Der "Johann Könich" ist ihm nicht in die Wiege gelegt worden, aber es klingt gut, wenn man sagen kann: "Viele Leute nennen mich Johann, und für euch bin ich einfach nur der Herr Köhnich." Auf der kargen Bühne steht ein bis zu den Kaumuskeln durchtrainierter junger Mann, dessen Hemd und Kordhose den Farbkombinationstrend Braun-Pink berücksichtigen. Steif und ohne Mimik agiert er; die eine Hand hält das Mikrofon, die andere nestelt an der Hosentasche. "Jetzt bin ich also hier. Ihr seid auch hier. Das ist doch schon mal was. Wer hätte das vor 20 Jahren gedacht, dass wir heute den Abend in einem Raum verbringen müssen. Sollte während der Show das Licht ausfallen, dann legt euch einfach alle auf den Boden und folgt den großen fluoreszierenden Ratten, die ich extra aus Köln mitgebracht habe."In dieser Weise hangelt sich Köhnich von der Zugfahrt nach Berlin zum Verlauf seiner Geburt und Jugend (mit einem Ausflug in den Bereich des Ameisentötens), um über dem Auffinden von Jesustagebüchern (die er natürlich dem "Stern" anbieten will) letztlich beim Besuch im Supermarkt anzulangen. Das alles trägt der Entertainer mit fistelnder Stimme vor, die, begleitet von einer monotonen Sprachmelodie, den Punkt am Satzende ins Immense anschwellen lässt. Zwischendurch holt er ein buntes Büchlein hervor, aus dem er selbst gemachte Gedichte rezitiert: "Es saßen zwei Hasen auf einem Rasen./ Da wollte die Häsin dem Hasen einen blähen/ und dann kam der Gärtner, um Rasen zu mähen." Außerdem werden Evergreens wie "Ein bisschen Frieden" und "Sind so kleine Hände" mit Hilfe des schüchternen Gitarristen Dr. Paul zu Gehör gebracht; er sorgt dafür, dass der bescheidene Rahmen von Köhnichs stimmlichen Fähigkeiten nicht verlassen wird.Für die optische Untermalung hat sich Köhnich eine Mischung aus Musikantenstadl und Modern Dance ausgedacht: Unten wird gleichmäßig von einem Bein aufs andere gewechselt, während der Oberkörper in doppelter Geschwindigkeit ein monotones Schlackern vollführt. Natürlich bleibt auch die Fäkal-Ebene nicht unberührt - Klopapier und was man damit macht, sowie Hummeln, die im Hintern überwintern, geben dem Publikum Stoff zum Schenkelklopfen. Nun hat ja Helge Schneider zur Genüge bewiesen, dass man für gute Gags nicht immer geistige Höhenflüge vollführen muss. Doch die Gags von Schneider-Verehrer Köhnich sind platt gestrickt, überraschende Wendungen sucht man vergebens. Mit seiner tristen Vortragsart verdoppelt er entweder die Banalität des Beschriebenen oder er persifliert eindimensional, indem er einfach das Gegenteil des Bekannten formuliert, etwa wenn aus dem Lied "Über den Wolken" ein "Unter der Erde" entsteht. Was übrig bleibt, sind ein paar nette Wortspielereien, die jedoch in Einfallslosigkeit verpuffen. Ein typischer Comedian, wie ihn die so genannte Spaßgesellschaft zurzeit massenhaft benötigt, doch Comedy-Geschichte schreiben wird er nicht. Weitere Vorstellungen am 4., 5., 11. und 12. Januar jeweils um 23.30 Uhr in der Bar jeder Vernunft (Schaperstr. 24).MARCUS MÜLLER In diesem Büchlein stehen Johann Köhnichs selbst verfasste Gedichte.