FRANKFURT, 8. Juni. Die Deutsche Bank will mit 170 Millionen Euro (332,5 Millionen Mark) die Errichtung einer Golderzaufbereitungsanlage in der Nähe der nordgriechischen Gemeinde Olympiada finanzieren. Geplant wird diese Anlage auf der Halbinsel Chalkidiki, die insgesamt 250 Millionen Euro Kapital benötigt, von dem kanadischen Bergwerkskonzern TVX, die unter Einsatz giftigen Zyanids aus dem Abraum stillgelegter Minen Gold gewinnen will. Dies ist dasselbe Verfahren, das das Aurul-Werk im rumänischen Baia Mare verwendete: Dort war im Februar dieses Jahres die schwerste Umweltkatastrophe seit Tschernobyl ausgelöst worden, dabei waren die Flüsse Szamos und Theiß schwer verseucht worden.Noch kein AbschlussNoch ist dieser Kredit nicht abgeschlossen, ein Sprecher der Deutschen Bank versicherte zwar, dass dessen Gewährung von der Bewilligung des Projekts durch die griechischen Behörden abhänge. Doch zeigte er sich davon überzeugt, dass bei dem Projekt alle Umweltstandards berücksichtigt würden. Die Anlage sei in einem Gebiet geplant, in dem seit langem Gold abgebaut werde. Der Dachverband der Kritischen Aktionäre will am Freitag auf der Hauptversammlung der Bank nach dem genauen Stand der Planung fragen.Dass die Umweltstandards eingehalten werden, daran haben vor allem die Anwohner des betroffenen Gebiets Zweifel: Denn um etwa eine Tonne Gold aus den Abraumhalden einer alten Goldmine zu gewinnen, ist der Einsatz von 50 Tonnen Natriumzyanid notwendig, das von der Degussa-Hüls produziert wird. Der Abraum muss - wie im rumänischen Baia Mare - verflüssigt werden. Der so entstandene Schlamm soll in ein 80 Hektar großes Rückhaltebecken fließen, das nur durch einen Erdwall und den Berg selbst begrenzt wird. Die Region ist jedoch stark erdbebengefährdet, sagte Eleni Panidou, eine Bewohnerin Olympiadas. Das Meer sei zudem nur drei Kilometer vom Rückhaltebecken entfernt.Außerdem sollen neue Stollen in den Berg getrieben und Erz entnommen werden. Aufgefüllt werden sollen die Stollen mit Kalk aus den Bergspitzen. Dieses Gestein aber ist stark arsenhaltig. Zyanid könne aber das Arsen in dem zermahlenen Gestein aktivieren. Freigesetzte Arsensalze aber könnten ins Grundwasser sickern, befürchtet Eleni Panidou. Die EU-Kommission ist im Übrigen nicht bereit, dieses Projekt mitzufinanzieren - wegen der Risiken für die Umwelt.Warum die Deutsche Bank sich zur Finanzierung eines solchen Projekts bereit erklärt ist umso verwunderlicher, weil die Bank 1992 eine Erklärung des UN-Umweltprogrammes UNEP unterzeichnet hatte, in dem sich das Kreditinstitut zu vorausschauendem Umweltmanagement verpflichtete.Bei den Investoren zumindest hat TVX bereits an Ansehen verloren: Die Aktie notiert in New York nur noch zu einem Kurs von 0,5 Dollar - nachdem das Papier bei seiner Einführung 1995 mit neun Dollar bewertet worden war.