Im Norden Berlins geht es los. Fast ein Jahrzehnt nach den ersten Ankündigungen führt die Deutsche Bahn (DB) bei der S-Bahn eine neue Sicherungstechnik ein - und zwar als Erstes zwischen Schönholz und Frohnau auf der Linie S 1. Das teilte ein Bahnsprecher gestern mit. Die Vorbereitungen haben dafür begonnen, dass das neue Zugbeeinflussungssystem (ZBS) dort im vierten Quartal 2011 in Betrieb gehen kann.Noch immer ist bei der S-Bahn eine Sicherungstechnik im Einsatz, deren Prinzip seit den 1920er-Jahren unverändert geblieben ist. Sie verhindert mit Hilfe von mechanischen Fahrsperren, dass ein Zug an einem Signal, das Halt zeigt, ungewollt vorbeifährt. Aber nicht immer: So fuhr im Frühjahr 2008 eine S-Bahn in Lichtenrade an einem roten Signal vorbei in einen eingleisigen Abschnitt ein, auf dem ihr ein Zug aus Mahlow entgegenkam. Die Fahrsperre hatte nicht ausgelöst. Zu einem Unfall kam es nicht. Allerdings wurde daraufhin jede Fahrsperre überprüft - wobei sich zeigte, dass DB Netz vielerorts die Wartung vernachlässigt hatte. Die Senkung des zulässigen Höchsttempos von 100 auf 80 Kilometer pro Stunde, die vorher schon für einen Zugtyp angeordnet worden war, wurde auf die gesamte S-Bahn-Flotte ausgedehnt.Bei Auffahrunfällen, die sich in den S-Bahnhöfen Ostkreuz (2001) und Hackescher Markt (2002) ereigneten, war zu hohes Tempo mit im Spiel gewesen. Das heutige System kann Geschwindigkeitsüberschreitungen nicht erkennen - das neue dagegen schon. Es bremst Züge ab, wenn sie schneller als erlaubt fahren und bringt sie notfalls zum Halten, wenn sie sich auf ein rotes Signal zubewegen. Anzeigen und Ansagen im Führerstand machen das Personal auf Fehler aufmerksam."Innerhalb von zehn Jahren wird DB Netz das 332 Kilometer lange S-Bahn-Streckennetz mit der Technik ausstatten", hieß es. 20 Etappen sind geplant. Dafür wird die Bahn weitere elektronische Stellwerke bauen, wodurch Arbeitsplätze wegfallen. Die S-Bahn wiederum muss ihre Züge umrüsten - aber nur die des jüngsten Typs, der Baureihe 481.ZBS sei ein Riesenprojekt, das mehr als 130 Millionen Euro koste, so der Bahnsprecher gestern. Deshalb habe es auch so lange gedauert, bis es in die Vollen ging.