Gehwegschäden? Was heißt Gehwegschäden auf Englisch? Und was hat das mit Berlin zu tun? Könnte sein, dass Klaus Wowereit das am Donnerstag gefragt wird. Wowereit wird in New York sein und dort in einer Galerie ein paar Aluminiumkoffer öffnen. In einem wird ein Schild liegen, das vor Löchern in der Fahrbahn warnt und genau so an etlichen Berliner Straßen hängt.Die Designer der Turnschuh-Marke Zeha haben das Schild in den Koffer gepackt. Außerdem einen Bademantel aus dem Adlon, ein BSR-T-Shirt ("Saturday Night Feger"), eine Kassette mit 80er-Jahre-Pop von Ideal, einen in Berlin aufgepusteten Luftballon - und natürlich ein Paar Turnschuhe. Der Koffer ist der Zeha-Beitrag zu der Ausstellung "Koffer aus Berlin", die der Regierende Bürgermeister am Donnerstag in New York eröffnet und die nicht nur Kunst sein soll. Sondern vor allem eine weitere verkaufsfördernde Maßnahme für Design aus Berlin. Das wird nämlich seit ein paar Tagen im MoMA Design Store in New York verkauft, einer Dependance des berühmten Museum of Modern Art im Stadtteil Soho."Destination Berlin" heißt die Verkaufsausstellung in dem MoMA-Laden - es ist die größte, die es dort bisher gab. Etwa 30 Marken aus Berlin bieten 80 verschiedene Produkte an. Und zwar auf Wunsch der New Yorker. Vor etwa einem Jahr haben sich die Leute aus dem MoMA-Laden in Berlin gemeldet. Sie wollten Berliner Design verkaufen. Aber was genau? Auf der Suche nach Artikeln, die den größten Verkaufserfolg versprachen, kamen sie mit Create Berlin in Kontakt, einem Netzwerk von Kreativen, das sich erst kurz zuvor gegründet hatte. Die MoMA-Anfrage sei eine Initialzündung gewesen, sagt Robert Eysoldt. Er hat mit Diana Kaufmann für Create Berlin aus dieser Anfrage einen ganzen Tag für Berliner Designer in New York organisiert. "Wenn so eine Anfrage kommt, müssen wir doch mehr machen als eine Produktschau", sagt Robert Eysoldt. Berlin sei hip im Augenblick. In der Stadt selbst könne das vielleicht mancher nicht mehr hören. Anderswo, in New York etwa, könne es gar nicht oft genug wiederholt werden. Damit aus dem guten Ruf endlich gute Geschäfte werden. "Berlin ist ein Begriff, Berliner Design ist ein Begriff. Aber die Berliner Designer sind es noch nicht", sagt Diana Kaufmann. Die Marken und Namen haben sich noch nicht rumgesprochen. Es sei übrigens genau der richtige Moment für eine konzertierte Aktion: "Die Verkäufe der Labels ziehen seit einem Jahr an. In der Branche werden Mitarbeiter und neue Räume gesucht", sagt Diana Kaufmann.Die Koffer-Ausstellung von Create Berlin soll einerseits die Kreativität der Stadt über Mode- und Produktdesign hinaus zeigen. Anderseits hat Create Berlin gezielt nach großen Namen gesucht - weil die Publikum anziehen. Nach New York sollen die Koffer schon im September in London gezeigt werden. Auch dort an einem Berlin-Design-Tag.Der DJ Paul van Dyk ist ein großer Name, in New York und anderswo. Er hat einen Plattenspieler in seinen "Koffer aus Berlin" gepackt. Die Architekten von Graft haben in den USA immerhin schon für Brad Pitt gearbeitet. In ihrem Koffer zeigen sie - PR-Profis in eigener Sache - ihr Wolken-Modell für die Kunsthalle auf dem Schlossplatz. Es gab keine Vorgaben für die Gestaltung des Koffers.Der Produktdesigner Werner Aisslinger, der als einziger Deutscher mit einem Design-Stuhl im MoMA vertreten ist, hat ein Kunstobjekt entworfen. Öffnet man seinen Koffer, springt ein golden glänzender Sack heraus, der sich mit Berliner Luft füllt und dann wieder in sich zusammenfällt. Auch das wird Klaus Wowereit sicher zu erklären wissen, wenn er am Donnerstag die Ausstellung eröffnet.------------------------------Am Donnerstag ist "Berlin Day"Suitcases from Berlin: So heißt die Koffer-Ausstellung auf Englisch. Sie wird in der M Project Gallery in Soho gezeigt. Wowereit wird die Schau am Donnerstag um 15 Uhr eröffnen.Zehn Koffer gepackt haben die Macher der Turnschuh-Marke Zeha, das Architekten-Trio Graft, die Modedesignerinnen von Kaviar Gauche, Michael Michalsky, vormals Chefdesigner von Adidas, die Brillendesigner von Mykita, der Illustrator Olaf Hajek, der Gestalten-Verlag, Produktdesigner Werner Aisslinger, DJ Paul van Dyk und die Bandmitglieder von Mia.Destination Berlin: Unter diesem Titel werden schon seit 10. Mai im MoMA Design Store Soho etwa 80 Artikel von fast 30 Berliner Designern oder Marken verkauft. Am Donnerstag um 18 Uhr wird diese Verkaufsausstellung offiziell eröffnet.Im MoMA verkaufen unter anderem die Modedesigner von Bless und Eastberlin. Auch die von Behinderten gefertigten Artikel der Imaginären Manufaktur sind im Angebot, außerdem Geschenkpapier mit West-Berliner Architektur von Sandra Siewert oder Schmuck von Ina Seifart. Alle Artikel haben die Leute vom MoMA-Laden selbst ausgewählt.Ein Businessdinner und eine Party beschließen den Berlin-Tag in New York. Gefeiert wird in der M Projects Gallery. Die Band Mia soll dort ein kleines Mitternachtskonzert geben. Die DJs auf der Berlin-Party kommen übrigens aus New York.Mit einem Maskottchen soll Berliner Design in Zukunft in der Welt bekannter werden. Es heißt Kosmo, ist pink-braun-weiß und setzt sich immer wieder neu aus einem "I love Berlin"-Schriftzug zusammen. In New York wird es die ersten Kosmo-T-Shirts geben.Weiter geht's im Netz: Da nicht jeder am Donnerstag nach New York fliegen kann, sollen sich die Kreativen aus beiden Städten auch im Internet begegnen. Auf der I-love-Berlin-Webseite gibt es zwei Stadtpläne mit kleinen Fähnchen, die anzeigen, an welchen Orten sich im System angemeldete Designer gerade aufhalten.Nützliche Links:www.iloveberlin.tvwww.momastore.orgwww.create-berlin.de------------------------------Foto: Das Label Zeha ist für seine Turnschuhe im Retro-Stil bekannt. Die Designer haben ihren Koffer mit Berlin-Nostalgie-Artikeln gepackt. Sieht aus wie ein WG-Zimmer in Friedrichshain.------------------------------Foto: Köpfe hinter den Koffern: Diana Kaufmann und Robert Eysoldt von Create Berlin.------------------------------Foto: Kaviar Gauche steht für hochwertige Mode. Die Designerinnen haben ein Spiegelkabinett vorgeschickt - und wollen eine Tasche dazu schneidern.------------------------------Foto: Paul van Dyk ist ein echter Weltstar. Der DJ legt in dieser Woche in Israel auf und kann deshalb nicht nach New York. In seinem Koffer stecken dafür seine Platten und T-Shirts.