Kein Ende im Mordfall Kaindl. Der Staatsschutz der Berliner Polizei fahndet jetzt mit internationalem Haftbefehl nach sechs Tatverdächtigen (siehe Fotos). Sie sollen für den Tod des 47jährigen Gerhard Kaindl mitverantwortlich sein.Der Mord geschah vor zwei Jahren. Am 4. April 1992 hatten sich im China-Restaurant "Jin Shan" an der Ecke Kottbusser Damm/ Sanderstraße in Neukölln sieben Rechtsextremisten zum Abendessen getroffen. Unter ihnen der Schriftführer der rechtsextremen Partei "Deutsche Liga für Volk und Heimat", Gerhard Kaindl, das Landesvorstandsmitglied der Partei, Thorsten Thaler sowie der ehemalige Landesvorsitzende der Republikaner, Carsten Pagel. Pagel schloß damals nach der Tat einen Anschlag auf Kaindl aus. Er war 1992 der Meinung, daß der Überfall seiner Person galt.Nach Augenzeugenberichten waren gegen 0.25 Uhr etwa acht vermummte Personen in das Lokal gestürmt und hatten die Rechtsextremisten angegriffen. Dabei starb der 47jährige Kaindl an mehreren Messerstichen in den Rücken. Der 28jährige Thorsten Thaler wurde bei dem Anschlag schwer verletzt.Den Ermittlungen zufolge soll es vor dem Anschlag zu einem lauten Wortwechsel zwischen einem Gast und den Rechten gekommen sein. Die Polizei hatte mit einem Phantombild nach diesem Mann gesucht. Er meldete sich wenig später mit einem Anwalt beim Staatsschutz. Nach einer dreistündigen Vernehmung wurde er wieder freigelassen. Eine Tatbeteiligung konnte ihm nicht nachgewiesen werden.Einen Tag nach dem Überfall bildete die Polizei eine Sonderkommission mit 20 Mitarbeitern. Sofort wurde für Hinweise, die zur Aufklärung des Anschlags dienen, eine Belohnung von 10 000 Mark ausgesetzt. Die Ermittlungen verliefen jedoch nur schleppend. Mitarbeiter der Soko gehen zwei Jahre nach dem Anschlag davon aus, daß zehn Tatverdächtige an dem Überfall "mehr oder weniger beteiligt" waren. Gegen sie wurde Haftbefehl erlassen. Vier davon wurden bereits festgenommen. Der Staatsschutz bittet jetzt um Mithilfe bei der Fahndung nach den anderen sechs Tatverdächtigen. Dabei handelt es sich um Carlo Blietz (Spitzname Toni) Seyho Karaarslan (Spitzname Sefkan), Cengiz Ulutürk, Orhan Ulusal, Hans-Georg Theunert und Rebecca Forner-Balamir. Hinweise nimmt jede Polizeidienststelle entgegen.Den drei bereits im November und Dezember des vergangenen Jahres inhaftierten Türken und einer Kurdin wurde jetzt die Anklageschrift zugestellt. Das bestätigte gestern Justizsprecherin Uta Fölster. Die Beschuldigten sollen, so Insider, aus türkischen "Antifa"-Kreisen stammen und als politisch aktive Personen seit längerem öffentlich aufgetreten sein. Am Pfingstwochenende hatten Tausende Demonstranten gegen die Kriminalisierung des antifaschistischen Widerstandes protestiert. Die Teilnehmer des Matsches setzten sich für die Freilassung der vier inhaftierten ausländischen Linken ein. loGesucht werden Orhan Ulusal, Hans-Georg Theunert, Rebecca Forner Balamir, Cario Blietz, Seyho Kaararslan und Cengiz Ulutürk (von links oben nach rechts unten). Foto: Polizei