EICHHORST. Ein traditionsreiches und auch geschichtsträchtiges Ausflugslokal hat gestern wieder seine Pforten geöffnet. Das "Café Wildau" in Eichhorst am Werbellinsee (Barnim) entstand samt einem kleinen Hotel in nur einjähriger Bauzeit. "Das Café, das originalgetreu wiedererrichtet wurde, war bei Ausflüglern unheimlich beliebt", sagte gestern Uwe Schoknecht, der Bürgermeister der Gemeinde Schorfheide, zu der Eichhorst gehört. Bei der Eröffnung war auch der letzte DDR-Ministerpräsident Lothar de Maizière anwesend. Denn das Haus hat eine bewegte und deutsch-deutsche Geschichte.Das Gebäude wurde um das Jahr 1830 als Villa des Zementfabrikanten Bernolli errichtet. Nach der Schließung der Zementfabrik übernahm das Hofmarschallamt das Haus. Anfang der 1920er-Jahre wurde es zum Ausflugslokal. Nach dem Zweiten Weltkrieg betrieb es die HO (Handelsorganistion). "Im Café Wildau ist man zu DDR-Zeiten immer gerne schwofen gegangen", sagte Bürgermeister Schoknecht. Doch die HO habe das Haus heruntergewirtschaftet. 1974 wurde es geschlossen, dann verfiel es.Eine Woche bevor Bundeskanzler Helmut Schmidt 1981 die DDR besuchen und im nahe gelegenen Jagdschloss Hubertusstock von Staats- und Parteichef Erich Honecker empfangen werden sollte, wurde das Café "Hals über Kopf abgerissen", wie Schoknecht sagte. "Ein Teil der Trümmer wurde abtransportiert, die Reste wurden aber einfach in den Werbellinsee geschoben." Übrig blieb nur der Keller, in dem sich mit den Jahren die Fledermäuse ansiedelten.Nach der Wende begann die Suche nach einem Investor. "Wir sind sogar in die Türkei gefahren", sagte Schoknecht. Das war 2003. Der dort lebende Interessent für das Grundstück am Ufer habe alle Bäume weghauen und auf dem See eine Großraumdisko bauen wollen. "Das ging natürlich gar nicht", sagte Schoknecht. Schließlich wurde das Haus doch verkauft - an eine Potsdamer Familie."Wir sind durch reinen Zufall darauf gestoßen, dass das wunderschöne Grundstück zum Verkauf stand", sagte Caren von Hertzberg, die neue Chefin vom "Café Wildau, Hotel und Restaurant am Werbellinsee" - wie es nun offiziell heißt. Die Auflage, das Gebäude im historischen Stil wieder aufzubauen, habe sie nicht abgeschreckt. 2,4 Millionen Euro wurden investiert und das Haus auf dem alten Keller errichtet. Zunächst aber musste für die Fledermäuse ein Ausweichkeller gebaut werden.Im Haupthaus befinden sich nun das Restaurant und fünf Hotelzimmer. Im Gästehaus gibt es sieben Maisonette-Appartements. Zu der Anlage gehören zudem noch eine Sauna und eine Liegewiese. Und demnächst soll man vom Dampfer aus auch wieder den Schriftzug "Café Wildau" lesen können.Weitere Informationen unter: www.cafe-wildau.de------------------------------Foto: Das einst in den Werbellinsee geschobene Café wurde möglichst originalgetreu wieder aufgebaut.

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