den Fall eines weiteren Sieges, den Kopf komplett zu rasieren. Mitte August war es dann soweit. In Österreich gewann er das zweite Turnier und verlor im Gegenzug seine Haare.Erst vor zwei Jahren schaffte Cejka die Qualifikation für die hochdotierte PGA Europan Tour. In diesem Jahr lautete sein Ziel: Ein Turnier gewinnen und möglichst unter die ersten 50 der Europarangliste zu kommen.Nun ist er Sechster, ist binnen eines Jahres fast zum Millionär geworden - rund 700 000 Mark hat er an Preisgeldern 1995 verdient, allein 300 000 Mark beim Volvo-Masters in Spanien - und hat drei Turniere gewonnen. In den USA dürfen die Kollegen und Sportreporter schon mal mit Sprechübungen beginnen, um seinen Namen richtig auszusprechen.Platz sechs in Europa bedeutet, als zweiter Deutscher nach dem großen St. Bernhard (Langer) an den US-Open teilnehmen zu dürfen, die PGA Championship zu spielen und die Britisch Open. Alexander Cejka ist damit außerdem automatisch für die nächsten fünf Jahre zur Europa-Tour qualifiziert.Wahrscheinlich werden sich auch die hohen Herren in Augusta/Georgia dazu herablassen, eine zweite Einladung zum US-Masters in Richtung Deutschland zu senden, obwohl sie noch immer daran zu knabbern haben, daß "Börnhard Läänga" in dem amerikanischen Golf-Heiligtum bereits zweimal das grüne Siegerjackett anziehen durfte.Nach Langer kommt lange nichts, hieß es bislang immer - aber nun kommt Cejka. Kein Produkt gezielter Nachwuchsförderung, keiner Talentschmiede entsprungen, sondern einer, der sich ganz allein nach oben durchgeschlagen hat.So wie es einst sein Vater getan hat, mit dem zehnjährigen Alex im Schlepptau. Über Jugoslawien, Italien und die Schweiz flüchtete er 1980 nach Offenbach.In Marienbad, wo Cejka geboren ist, hat ihn der Vater auch mitgenommen zum Golf, dort hat er seine ersten Schläge gelernt. Aber in Deutschland war der junge Alexander Cejka trotz seines Talents ein Außenseiter. Skeptische Blicke Während andere bereits hochdotierte Werbeverträge abschließen konnten, gab es für Cejka nur skeptische Blicke. Lange Haare lugten unter seiner Mütze hervor, unrasiert war er zuweilen, und Motorrad fuhr er auch noch. So einer kann doch nicht Golf spielen, glaubte man.Doch nun ist Cejka oben angekommen. Drei Turniere in einer Saison zu gewinnen, das hat Bernhard Langer dieses Jahr auch geschafft. Der ist aber Weltranglistenzweiter, und längst nicht jedes Jahr läuft es für den Anhausener so gut wie 1995. Schöne Siegerfotos Als Cejka gewonnen hatte und bei der Siegerehrung darauf wartete, bis alle Reden geredet und alle Sponsoren artig genannt waren, da hat er an die schönen Fotos gedacht. Die, die immer bei Siegerehrungen aufgenommen werden. Von Langer, dem Schotten Montgomerie und Sam Torrance oder Engländern wie Nick Faldo, die dann immer in Zeitungen und Hochglanzzeitschriften zu bewundern sind. Doch dieses Mal trat ein anderer vor die Linsen, Cejka selbst. Ein Augenblick, der "bei mir einen Blackout auslöste", sagte er später. Cejka erstarrte einen Moment, seine Gedanken spielten verrückt, und seine Hände suchten nervös nach einer Zigarette.Noch einmal abgewiesen zu werden, das will er in Zukunft nicht mehr riskieren. Darum wird er auch keine Wetten mehr abschließen, jedenfalls nicht solche, die seine Haare in Gefahr bringen. Schließlich könnte er ja wieder gewinnen. Auszuschließen ist das nun wirklich nicht mehr. +++