In Gegenden, in denen viele Hauswände mit Graffiti besprüht sind, steigt offenbar die Bereitschaft, schwerere Regelverstöße wie beispielsweise Diebstähle zu begehen. Das berichten niederländische Sozialwissenschaftler um Kees Keizer von der Universiteit Groningen in der Online-Ausgabe des Fachmagazins Science.Die Forscher nahmen in den Straßen von Groningen mehrere Experimente vor. Unter anderem befestigten sie in einer Gegend ohne Graffiti auffällige Werbeprospekte an den dort geparkten Rädern. Ein Drittel der Fahrradbesitzer warf bei der Rückkehr die Flyer auf die Straße. Hatten die Forscher zuvor in der Umgebung Graffiti versprüht, stieg die Zahl der Müllsünder auf das Doppelte.In weiteren Versuchen klemmten die Forscher in einen Briefkastenschlitz einen adressierten und frankierten Umschlag, der deutlich sichtbar einen Fünf-Euro-Schein enthielt. War der Briefkasten sauber, stahlen 13 Prozent der Passanten das Geld. War er von Müll umgeben oder mit Graffiti besprüht, nahmen 25 beziehungsweise 27 Prozent der Vorbeigehenden den Umschlag einfach an sich.In allen Tests sei die Bereitschaft, zu stehlen oder Müll auf die Straße zu werfen, beim Anblick von Graffiti mindestens doppelt so hoch gewesen wie gewöhnlich, berichten die Forscher. Ihre Studie liefere somit erstmals Beweise für die Theorie der zerbrochenen Fensterscheiben. Dieser Annahme zufolge erhöhen eingeschlagene Fenster in einer Gegend die Kriminalitätsrate. Auf der Theorie beruht die Politik vieler Städte zur Vorbeugung gegen Kriminalität. (frb.)Science, DOI: 10.1126/science.1161405