BERLIN. Ein Jahr vor der Abgeordnetenhauswahl in Berlin wachsen die Spannungen zwischen Sozialdemokraten und Grünen in der Hauptstadt. Nachdem beide Parteien in Umfragen erstmals gleichauf liegen, haben führende SPD-Landespolitiker gestern ausgeschlossen, als Juniorpartner mit den Grünen zu koalieren. "Erstens halte ich es für sehr unrealistisch, dass wir überhaupt in diese Lage kommen. Und wenn doch, gibt es dafür sicher keine Mehrheit auf einem Landesparteitag", sagte Landeschef Michael Müller.Der parlamentarische Geschäftsführer der SPD, Christian Gaebler, warf den Grünen vor, "Wohlfühlpolitik" zu betreiben. Die Grünen hätten momentan in den Umfragen einen Höhenflug, blieben inhaltlich aber vage. "Man weiß nicht, ob sie die autofreie Stadt wollen, wie einige Ortsverbände das fordern oder ob sie Personal aus dem öffentlichen Dienst entlassen oder zusätzlich einstellen wollen", sagte Gaebler. Er rechnete mit einer Entzauberung der Partei, wenn sie im Wahlkampf Farbe bekennen müsse. Weitere Landespolitiker warfen den Grünen "Doppelzüngigkeit" vor.In der aktuellen Forsa-Umfrage der Berliner Zeitung erreichen die Grünen im Juli 27 Prozent und liegen erstmals gleichauf mit der Hauptstadt-SPD. Wenn die frühere Bundesministerin Renate Künast bei der Wahl als Spitzenkandidatin der Grünen anträte, hätte sie laut Umfrage durchaus Chancen, den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit im Roten Rathaus abzulösen. Sie hat ihre Kandidatur noch nicht erklärt.Die SPD will von solchen Szenarien nichts wissen. Sie gibt sich überzeugt, bei der Wahl im Herbst 2011 stärkste Partei zu werden. "Unser Ziel muss 30 Prozent plus X sein", sagte Innenpolitiker Tom Schreiber. Lobend äußern sich mehrere Sozialdemokraten über Wowereit, der wieder mehr Interesse an seiner Stadt zeige.Die Sozialdemokraten setzen darauf, dass sie als einzige der vier großen Parteien in beiden Teilen der Stadt gleich stark sind. "Wir stehen eher als die Grünen dafür, die Breite der Gesellschaft abzudecken", sagte SPD-Politiker Gaebler. Die Grünen und die CDU sind im Westteil verankert, die Linken nach wie vor eine reine Ost-Partei.Im Wahlkampf wollen sich die Sozialdemokraten stärker von den Grünen abgrenzen, eigene Akzente in der Wirtschafts- und Bildungspolitik setzen. "Die Grünen sind unser politischer Gegner, es wird keinen Wahlkampf mit Wattebällchen geben", sagte der Landespolitiker Schreiber. Schon auf dem vergangenen Parteitag im Juni hatte Landeschef Müller angekündigt, dass der Welpenschutz für die relativ junge Ökopartei vorbei sei.Berlin Seite 16------------------------------"Wir wollen regieren." Ramona Pop, Fraktionschefin der Grünen