Die Vorwürfe sind erheblich: Nach dem Brand in einem Wohnhaus in der Moabiter Ufnaustraße haben Anwohner Feuerwehr und Polizei heftig kritisiert. Mehr als eine Stunde lang hätten Menschen auf den Balkonen gestanden und auf Rettung gewartet, hieß es. "Obwohl viele Leute in großer Panik waren, haben uns Feuerwehrleute und Polizisten ignoriert", sagte etwa der Grieche Dimitrios Karamoschus, der im zweiten Stock des Brandhauses wohnt. "Die Leute haben geschrien und gestikuliert, doch die Polizisten unten haben sich nur umgedreht." Vom vierten Stock aus warfen Mieter Blumentöpfe auf die Straße, um auf sich aufmerksam zu machen.Der Brand war am Montag um 23.07 Uhr ausgebrochen. Acht Menschen wurden getötet, fünfzehn schwer verletzt. Laut Feuerwehr waren die Rettungskräfte in sechs Minuten an der Einsatzstelle und die Flammen nach 20 Minuten gelöscht. Landesbranddirektor Albrecht Broemme machte gestern fehlende Deutschkenntnisse der überwiegend ausländischen Bewohner für die hohen Opferzahlen verantwortlich. Sowohl Feuerwehr als auch Polizei hätten die Bewohner mit Megafonen davor gewarnt, ins verrauchte Treppenhaus zu gehen, sagte er. Der Eigentümer des Brandhauses, Ernst Brenning, widersprach Broemmes Angaben über fehlende Deutschkenntnisse der Hausbewohner: "Alle beherrschten genügend Deutsch, um kurze, präzise Anweisungen der Feuerwehr zu verstehen", sagte er. "Zumindest die Kinder in den Familien sprachen perfekt Deutsch, oft auch der Mann", ergänzte Brennings Frau. Dimitrios Karamoschus, der gut deutsch spricht, und auch andere Mieter sagten, dass sie keine Warnungen gehört hätten. "Niemand hat per Megafon Anweisungen gegeben", sagte die 20-jährige Kosovo-Albanerin Manu S. aus dem dritten Stock.Aus Sicht von Broemme war Eile der Grund dafür, dass die Menschen auf den Balkonen nicht mit Drehleitern und Sprungtüchern gerettet wurden. "Eine Rettung mit der Leiter dauert in jedem Fall länger als das, was die Einsatzkräfte gemacht haben: den Brand schnell löschen und die Leute mit Fluchthauben übers Treppenhaus retten." Kritiker des Einsatzes bezeichnete Broemme als "Bordsteinkommandanten, die den Einsatz am liebsten selber geleitet hätten." Die unmittelbar Betroffenen seien mit der Arbeit der Feuerwehr jedenfalls zufrieden gewesen.Bei dem Brand wurden 15 Bewohner schwer verletzt, zwei schweben in Lebensgefahr. Als "sehr kritisch" wurde der Zustand einer Frau bezeichnet, die mit starken Brandverletzungen ins Unfallkrankenhaus Berlin eingeliefert wurde. In der Charité werden drei Patienten behandelt, darunter eine Frau, die sich beim Sprung aus einem Fenster im vierten Stock Kopf- und Beckenverletzungen zuzog. Weitere Verletzte kamen in das DRK-Krankenhaus Westend.Das Vorderhaus in der Ufnau-straße ist von der Bauaufsicht gesperrt worden. Die Mieter lehnten Hilfe des Bezirksamtes bei der Suche nach Ausweichquartieren ab. Alle kamen bei Freunden und Bekannten unter.Unterdessen haben die Grünen im Abgeordnetenhaus eine Rauchmelderpflicht für Häuser in Berlin gefordert. "Brandopfer sind in der Regel Rauchopfer", hieß es zur Begründung. In den USA, wo in 93 Prozent der Häuser Rauchmelder hingen, sei das Risiko tödlicher Verletzungen halb so hoch.Die Polizei hat eine Hotline unter der Nummer 46 64-91 24 00 eingerichtet, bei der sich Betroffene nach dem Verbleib von Verwandten im Zusammenhang mit dem Brand erkundigen können.------------------------------Mitten im BeusselkiezKarte: Im Beusselkiez , in dem die Ufnaustraße liegt, sind 36 Prozent der Bewohner nichtdeutscher Herkunft. In dieser Gegend im Bezirk Mitte leben viele Araber.Nach dem Brand forderte die CDU mehr Druck auf Ausländer zum Lernen der deutschen Sprache. "Das Unglück ist der deutliche Hinweis darauf, dass den Tendenzen zur Gettoisierung im Großen wie im Kleinen entgegengewirkt werden muss", sagte der CDU-Bundestagskandidat und Vorsitzende der CDU-Moabit, Volker Liepelt.------------------------------Foto: Tränen und Trauer: drei geschockte Frauen nach dem Brand in Moabit.