OBERSCHÖNEWEIDE. Für den Sportstadtrat von Treptow-Köpenick, Joachim Stahr (CDU), steht fest: "Wird die Alte Försterei nicht bald saniert, droht die baupolizeiliche Sperre." Doch der Bezirk, der das Fußballstadion in der Wuhlheide verwaltet, hat kein Geld. Rund 15 Millionen Euro wären nötig, um das Stadion für die 3. Fußball-Bundesliga fit zu machen. Tribünen und Sanitäranlagen müssen modernisiert, eine Rasenheizung eingebaut werden. Für die Sanierung der Stehtraversen hatte der Bezirk fünf Millionen Euro beim Senat beantragt. "Doch das Geld ist uns gestrichen worden", sagt Stadtrat Stahr.Um die Alte Försterei zu retten, will der Bezirk das Stadion und zwei Trainingsplätze an den 1. FC Union verkaufen. Der Verein soll das Gelände "für einen symbolischen Preis" übernehmen und für die Modernisierung sorgen. Stahr: "Der Verein hat einen seriösen Investor, der keine öffentlichen Mittel oder eine Bürgschaft von uns braucht."Der Vorstand des 1. FC Union hat schon konkrete Pläne für die Modernisierung. Der Entwurf für die neue Alte Försterei sieht ein klassisches Fußballstadion auf der Fläche des jetzigen vor. Es soll 25 000 bis 30 000 überdachte Sitz- und Stehplätze haben, zurzeit haben 18 000 Fans hier Platz. Das neue Hauptgebäude, in dem auch 25 Business-Logen für Sponsoren geplant sind, erinnert stark an die gelb geklinkerten Industriehallen im nahen Oberschöneweide. "Das ist bewusst so geplant", sagt Vereins-Präsident Dirk Zingler. "Der Verein wurde dort vor 40 Jahren gegründet." Die Modernisierung soll 15 Monate dauern und 30 Millionen Euro kosten. Das Geld, so Zingler, will "ein sehr großes Bauunternehmen" bereitstellen. Der Verein würde die Kosten dann als eine Art Miete abzahlen. Zingler ist überzeugt, dass Berlin dieses Stadion in der Wuhlheide braucht. Schließlich wird dort seit 1920 Fußball gespielt, und Tradition ist den "Eisernen" sehr wichtig.Zurzeit werden Planung und Finanzkonzept des Vereins von den Behörden geprüft. In der Sportverwaltung heißt es, man stehe einem Verkauf aufgeschlossen gegenüber - wenn das Ganze wirtschaftlich tragfähig ist. Die Finanzverwaltung hat noch Gesprächsbedarf. "Auch Sicherheiten für den Fall eines Scheiterns müssen vertraglich vereinbart werden", sagt Sprecher Matthias Kolbeck.Präsident Zingler sieht das Land in der Pflicht: "Entweder Berlin modernisiert sein Stadion selbst oder es schafft die Voraussetzungen dafür, dass etwas geschieht." Union jedenfalls brauche vernünftige Bedingungen, um sich auch wirtschaftlich entwickeln zu können.Schon vor drei Jahren wollte der damalige Präsident des 1. FC Union die Alte Försterei für einen Euro übernehmen. Damals lehnte Berlin ab. Stadtrat Stahr: "Diesmal sieht es nach einem wirklich seriösen Investor aus." Wie wichtig die Sanierung ist, davon kann sich auch der Regierende Bürgermeister und bekennende Hertha-Fan Klaus Wowereit bald vor Ort überzeugen: Er hat sich zum ersten Regionalliga-Heimspiel von Union am 12. August in der Alten Försterei angesagt.------------------------------Platz für 18 100 FansDie Alte Försterei, zu der neben dem Stadion auch eine Kegelbahn, eine Ballspielhalle und mehrere Trainingsplätze gehören, wird von mehr als zehn Vereinen und von Schulen genutzt. Hauptmieter ist der 1. FC Union Berlin.Das Stadion entstand 1920. In den 70er-Jahren häuften Union-Fans um den Rasen Sandhügel an, stabilisierten sie mit Steinplatten und schufen so die terrassenförmige Stehplatztraverse. Im Stadion ist Platz für 18 100 Fans. Die Tribüne, in der Sitze des Olympiastadions verbaut wurden, hat 1 600 Plätze.Der Verkehrswert des Stadions liegt bei 2,7 Millionen Euro. Ein Verkauf zu einem symbolischen Preis ist möglich, muss aber vom Senat und vom Abgeordnetenhaus gebilligt werden.