HELSINKI, 8. August. Es war zwar schon die zweite Einladung zum Mittagessen, die Masato Mizuno wahrnahm am Montag, doch der Termin beim Deutschen Botschafter war ertragreich für ihn. Gegessen hat er nicht viel, auch vom Weißwein nur genippt. Doch Mizuno San, Boss des gleichnamigen Sportartikelkonzerns, liebt es, mit seiner kleinen weißen Digitalkamera viele Bilder zu schießen. Vor einigen Wochen, als er dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) in Singapur die neue Einkleidung für die Winterspiele 2006 in Turin vorstellte, hat er das ebenfalls getan.Mizuno San schätzt es überdies, den Abgelichteten Briefe mit den Schnappschüssen zu schicken. Diesmal dürfen Olympiasiegerin Heike Drechsler, IAAF-Vizepräsident Arne Ljungqvist, Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit und dessen Sportsenator Klaus Böger mit Post aus Japan rechnen.Warum diese Einleitung? Weil man so vielleicht besser versteht, wie Sportpolitik funktioniert. Denn Masato Mizuno ist kein kleiner Fisch in diesem Geschäft. Als am IOC-Sitz in Lausanne das Olympische Museum gebaut wurde, überwies er eine Million Dollar. Und in zwei Jahren findet die Leichtathletik-WM in Mizunos Heimatstadt Osaka statt.Der Empfang, zu dem Wowereit als künftiger WM-Gastgeber in die Dependance des deutschen Botschafters gebeten hatte, erfüllte seinen Zweck, weil Leute wie Mizuno San entspannte Stunden verbrachten. Derlei Details könnten wichtig werden, denn Berlin hat ja nicht nur die Leichtathletik-WM 2009, Berlin wird sich auch wieder um Olympische Spiele bewerben. Die Frage ist nur, wann. "Wenn uns das NOK fragt", sagte Wowereit. Er weiß, dass keine deutsche Stadt bessere Voraussetzungen hat. Mittlerweile kann man sogar sagen: Keine Stadt leistet auf sportpolitischer Ebene so viel vorbereitende Lobbyarbeit.Ob Berlin dereinst wirklich auf Mizuno San bauen kann, ist ein anderes Problem. Denn auch Tokio will sich wieder um Olympische Spiele bewerben - und wird irgendwann sicher gegen Berlin antreten. Mizunos Präferenzen dürften klar sein. Für neues Bildmaterial allerdings wäre dann auch gesorgt.