Der Bezirk Mitte will das Wohngebiet zu beiden Seiten der Karl-Marx-Allee "als grüne Oase für die Bewohner" erhalten. "Das Gebiet hat eine sehr hohe Qualität, die bewahrt werden muss. Neubauten müssen sich behutsam und nahtlos einfügen", sagte gestern Mittes Baustadtrat Thomas Flierl (PDS) bei der Präsentation einer sozial-räumlichen Untersuchung für das Viertel. Das Stadtbüro Hunger hatte im vergangenen Jahr 400 Interviews mit Bewohnern geführt. Dabei haben sich 99 Prozent der Bewohner für den Erhalt der großzügig angelegten Grünflächen zwischen den Plattenbauten ausgesprochen. Zwei von drei Bewohnern sind mit ihrem Wohngebiet "sehr zufrieden". Etwa drei Viertel der Mieter wollen in ihren Wohnungen bleiben, lediglich fünf Prozent haben beschlossen, wegzuziehen. Das Wohngebiet an der Karl-Marx-Allee wurde in den 60er- und 70er-Jahren gebaut. Heute leben dort etwa 10 000 Menschen. "Jeder Dritte ist seit 1990 erst dorthin gezogen", sagt Bernd Hunger. Er lehnt die Senatsidee ab, das Gebiet nach dem Planwerk Innenstadt umzugestalten. "Man kann die historischen Spuren des alten Stadtgrundrisses nur landschaftsplanerisch aufnehmen", sagte er.Diese Strategie verfolgt Flierl seit einigen Monaten. Unter anderem wird die alte Landsberger Straße nur noch ein Fuß- und Radweg. Der Senat wollte dort ursprünglich eine neue Straße bauen. Der Kompromiss zwischen Bezirk und Senat soll jetzt in Bebauungsplänen verankert werden. Flierl hofft, dass durch die Studie zur Karl-Marx-Allee das Senats-Planwerk auch an anderen Stellen "kritisch revidiert werden kann und Vorhaben des Bezirks in die Senats-Planungen aufgenommen werden". Laut Hunger soll jetzt ein Faltblatt mit den Ergebnissen der Untersuchung an alle Haushalte verschickt werden. (ua.)