HELLERSDORF Prominentester CDU-Kandidat in Hellersdorf ist seit Sonnabend Finanzsenator Elmar Pieroth. In der PDS-Hochburg kämpft er um ein Abgeordnetenhausmandat.Pieroths Aufstellung war eine rare Demonstration der Einmütigkeit auf einem ansonsten hektischen CDU-Kreisparteitag. Nahezu einstimmig nominierten die Delegierten am Sonnabend den Finanzsenator für den Hellersdorfer Wahlkreis 3 und den dritten Platz auf der Bezirksliste zum Abgeordnetenhaus. Pieroth bedankte sich erfreut und sprach von "einem guten Ergebnis für uns alle".Die parteiinterne Nominierung war der leichteste Teil der Wahl-Übung: Pieroth, der bei der Abgeordnetenhauswahl 1990 im CDU-geführten Wilmersdorf (über 45 Prozent der Zweitstimmen) angetreten war, kandidiert jetzt in einer PDS-Hochburg. Wahlkreis und Listenplatz sind alles andere als Freifahrtscheine ins Parlament. Bei der Bundestagswahl 1994 erreichte die CDU im Wahlkreis 3 lediglich 17,6 Prozent der Zweitstimmen, die SPD ein gutes Drittel, die PDS fast 40 Prozent."Ich wollte dort hingehen, wo es weh tut", begründete Pieroth sein Engagement in der CDU-Diaspora und machte deutlich, daß ihm die realen Machtverhältnisse vor Ort bewußt sind: "Mir geht es vor allem darum, Stimmen für die CDU zu sammeln." Sein Ziel sei es darüberhinaus, zur Überwindung der "Sprachlosigkeit zwischen Ost und West" beizutragen: "Wir Westler haben noch viel zu lernen, vor allem müssen wir besser zuhören." Schwerpunkte seiner Kampagne würden die Anliegen der Hellersdorfer Siedler, zusätzliche Ausbildungsmöglichkeiten und die Abschaffung des Ladenschlusses sein. Mit sogenannten Wohnzimmergesprächen, so Pieroth, wolle er seinen Wahlkampf mit unkonventionellen Ideen würzen.Daß seine parlamentarische Karriere in Bundestag (1969--1981) und Abgeordnetenhaus (seit 1981) bald beendet sein könnte, macht Pieroth nicht bange: "26 Jahre sind doch eine schöne, lange Zeit." Er habe dem Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU) zudem bereits mitgeteilt, daß er sich auch eine Mitarbeit in beratender Funktion vorstellen könne. In Amt und Würden könnte der 60jährige Finanzexperte auch bei einem Scheitern in Hellersdorf bleiben. Senatoren benötigen keinen Sitz im Abgeordnetenhaus. +++