Strahlend blauer Himmel. Sanfte Brise vom Meer. James Buster Douglas sitzt träge in einem Korbsessel auf der Terrasse des Marriot Hotel von Marco Island und starrt gedankenverloren über den Golf von Mexiko. Er ist ein großer schwerer Mann mit traurigen Augen. "Ich hätte eine Menge schöner Tage haben können. Ich hatte alles: Geld, Autos, Häuser, eine Frau, drei wunderbare Söhne. Doch für mich war alles grau, ich habe es nicht zu schätzen gewußt." Und dann: "Mein Gott, eigentlich müßte ich tot sein." Vor etwas mehr als zwei Jahren lag James Buster Douglas fünf Tage im Koma.Es war eine Folge jener Geschichte, die am 12. Februar 1990 in Tokio begann. Damals besiegte der Underdog aus Columbus, Ohio, den bis dahin als unbezwingbar angesehenen Weltmeister aller Klassen, Mike Tyson, durch K. o. in der zehnten Runde. Sports Illustrated schrieb: "Die größte Sensation der Boxgeschichte." Am 25. Oktober 1990 ging Douglas in Las Vegas gegen Evander Holyfield in der dritten Runde auf die Bretter. Er stand nicht mehr auf. Sports Illustrated diesmal: "Die uninspirierendste Schlägerei, die jemals aufgeführt wurde."Damit hat James Buster Douglas gleich mehrfach Geschichte geschrieben. Als inspirierender Held, der Tyson besiegte. Als fauler Absahner, weil er gegen Holyfield mit 24,5 Millionen Dollar die bis dahin höchste Börse aller Zeiten kassierte. Und weil er durch seinen Sieg in Tokio den schon für 1990 vorgesehenen Megafight des Jahrzehnts verhinderte. Der findet nun, begleitet von großem Getöse, mit ziemlicher Verspätung in der Nacht zum Sonntag in Las Vegas statt: Tyson vs. Holyfield. Finally. Ein Kampf, mit dem 250 Millionen Dollar umgesetzt werden.Von Douglas ist heute keine Rede mehr. "Ich schlug den Drachen", sagt er und schmunzelt, "aber dann habe ich es nicht zu Ende gebracht."James Buster Douglas war nie ein harter Brocken. Eigentlich wäre er lieber Basketballer geworden. Er war begabt, machte einige respektable Kämpfe und boxte irgendwann erfolglos um den Titel gegen Tony Tucker. Urteil der Experten: Netter Kerl ohne Kämpferherz. Aber Douglas hat das Boxen nie geliebt. "Mein Antrieb war vielleicht der Erfolg, einmal Weltmeister zu werden. Und als ich es war, war nichts mehr übrig."Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Kurz vor dem Kampf in Tokio war seine Mutter Lula Pearl gestorben. Für Douglas war sie die Säule seines Lebens. "Ich konnte nicht einmal mehr um sie trauern. Danach ist mir alles aus den Händen geglitten." Falsche Freunde, fordernde Fans, Fernsehshows. "Das war kein normales Leben mehr, das war grotesk. Ich habe mich einfach zurückgezogen. Das war mein Weg, dem Irrsinn zu entfliehen." Vor dem Holyfield-Kampf ließ er sich vom Roomservice Pizza in die Sauna bringen. Eine Stunde vor dem ersten Gong war er in der Kabine eingeschlafen.Der Rest war ein Alptraum. Knockout gegen Holyfield. Knockout im Leben. "Wie ich da untergegangen bin, das habe ich nie verwunden. Das war der Anfang vom Ende." Das Ende sah fürchterlich aus. Freßsucht, Trunksucht. "Wie ein Verrückter", sagt Douglas. Sein Trainer John Russell erinnert sich: "Als ich ihn nach zwei Jahren Pause wiedersah, habe ich ihn nicht mehr erkannt. Es war zum Heulen." Er wog fast 200 Kilo. Und dann kam der Zusammenbruch. Diabetis. Als er ins Krankenhaus eingeliefert wurde, sagt Russell, "war er praktisch tot."James Buster Douglas ist 36 Jahre alt, lebt in seiner Villa auf Marco Island und wiegt immer noch 125 Kilo. Aber im Juni hat er schon wieder geboxt. Gegen Tony La Rosa. Fallobst. 5 000 Zuschauer waren in Atlantic City dabei, über 100 000 vor dem Fernseher. Russell wittert noch einmal einen großen Zahltag. "Ich habe zu Tyson gesagt, du kannst noch hundert Mal gewinnen, du wirst immer diese Niederlage auf deinem Konto haben und deshalb mußt du nochmal gegen Buster boxen."Für Douglas zählt im Moment bloß das Comeback von einem verpfuschten Leben. "Daß ich überhaupt noch einmal zurückgekommen bin, das ist die große Leistung, die ist größer als der Sieg über Tyson." +++