Der Boxer Dariusz Michalczewski hat am Rande des Duells mit dem Jamaikaner Richard Hall eindrücklich Zeugnis von seinem Seelenleben gegeben. "Ihr müsst euch alle freuen, dass ihr mich habt" sagte Michalczewski, und nur ein Narr kann glauben, dass er dies mit finsterem Ernst meinte. Er sagt solche Dinge trotzig, denn er fühlt sich als ein großartiger Athlet, als der Einzige, dem es gelingen kann, den Fabelboxer Roy Jones jun. zu schlagen. Und als solcher beklagt er mangelnden Respekt vor seinen Leistungen, die tatsächlich eindrucksvoll wie die weniger anderer Faustkämpfer sind: Ungeschlagen in 45 Duellen bei 38 vorzeitigen Erfolgen, darunter hochklassige Kontrahenten wie jener Richard Hall, der Michalczewski im Grenzbereich forderte. Ist er, Michalczewski, nicht erfolgreicher, als Henry Maske es jemals war? Hat er nicht die besseren Gegner bezwungen? Er hat es getan, und umso schwieriger fällt es ihm, nun begreifen zu müssen, dass sportliche Qualität allein kein Kriterium für Anerkennung ist.Am Sonnabend wurde diese Erfahrung nochmals gesteigert: Michalczewski, der Weltmeister, wurde ausgepfiffen von seinem Publikum, dem nicht entgangen war, dass der Champion - in arge Not geraten -, mittels Hilfe Dritter zum Sieger erklärt wurde. Es feierte den Unterlegenen, der seinerseits ein bravouröses Duell geliefert hatte.Die Empfindung beider Athleten ist im Grunde nicht unterschiedlich; beide Boxer fühlen sich betrogen: Richard Hall um die Siegchance; Dariusz Michalczewski, nach Punkten knapp führend, um den Beifall, der ihm als Champion nach gewonnenem Kampf gebührt.Dariusz Michalczewski vermochte nicht zu reflektieren, was in der Nacht zum Sonntag vor sich ging. Er habe seine beste Leistung abgerufen. Doch er vergaß: Taumelt der Favorit einmal, sind die Ereignisse mancher furiosen Runde schneller vergessen, als ein Unparteiischer bis zehn zählen kann.