Erst das "Notausgang" in Schöneberg, dann das "Olympia" am Zoo und nun das "Scala" in der Friedrichstraße: Innerhalb von vier Monaten hat das dritte kleine Kino geschlossen. Zur Abschiedsvorstellung mit dem Gangsterfilm "Pulp Fiction" kam Mitte März noch einmal das Stammpublikum ins Scala. Seitdem räumten die Mitarbeiter den Kinosaal über einem irischen Pub aus. Plüschstühle, Tonanlage und Projektoren kamen in die anderen 15 Kinos der Yorck-Gruppe, die das Scala bisher betrieben hat. Am heutigen Freitag ist der Übergabetermin mit dem Hauseigentümer, der Fundus-Gruppe.Entscheidend für das Aus "war der mangelnde wirtschaftliche Erfolg", sagt Knut Steenwerth von der Yorck-Gruppe. Das Scala habe sich als "gehobenes Programmkino" verstanden. Doch Häuser mit nur einem Saal rentierten sich nicht mehr: Die Verträge mit Verleihern seien so gestaltet, dass die Kinos Filme wochenlang zeigen müssten, egal ob sie beim Publikum ankämen. Größere Häuser könnten Flops wenigstens in kleinere Säle verschieben. Außerdem habe die starke Konkurrenz in Mitte, etwa durch die Kinos in den Hackeschen Höfen, dem Scala zugesetzt."Mit Kinos wie dem Scala stirbt ein Teil der Kinokultur Berlins", sagt Steenwerth wehmütig. Schon in den 20er-Jahren gab es im ersten Stock der Friedrichstraße 112 ein Kino, erst das "Aladin", später das "Camera". Ab den 60er-Jahren nutzte das Staatliche Filmarchiv der DDR die Räume als Büros. 1990 übernahm die Yorck-Gruppe, die unter anderem das "Odeon" in der Hauptstraße, die Rollberg-Kinos in Neukölln und das "International" in der Karl-Marx-Allee betreibt, das Scala. Rund 400 000 Mark investierte sie in die Räume. Gespart wurde weder am roten Stoff an den Wänden noch am Kronleuchter im Foyer. Fünf Angestellte arbeiteten hier. Vier wechseln nun in ein anderes Kino der Yorck-Gruppe, "einer hört sowieso auf", erzählt Steenwerth.Wer nach dem Scala in die Friedrichstraße 112 einzieht, ist "vollkommen offen", sagt Otmar Braun, Generalbevollmächtigter der Fundus-Gruppe. Sein Unternehmen plant das Neubaugebiet "Johannisviertel" auf dem Areal zwischen Friedrich-, Oranienburger- und Tucholskystraße. Zurzeit stünden die Gespräche über das alternative Kulturhaus Tacheles im Vordergrund. Erst wenn "dafür das Konzept steht", so Braun, werde über die Nutzung der Scala-Räume entschieden.SCALA Programmkino // Als "Programmkino mit gehobenem Anspruch", verstanden die Betreiber das Scala. Gezeigt wurden Filme, die möglichst nicht in den Multiplex-Kinos liefen.Geschichte: Schon in den 20er-Jahren gab es in der Friedrichstraße 112 ein Kino. In den 60er-Jahren zog das Staatliche Filmarchiv ein. 1990 übernahm die Yorck-Gruppe das Kino und investierte rund 400 000 Mark.