Obwohl die Idee, 100 Jahre nach der Wiedererweckung der Olympischen nun auch die Delphischen Spiele neu zu gründen, von einem Deutschen stammt, weigern sich bisher die offiziellen Stellen in Deutschland, die Delphische Bewegung zur Kenntnis zu nehmen. Der Gründer und Generalsekretär des IDC (International Delphic Council), J. C. B. Kirsch aus Berlin, hat sich wiederholt an die Kulturminister bzw. Senatoren der Länder, an die Bundesministerien des Innern und des Äußeren, an Vertreter aller Parteien sowie an die Parlamentspräsidentin, an den Bundespräsidenten und Bundeskanzler gewandt und bisher, wenn überhaupt, die Antwort erhalten, daß wegen Geldmangel kein Handlungsbedarf bestünde. Sport - ja. Die Olympischen Spiele - na klar. Aber die Delphischen - wat itten det überhaupt?Anfang Mai fanden in Tbilissi unter der Schirmherrschaft des georgischen Präsidenten Eduard Schewardnadse, des Generalsekretärs des Europarates, Daniel Tarschys, und des Generaldirektors der UNESCO, Fredrico Mayor, der II. Delphische Weltkongreß und die Erste Jugend-Delphiade statt. Veranstalter und Organisatoren waren das georgische Kulturministerium und der Delphische Rat Georgiens. Aus 18 Ländern, u. a. aus den USA, aus Rußland, China, Nigeria, Benin, Beloruß, Armenien, Aserbaidschan, Österreich, Spanien, Ungarn und von den Philippinen waren Vertreter Delphischer Räte angereist. Vladimir Ashkenazy und Lord Yehudi Menuhin hatten Grußbotschaften geschickt.Die Delphischen Spiele wurden in der Antike alle vier Jahre, parallel zu den Olympischen, durchgeführt und waren das Forum der Künste. Beide Spiele ergänzten einander. Stadion, Theater, Tempel entsprachen Körper, Seele und Geist. Im Jahre 394 verbot der byzantinische Kaiser Theodosius sowohl die Delphischen, als auch die Olympischen Spiele als heidnische Kulte. 1 600 Jahre vergingen, bis 1894 Pierre de Coubertin die Olympischen Spiele wiederbelebte. Zur Vorbereitung der Delphischen Spiele der Neuzeit, als Forum für den Dialog der Völker, gibt es seit 1994 den Internationalen Delphischen Rat, zu deren Präsidentin Madame Ebun Akinola-Oyagbola aus Nigeria gewählt wurde. Ihm untergliedert sind die nationalen Delphischen Räte. Nach einem dreitägigen Eröffnungsfest 1998 in Delphi sollen 1999 die Delphischen Spiele der Neuzeit beginnen und dann alle vier Jahre stattfinden. Parallel dazu werden, um zwei Jahre versetzt, die Jugenddelphiaden durchgeführt. Finanziert werden sollen die Spiele durch private und öffentliche Spenden, durch Erträge aus Übertragungsrechten, Merchandise-Verträgen und durch Stiftungen.Das geistige Zusammenspiel der Weltkulturen verlangt die Überwindung nationaler, sozialer und politscher Vorurteile. Also eine gute Sache, der sich Deutschland nicht verweigern sollte. Zumal die Georgier bewiesen haben, daß man mit wenig Geld in nur fünf Monaten einen Internationalen Kongreß und eine Jugend-Delphiade organisieren kann, an der immerhin 800 Menschen aus 18 Ländern teilnahmen. Eduard Schewardnadse richtete an alle Präsidenten der Welt den Aufruf, die Delphische Bewegung zu stärken, um damit die Verbindung der Weltkulturen und ein friedliches Miteinander der Weltkulturen zu befördern.Und die Grußbotschaft Menuhins lautet: "Ich kann mir kein wertvolleres Modell als das der Griechen vorstellen. Sie plazierten neben der Verfeinerung des Körpers auch Verstand und Geist auf den unteilbaren Altar des Lebens. Diese Dreiteiligkeit muß erweitert und kultiviert werden. Ich applaudiere zu diesem neuen Impuls und seinen Zielen. Mein Respekt an den Präsidenten von Georgien, Eduard Schewardnadse." +++

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