BERLIN, 16. März. Die Negativ-Meldungen im Berliner Handball nehmen kein Ende. Im Februar zogen sich die Männer des Zweitligisten Blau-Weiß Spandau nach dem finanziellen Kollaps des Vereins unfreiwillig vom Spielbetrieb zurück. Am Dienstag dieser Woche gab Michaela Seiffert von TuS/Tasmania Neukölln, erfolgreichste Torewerferin der zweiten Frauen-Bundesliga, ihren Wechsel zum Erstligisten Dortmund bekannt. Und nunmehr steht fest: Auch Chao Zhai, 115-malige chinesische Nationalspielerin vom Berliner VB 49, seit zwei Jahren die Kultfigur des Berliner Handballs schlechthin, wird zum Saisonende gehen. Die 28-Jährige unterschrieb beim dänischen Randers HK, derzeit Tabellenvierter, einen Drei-Jahres-Vertrag. Die Enttäuschung bei BVB ist groß. Zumal der Verein noch immer hofft, sich über die Relegation für die erste Bundesliga qualifizieren zu können. Trainer Rüdiger Bones macht sich nichts vor: "Wen auch immer wir vielleicht für die neue Saison holen können, Chao Zhai ist nicht zu ersetzen."Olympia- und WM-erfahren Dass die Olympia- und WM-erfahrene Chinesin Anfang 1998 von BVB verpflichtet werden konnte, war der Partnerschaft zwischen den Hauptstädten zu verdanken - und speziell der Initiative des Berliner Handballchefs Henning Opitz. Die Vereinbarung betraf den Zeitraum bis Sommer 2000. Verlängerung nicht ausgeschlossen. "Die Dinge haben sich leider nicht so entwickelt, wie wir gehofft haben", sagt Opitz nun und will damit keineswegs die chinesischen Partner kritisieren. Die Enttäuschung bezieht sich mehr auf die unbefriedigende sportliche Bilanz des Lichtenberger Teams, in dessen Umfeld manche schon vom Europapokal redeten, um dann im Sommer 1999 durch den Abstieg aus allen Träumen gerissen zu werden. Und selbst in der zweiten Liga konnte BVB nur wenig überzeugen. Berlins Handballchef blickt den Realitäten ins Auge: "So sehr es auch schmerzt, dass sie geht, man muss Verständnis dafür haben." Trainer Bones, dessen Zukunftsplanungen auf Chao Zhai aufbauten, sieht es nicht anders: "Sportlich ist der Wechsel für die Chinesin eine ernorme Herausforderung. In Dänemark hat der Frauen-Handball einen ganz anderen Stellenwert als in Deutschland. Und ich bin sicher, dass Chao, so wie wir sie kennen, im Land des Olympiasiegers ein Medienstar wird." Künftig eine WeltauswahlMit Chao Zhai wächst Randers HK von einer Europa-Auswahl zu einer Weltauswahl. Beim jütländischen Verein spielen bereits die deutschen Nationalspielerinnen Christine Lindemann und Stefanie Melbeck, Ceceline Thorsteinsen aus dem Land des Weltmeisters Norwegen, die ungarische Internationale Aniko Kantor und schließlich Nicole Heuwekemeijer, die mehr als 100 Länderspiele für die Niederlande bestritt. Randers hat die Play-offs um die nationale Meisterschaft erreicht und ist ebenso noch im Europapokal vertreten. Die 28-jährige Chinesin hat lange gezögert, BVB zu verlassen. Zahlreiche deutsche Erstliga-Klubs hatten um die Gunst der Rückraumakteurin gebuhlt, die der einstige Bundestrainer Ekke Hoffmann "bei der richtigen Nationalität sofort mit Kusshand" genommen hätte: so Meister HC Leipzig, der derzeitige Tabellenzweite Dortmund und der Buxtehuder SV. Sie hat die Angebote ausgeschlagen: "Ein Wechsel innerhalb Deutschlands kam für mich nicht in Frage." Für die verbleibenden Saison-Spiele bis Ende Mai hat Chao Zhai nur ein Ziel: "Ich will helfen, dass BVB vielleicht doch noch den Sprung in die erste Liga schafft."