Berlins einzige Ölmühle in Altglienicke fertigt auch auf Bestellung: Gesundes Fett

Am Anfang war der Überfluss. Zwei Zentner Walnüsse, mehr als in zwei große Jutesäcke passen, reifen jedes Jahr hinterm Haus von Sonja und Matthias Schimpfky in Altglienicke. Und jedes Jahr stellten sie sich die Frage: Wohin mit den vielen Nüssen, nachdem Verwandte, Freunde und Nachbarn beschenkt waren? "Da kam uns die Idee mit dem Öl", sagt Sonja Schimpfky. Öl aus dem Überfluss zu pressen war für die 57-jährige Ingenieurin und ihren Mann, der beruflich Lüftungs- und Klimaanlagen wartet, eine Geschäftsidee. Sie kauften sich eine Ölmühle, dicke Fachbücher und wurden zu Experten. Zum Beispiel für die lebensnotwendigen Omega-3-Fettsäuren. Die kommen auch in Walnüssen vor, beugen Herzinfarkten und Entzündungen vor und senken den Blutdruck.Kühlung auf unter 37 GradSeit September vergangenen Jahres steht Schimpfkys Ölmühle im Erdgeschoss ihres Einfamilienhauses. Das Zimmer, in dem früher ihr Sohn lebte, ist jetzt Werkstatt und Büro. Die Mühle auf dem Tisch neben dem Abwaschbecken sieht aus wie ein großer Fleischwolf mit Motor. Oben, in den Trichter, kommen die Nüsse rein, dann wird angeschaltet, es brummt ein bisschen und unten, aus einem Röhrchen, tropft das Öl heraus. Doch ganz so einfach ist es nicht, sagt Matthias Schimpfky: "Die Nüsse müssen mehrere Monate getrocknet und dann geknackt und enthäutet werden." Und beim Auspressen des Öls muss das dicke Rohr, in dem eine Stahlschnecke die Nusshälften zusammenquetscht, permanent mit Wasser auf unter 37 Grad Celsius gekühlt werden. "Nur so bleiben die gesunden Inhaltsstoffe erhalten."Etwa eine halbe Stunde dauert es, bis ein Kilogramm Walnüsse ausgepresst ist. Das Ergebnis sind 300 bis 400 Milliliter Walnussöl, das knapp ein dreiviertel Jahr haltbar ist. Man kann auch seine eigenen Nüsse vorbeibringen. "Lohnpressung" nennt das Matthias Schimpfky: "Wir garantieren dabei, dass jeder das Öl aus seinen eigenen Nüssen bekommt." Schimpfkys Ölmühle ist die einzige in Berlin. Die Zehlendorfer Ölmühle, die während der vergangenen zehn Jahre der Platzhirsch in der Stadt war, eröffnet zu Ostern am Bodensee neu. Mehr als 50 Speiseöle werden dann von dort an die Kundschaft versandt. Und in Brandenburg ist die Ölmühle in Werder die bekannteste, gut 15 Sorten Öl kommen von dort.Auch in Altglienicke belässt man es längst nicht beim Walnussöl. Aprikosen- und Kürbiskerne, Kokosraspeln sowie Mohn- und Leinsamen werden säckeweise beim Großhandel geordert und dann gemahlen. Die Öle kommen in 100-und 250-Milliliterflaschen und werden verkauft. Auf Märkten und demnächst auch im Bioladen in Grünau. Gepresst wird auch auf Bestellung, falls eine Sorte nicht vorrätig ist. Für acht Euro sind beispielsweise 100 Milliliter Walnussöl zu haben. Und Sonja Schimpfky probiert Rezepte aus. "Kokosfett mit Walnussöl, Milch und Eiern verrührt, ergibt eine tolle Margarine", sagt sie. Sie schwört auch auf Aprikosenkernöl in heißer Schokolade oder Mohnöl im Tomatensaft: "Bekanntes erhält einen neuen, frischen Geschmack, und gesund ist es auch."------------------------------Infos über Ölmühlen und ihre Erzeugnisse gibt es unter: www.schimpfky.de, www.zehlendorfer.com oder www.oelmuehle-werder.de------------------------------Foto: Matthias Schimpfky füllt den Trichter der Mühle mit Walnüssen, die vorher geknackt und enthäutet wurden.