Spannend - dieses eine Wort sagt Hamish Morrisson immer wieder. Die Heidestraße nördlich des Hauptbahnhofs findet er spannend wegen der großen Brachflächen und den wenigen Häusern. In einem der Häuser auf dem Gewerbehof Nummer 46-52 hat Morrison seit eineinhalb Jahren wie neun weitere Galeristen seine Ausstellungsräume. Spannend sei auch der Weg zu seiner Galerie, weil man an einer Autowerkstatt vorbeikommt. Anfangs haben die Besucher nur gefragt: "Warum seid ihr in die Wüste gezogen?" Inzwischen hat dieser ungewöhnliche Standort mit den großen Nachbarn Hamburger Bahnhof und Flick Collection längst einen Namen in der Berliner Kulturszene."Diese Mischung zwischen Galerien verschiedenster Kunstrichtungen und ungewöhnlichen und labyrinthartigen Räumen findet man nirgends sonst. Ich fühle mich wohl hier", sagt Morrison, der vor sieben Jahren aus Neuseeland nach Berlin kam. Morrisson mag die Unvollkommenheit des Areals und er hofft, dass bei einer Entwicklung in den nächsten Jahren die Kultur erhalten bleibt. Nach der Eröffnung der Galerien würde bald die Phase beginnen, in der Cafés und Restaurants kommen, dann würden Hotels, Büros und Appartements gebaut. Vielleicht kann die Kultur noch zehn Jahre bleiben, sagt Morrisson.Dass Kultur und die eher unwirtliche und verkehrsreiche Heidestraße kein Widerspruch sein müssen, betonen die Haupteigentümer des 40 Hektar großen Geländes zwischen Invalidenstraße und Perleberger Straße - das Immobilienunternehmen Vivico, die Deutsche Bahn und das Land Berlin - immer wieder. Die Vivico spricht bereits von einem Kulturcampus, der rings um den Hamburger Bahnhof aufgebaut werden soll. "Der Kulturcampus ist ein entscheidender Impulsgeber für die Entwicklung des Quartiers", sagt Vivico-Sprecher Markus Diekow.Obwohl ein Baubeginn für neue Büro- und Geschäftshäuser, Wohnungen und Büros erst in ein paar Jahren zu erwarten ist, investiert die Vivico schon jetzt in den Kulturstandort: Bis Ende des Monats soll hinter dem Hamburger Bahnhof eine neue Ausstellungshalle mit insgesamt 2 500 Quadratmeter Fläche fertiggestellt werden. "Dort werden sechs Galeristen einziehen", sagt Diekow. Im Mai soll Eröffnung sein. Rings um die Halle werden weitere Flächen für Open-Air-Ausstellungen geschaffen. "Wir werden die Kultur weiter stärken, sie passt sehr gut in das Quartier", sagt Diekow.------------------------------Wohnen am WasserDas Gebiet Heidestraße ist rund 40 Hektar groß. Dort sollen 2 000 bis 3 000 Wohnungen gebaut werden. Außerdem sind Büro- und Geschäftshäuser sowie Hotels geplant. Ein städtebaulicher Wettbewerb wurde im April entschieden, bis Sommer soll ein Masterplan festgelegt werden.Die Wohnhäuser sollen am Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal stehen. Dort ist eine 20 Meter breite Uferpromenade geplant. Außerdem ist ein 40 Meter breites Wasserbecken vorgesehen, das tief in das Wohngebiet hineinragt.------------------------------Foto: Berlin ist zum Leben die beste Stadt, sagt Hamish Morrisson. Der Neuseeländer betreibt eine Galerie an der Heidestraße.Foto: Noch eine Vision: Wasserbecken am Kanal.