Am Sonntagabend, kurz vor Mitternacht, hätte niemand ernsthaft gefragt werden und das Ergebnis der Umfrage schon gar nicht manipuliert werden müssen, wer denn die Besten und Prominentesten im Lande seien. Neuer, Boateng, Hummels. Die Reihenfolge wäre den meisten der Befragten wohl so egal wie deren Rückennummern gewesen. Das ZDF aber hatte zuvor in einer Unterhaltungssendung gefragt und dabei kräftig gemogelt. Jetzt haben Sie den Skandal. Ulrich Becker kommentiert ihn in der Südwestpresse so: „Das ZDF, Inbegriff des Gutmenschentums in der deutschen Fernsehlandschaft, Hüter des anständigen Journalismus zwischen vermeintlich zwielichtiger Privatkonkurrenz, steht nun in einer Linie mit den Schummelbrüdern des ADAC. Und übertrifft die Schiebereien des Automobilclubs noch einmal.“

Den Kakao zahlt der Zuschauer

Dabei will es Richard Herzinger in der Welt nicht belassen. „Die Angelegenheit ist leider ernster, als dies auf den ersten Blick scheinen mag. Dass man schon immer bezweifeln konnte, ob es bei Publikums-Votings, mit denen man allerorten gerne Hochachtung vor Volkes Stimme vorzugaukeln pflegt, immer mit rechten Dingen zugeht, ist eine Sache. Das wahre Ausmaß diesbezüglicher Betrugspraxis lässt sich freilich nur erahnen, wenn gerade ZDF-Redakteure mit ihren Zuschauern derart unverhohlen verächtlich umspringen. Werden öffentlich-rechtliche Sender doch per Zwangsabgabe vom Publikum finanziert – und diese wird nicht zuletzt mit der Begründung erhoben, sie sei für die Erhaltung journalistischer Qualitätsstandards notwendig.

Der jüngste Fall sendet indes eine ganz andere Botschaft aus: Den Kakao, durch den das gebührenfinanzierte ZDF den Zuschauer zieht, zahlt dieser selbst. Das ZDF hat, über den relativ nichtigen Anlass einer manipulierten Unterhaltungsshow hinaus, nicht nur seinem eigenem, sondern dem Ansehen der journalistischen Branche insgesamt einen schweren Schlag versetzt.“

Für Michael Hanfeld von der FAZ ist es eine Affäre von höchster medienpolitischer Brisanz. „Das mutet an wie Satire, wie eine Reminiszenz an Helmut Dietls Film ‚Late Show‘ (1999), in dem es Harald Schmidt und Thomas Gottschalk in ihren nicht weit hergeholten Rollen aufgegeben war, dem Publikum zu zeigen: das ist alles Schmu, ihr solltet dem Fernsehen nichts glauben. Dabei ging es um einen privaten Sender, nicht um eine öffentlich-rechtliche Anstalt wie das ZDF, die von allen zwangsweise bezahlt wird, einen Auftrag zur ‚Grundversorgung‘ hat und deren Existenz von Verfassungsrichtern zuletzt wieder als höchste Form des Qualitätsjournalismus und kultureller Bildung gepriesen wurde – als monumentale Stütze der Demokratie.

Die Realität sieht leider anders aus. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk kennt kein System funktionierender checks and balances. Viele Rundfunkräte, welche die Sender kontrollieren sollen, treten auf wie kleine Außenminister der Sender. In denen wiederum weiß die Linke nicht, was die Rechte tut, geht das Gebührengeld für die Altersversorgung drauf und nicht fürs Programm – es sei denn, es ist gerade Fußball-WM.“