SPD und Grüne im Abgeordnetenhaus planen, die Havelchaussee zeitweise zu sperren. Damit wollen sie das Grundwasser und den Grunewald schützen. Die ansässigen Gastwirte fürchten hingegen, dass dann weniger Gäste kommen."Auf der Havelchaussee ist zurzeit der Teufel los", sagt Michael Cramer, der verkehrspolitische Sprecher der Grünen. Viele Autofahrer benutzten die Straße als Schleichweg. Sie würden schnell fahren oder parkten im Wald. Das belaste einerseits das Wasser und störe andererseits Spaziergänger und Radfahrer. "Nach der Wahl im Oktober werden wir eine Sperrung für den Durchfahrtsverkehr am Wochenende anstreben", sagt Cramer. Einen Senatsbeschluss vorausgesetzt, könne 2002 ein Erholungsgebiet für Skater, Wanderer und Radfahrer an der Havel entstehen.Burkhart Froede, Wirt der Gaststätte "Waldhaus" an der Havelchaussee, sagt dagegen: "Auch Menschen über 50 Jahren suchen hier Erholung. Unsere Gäste kommen größtenteils mit dem Auto." Nach der Sperrung sei sein Lokal nur noch von Norden her mit dem Auto erreichbar, über die Heerstraße. Er erwartet, dass bis zu 90 Prozent seiner Einnahmen wegfallen. "Ich habe diese Erfahrung bereits 1989 gemacht", sagt Froede. Damals sperrte die rot-grüne Landesregierung die Straße für ein Jahr.Unterstützung finden die Gastwirte bei den zuständigen Bezirksämtern Zehlendorf und Wilmersdorf-Charlottenburg. Nach Ansicht von Ralf Körner (CDU), Stadtrat für Verkehr und Naturschutz in Zehlendorf, reicht es für den Wasserschutz aus, "wenn die Polizei das bestehende Parkverbot auch durchsetzt". Eine Sperrung, um Erholungsraum für Skater und Fußgänger zu schaffen, lehnt er als einseitig ab. "Umweltschäden nicht erwiesen"Der Verkehrsstadtrat des Bezirks Wilmersdorf-Charlottenburg, Klaus-Dieter Gröhler (CDU), ist generell gegen eine Teilsperrung, "so lange wir nicht den Nachweis haben, dass Gefahr für Wasser und Wald besteht". Bisher liege dem Umweltamt dieser Nachweis nicht vor. Der Bezirk sei deshalb bereit, sich gegen eine Anweisung des Senats zu stellen.Für die SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus gilt jedoch als erwiesen, dass eine Sperrung dem Wasserschutz nützt. "Die Autos parken im Wasserschutzgebiet", sagt der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Christian Gaebler. Zudem sei schon der Erholungswert der Gegend die Sperrung wert. Er wolle jedoch auch nicht, dass "den Gewerbetreibenden etwas Existenzbedrohendes passiert" und will sie in die Entscheidung einbeziehen.