BERLIN, 29. Oktober. Rechtsgerichtete Medien sind für den Zentralrat der Juden in Deutschland künftig keine Gesprächspartner mehr. Nach mehrstündiger Diskussion hat dies das Direktorium, das zweithöchste Gremium des Zentralrates, am Sonntag festgelegt und damit deutliche Kritik an der Vizepräsidentin Charlotte Knobloch geübt. Diese hatte der rechten Zeitung "Junge Freiheit" Anfang Oktober ein ganzseitiges Interview gegeben. Für zusätzlichen Diskussionsstoff sorgte in der vergangenen Woche die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Bremen, Elvira Noah, die ebenfalls der "Jungen Freiheit" ein Interview gegeben hatte. Bereits vor der Sitzung erklärte der Vizepräsident des Zentralrates, Michel Friedman, es für problematisch, sich in der jetzigen Zeit "einer Zeitung, die vom Verfassungsschutz beobachtet wird, als Gesprächspartner anzudienen". Intern soll er sich noch deutlich schärfer geäußert und das Interview verurteilt haben. Ähnlich äußerte sich auch Zentralratspräsident Paul Spiegel. Man müsse "es sich sehr genau überlegen, welchem Organ man sich zur Verfügung stelle, denn man werde allzu leicht missbraucht", sagte Spiegel der "Allgemeinen Jüdischen Wochenzeitung". Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Andreas Nachama, hatte im Zusammenhang mit Knoblochs Interview von einem nicht zu überbietenden Skandal gesprochen. Der Leiter des Moses-Mendelssohn-Zentrums, Julius Schoeps, warf Knobloch vor, sich dem Ideologieorgan der Rechten zur Verfügung zu stellen. Das Titelthema des Blattes stand unter der Überschrift "Die Republik kippt - im Zuge der Kampagne gegen rechts driftet Deutschland immer weiter nach links". (mm.)